14. Mai 2012, 17:23 Uhr

Dreimal Hölle und zurück

Zwölf Jahre hat es gedauert, nun ist es soweit: Blizzards Rollenspiel-Kracher Diablo 3 steht in den Läden. Schon vor dem offiziellen Verkaufsstart bricht das Spiel alle Rekorde. Warum eigentlich? Von Christoph Fröhlich

Diablo 3, Diablo III, Blizzard

Nach zwölf Jahren steht es heute Nacht in den Läden: Diablo 3.©

Heute Abend, wenn Frank Plasberg im Ersten über Rot-Grün debattiert und Rachs Restaurantschule das Kochen lernt, wenn sich Fernseh-Deutschland auf das heimische Sofa hockt, heißt es für die Nerds und Gamer der Republik: ab in die Stadt und Schlange stehen. Während die Media Märkte und Saturns sonst um 20 Uhr die Pforten schließen, muss die Belegschaft heute Nachtschicht schieben. Denn für Videospieler erscheint diese Nacht nicht einfach irgendein Spiel, sondern das PC-Highlight des Jahres: Diablo 3.

Allein zur offiziellen Premierenfeier am Alexanderplatz in Berlin um 22 Uhr sollen rund 2000 Leute kommen, die angeheizt von kostümierten Fans und einer Live-Band den Start des Videospiels frenetisch bejubeln werden. Es ist das ganz große Kino, mit Gewinnspielen, Gratis-T-Shirts, selbst die Entwickler von Diablo 3 werden vor Ort sein und den anwesenden Gamern Rede und Antwort stehen. Der Verkaufsstart eines Blizzard-Titels wird von den Anhängern ähnlich gefeiert wie ein neues iPhone von Apple-Jüngern. Weltweit öffnen mehr als 8000 Läden um Mitternacht. Und das alles für ein Computerspiel.

Schon jetzt bricht Diablo 3 alle Rekorde: Laut Amazon erreichte kein Videospiel mehr Vorbestellungen als der neueste Blockbuster aus dem Hause Blizzard, dass sich mit Hits wie "Starcraft" oder "World of Warcraft" in Zockerkreisen unsterblich machte. Die deutsche Version ist bei dem Online-Händler bereits ausverkauft. Analysten schätzen, dass sich Diablo 3 in diesem Jahr rund 3,5 Millionen Mal verkaufen wird. Die Erwartungen sind riesig: Haben sich die zwölf langen Jahre des Wartens auf den Nachfolger gelohnt?

Wen kümmert's, warum ich hier bin?

In Diablo 3 übernimmt der Spieler die Rolle eines Helden, der gegen das Böse in Form des Höllenfürsten Diablo kämpft. Zur Auswahl stehen fünf Klassen: Ein nahkampftauglicher Barbar, ein mächtiger Hexendoktor, der untote Gestalten beschwören kann, ein Dämonenjäger, der sich vor allem auf seine Armbrust verlässt, ein faustkämpfender Mönch und ein mächtiger Magier.

Mit Axt, Bogen oder Zauberspruch stemmt sich der Held anschließend gegen die Horden des Fürsten der Unterwelt. Das Prinzip ist simpel: Monster hauen, Rüstung und Waffe aufheben, Level aufsteigen. Noch mehr Monster hauen, noch mehr Rüstungen aufheben und noch mehr Level aufsteigen. So geht das bis Level 60. Das klingt stupide und ist es auch. Aber immer, kurz bevor es langweilig werden könnte, wirft Blizzard dem Spieler ein Appetithäppchen in Form einer magischen Rüstung oder eines einzigartigen Schwerts vor die Nase. Und letztlich ist das der einzige Sinn des Spiels: stärker werden als Diablo, stärker werden als der Rest. Es jedem zeigen. Und dabei noch cool aussehen.

Die Handlung und die Dialoge verkommen bei den meisten Fans zur Nebensache. Warum man den Oberfiesling aus der Hölle bekämpft - wen interessiert's, solange er spektakulär aussieht und eine neue Waffe fallen lässt. "Hack and Slay" ("Zerhacken und erschlagen") heißt das Spielprinzip, dass das erste Diablo im Jahr 1996 begründete. Und keiner der zahllosen Klone konnte das Genre seitdem mit ähnlich viel Leben erfüllen wie die Höllen-Reihe von Blizzard. Auch der dritte Teil verspricht beste Unterhaltung. Diablo-Veteranen müssen sich aber auf einige Veränderungen gefasst machen.

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