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22. April 2010, 14:19 Uhr

Street-View-Autos erfassen Wlan-Netze

Deutsche Datenschützer sind schockiert. Google soll mit den Autos seines Kartendiensts Street View nicht nur Straßen aufgenommen, sondern auch private Wlan-Netze kartografiert haben. Nun äußert sich Google zu den Vorwürfen.

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Diese Kamera ist auf den Street-View-Autos montiert, die die Städte erfassen© Angelika Warmuth/DPA

Neuer Ärger für Googles Kartendienst Street View: Der Suchmaschinengigant Google erfasst laut dem Bundesdatenschützer Peter Schaar alle drahtlosen Datennetze (Wlan) in Deutschland. Google fotografiere mit seinen Fahrzeugen nicht nur die Umgebung, sondern erfasse auch Funknetze, erklärte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Nach jüngsten Erkenntnissen seien die Google-Fahrzeuge mit Scannern ausgestattet, die WLAN-Netze aufspüren und registrieren. Beim systematischen Scannen vor allem von in privaten Haushalten genutzten Netzwerken handele es sich um die Erfassung und Speicherung personenbezogener Daten.

Google bestreitet die Vorwürfe

In einer Mitteilung der Behörde des Bundesdatenschützers hieß es, dass ein Vertreter von Google eingeräumt habe, dass in Deutschland alle für den Internetdienst von Google Street View im Einsatz befindlichen Fahrzeugen mit technischen Geräten zur Kartografierung von Wlan-Netzen ausgerüstet seien. Google-Sprecher Kay Oberbeck wies die Vorwürfe der Datenschützer entschieden zurück. „Die Erfassung von Wlan-Daten ist weder etwas Neues, noch ist es etwas, was nur Google macht“, erklärte Google-Sprecher Kay Oberbeck. Google habe nie ein Geheimnis darum gemacht, dass das Unternehmen wie andere auch solche Netz-Daten erfasst, erklärte der Suchmaschinen-Anbieter. "Diese Art von Daten werden seit Jahren von verschiedenen - darunter auch deutschen - Unternehmen gesammelt."

Datenschützer Caspar hält das Vorgehen von Google dennoch für "nicht akzeptabel", da dabei personenbezogene Daten erhoben würden. Damit sei es "rechtswidrig". Denn neben dem Verschlüsselungsstatus der Geräte und einer eindeutigen Seriennummer (MAC-Adresse) würde auch der vom Nutzer vergebene Name der Funkstation (SSID) gspeichert, kritisiert der Datenschützer. Vor allem Privatnutzer würden beim SSID-Namen aber oft ihren Klarnamen oder andere auf sie hinweisende Informationen nutzen. Damit könne ein Netz konkret den Bewohnern zugeordnet werden.

Bundesdatenschützer Schaar zeigte sich entsetzt über das Verhalten von Google, dass diese Fahrten ohne Wissen Dritter zu anderen Zwecken benutzt worden seien. "Ich fordere Google auf, die bisher rechtswidrig erhobenen personenbezogenen Daten über die Wlan-Netze umgehend zu löschen und die Fahrten für Street View zu stoppen".

Google hält dagegen, dass die Erfassung völlig rechtmäßig sei. Die technischen Informationen über ein Netzwerk würden von den jeweiligen Betreibern öffentlich zugänglich gemacht. "Es handelt sich hierbei nicht um persönlich identifizierbare Daten."

Ortungsdienste für Smartphones

Öffentlich verfügbare und auch privat betriebene Wlan-Netze werden heute vor allem genutzt, um mobile, ortsbezogene Dienste etwa für Smartphones anzubieten - selbst wenn die Handys keinen GPS-Empfänger haben. Zahlreiche Anwendungen (Apps) für Android-Handys oder Apples iPhone bieten zum Beispiel Informationen wie Sehenswürdigkeiten oder Restaurants in der Nähe des Nutzers an. Dafür wird zuvor anhand der erfassten Daten der jeweilige Standort des Nutzers ermittelt. Entsprechende Netzdaten erheben etwa Unternehmen wie Skyhook Wireless, die Straßenzüge abfahren und dabei registrieren, welche Funknetze in der Umgebung vorhanden sind. Diese Praxis sei in der Branche normal, erklärt Skyhook auf seiner Website.

APN/DPA
 
 
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