Plötzlich Millionär

26. März 2013, 18:18 Uhr

Nick D'Aloisio hat erreicht, wovon viele träumen: Der 17-Jährige hat seine iPhone-App für 30 Millionen Dollar an Yahoo verkauft. Er gilt als der nächste Mark Zuckerberg. Wer ist das Wunderkind? Von Christoph Fröhlich

Auf den ersten Blick wirkt Nick D'Aloisio mit seiner Vorliebe für bunte, großkarierte Hemden, den grellen Turnschuhen und der sorgfältig gestylten Wuschelfrisur wie ein typischer britischer Teenager. Doch nun dürfte ihn jeder Mensch in London kennen: Ob "Financial Times", "The Guardian" oder "Daily Telegraph", auf allen großen Tageszeitungen prangte am Dienstagmorgen das Gesicht des neuen britischen Wunderkinds. Denn D'Aloisio ist nicht nur ein begabter Schüler und Hobby-Entwickler, sondern seit Montag auch Multimillionär. Der IT-Konzern Yahoo kaufte seine iPhone-App Summly, die lange Online-Texte auf maximal 400 Zeichen komprimiert, sodass sie genau auf den Bildschirm eines Smartphones passen und sich bequem unterwegs lesen lassen. Die Technik will Yahoo nun in eigenen Anwendungen einsetzen. Die Idee ist simpel - und 30 Millionen Dollar wert, wie das IT-Blog "All Things D" berichtet. Wie viel Geld davon in D'Aloisios Tasche wandern, ist nicht bekannt. Es gilt aber als sicher, dass er den Löwenanteil bekommen wird.

In seiner Heimat gilt D'Aloisio schon jetzt als neuer Mark Zuckerberg, die "Times" nannte ihn in einem Atemzug mit Microsoft-Gründer Bill Gates. Er hat bereits vor seiner Volljährigkeit so viel Geld verdient, das er für den Rest seines Lebens ausgesorgt hat. Die Geschichte des Schülers, der eine begehrte App auf einem alten Apple-Computer programmiert, klingt wie ein modernes Märchen - doch in Wirklichkeit ist es das Ergebnis harter Arbeit.

Die ersten 79 Pfund

Nick D'Aloisio wird als Sohn zweier australischer Auswanderer geboren. Seine Mutter Diana D'Aloisio ist Anwältin, sein Vater Lou Montilla Investmentbanker bei Morgan Stanley. Als er ein Jahr alt ist, ziehen seine Eltern zurück nach Down Under, sechs Jahre verbringt er in Melbourne und Perth. Mit sieben Jahren kehrt er zurück nach London, seitdem lebt seine Familie im Nobelviertel Wimbledon, wo er auf das renommierte King's College zur Schule geht. Die Ausbildung lassen sich seine Eltern 21.000 US-Dollar im Jahr kosten, dafür lernt Nick unter anderem Russisch, Latein, Mandarin, Französisch und Griechisch.

Seine Leidenschaft sind aber Computer: Mit zehn Jahren nervte er seine Eltern so lange, bis sie ihm schließlich ein Macbook von Apple kauften, erzählte er dem britischen "Telegraph". Als Apple im Jahr 2008 seinen App Store für das iPhone startete, wittert der junge Entwickler seine Chance: Mit Online-Videos brachte er sich selbst das Programmieren bei, seine erste App - Finger Mill, eine Art Fingertraining - veröffentlichte er noch im Sommer 2008. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur ein paar Tausend Apps für Apple-Geräte. "Es war das einzige, was ein Zwölfjähriger im Netz tun konnte" sagte D'Aloisio dem "Telegraph". "An dem Tag, an dem ich die App veröffentlichte, verdiente ich 79 Pfund. Für mich war das der Wahnsinn."

Jeden Sommer eine App

Angespornt vom Erfolg entwickelte er jeden Sommer in den großen Ferien eine App. Während seine Klassenkameraden zum Baden an den See gingen oder die Zeit im Hyde Park totschlugen, entwickelte er kleine Anwendungen wie "SongStumblr, eine Art Musikentdeckungsservice und Facemood, einen Dienst, der die Stimmung eines Facebook-Nutzers anhand seiner Statusbeiträge vorhersagen sollte.

Zwar stiegen mit jeder App die Downloadzahlen, den Durchbruch erreichte D'Aloisio aber erst im Sommer 2011. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte er TrimIt, einen Dienst, der Webinhalte in kleinere Infohäppchen zusammenfasst. Die App wurde von Apple promoted, einige renommierte Techblogs berichteten über die Anwendung. Schnell knackte er die Marke von 30.000 Downloads. Vom Erfolg bekam der damals 15-Jährige nicht allzu viel mit, stattdessen sonnte er sich mit Freunden im Süden Portugals.

Mit 17 Jahren Millionär

Als D'Aloisio zurückkehrte, bekam er einen Anruf von Mitarbeitern des Hongkonger Unternehmer Li Ka-shing, laut "Forbes" der achtreichste Mensch der Welt. Der chinesische Wagniskapitalgeber bewies bereits mit Investments in Facebook, Spotify und Siri, bevor es an Apple verkauft wurde, den richtigen Riecher. Nun wollte er D'Aloisios App. "Am Ende des Anrufs erklärte ich, dass ich erst 15 Jahre alt bin", sagte D'Aloisio dem Telegraph. "Das schien sie aber nicht zu stören." Li Ka-shing stellte für TrimIt, dem Vorläufer von Summly, rund 300.000 US-Dollar zur Verfügung. Das Geld nutzte D'Aloisio, um seine App gemeinsam mit Experten vom Stanford Research Institute zu optimieren. Dafür ließ sich der Einser-Schüler vor knapp einem Jahr von der Schule beurlauben.

Exakt ein Jahr nach der Investition veröffentlichte D'Aloisio am 1. November 2012, seinem 17. Geburtstag, die Nachrichten-Verkürzungs-App Summly. Gemeinsam mit weiteren Unterstützern - darunter der Schauspieler Ashton Kutcher, Zynga-Chef Mark Pincus, die Künstlerin Yoko Ono oder Medienmogul Rupert Murdoch - überzeugte er Yahoo-Chefin Marissa Mayer, seine Idee zu kaufen. Mittlerweile ist die Anwendung aus dem App Store entfernt worden, die Technologie wird künftig exklusiv in mobile Yahoo-Dienste überführt.

Hausaufgaben und Programmieren

D'Aloisio und sein kleines Team werden nun bei Yahoo anfangen. "Wir haben mit unserer Technik gerade erst angefangen", schreibt der junge Brite in seinem Blog. Nebenbei will er noch seinen Abschluss machen: "Ich muss noch anderthalb Jahre zur Oberschule gehen", sagte D'Aloisio der "New York Times". Er werde aber zeitweise vom Yahoo-Büro in London arbeiten. Auch seine anderen Hobbys - darunter Cricket - sollen nicht zu kurz kommen, schreibt die US-Zeitung. Ein weiteres Ziel hat der 17-Jährige bereits ins Auge gefasst: Er will an der Elite-Universität Oxford studieren - am liebsten Philosophie.

Hier können Sie dem Verfasser auch auf Twitter folgen.

Zum Thema
Digital
Ratgeber und Extras
iPhone 6: Die nächste Smartphone-Generation iPhone 6 Die nächste Smartphone-Generation
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...

 

  von Gast 103454: Wann erbe ich? Betreffend Umzug und Steuer!

 

  von Gast 103439: Geburtstagsparty trotz AU

 

  von MrSweets: IPhone IMatch deaktivieren

 

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.