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Diablo 3 mit Echtgeld-Auktionshaus: Das dunkle Geschäft mit virtuellem Gold

Blizzard startet im Videospiel Diablo 3 ein Auktionshaus, in dem virtuelle Äxte gegen echte Euros verkauft werden. Das Geschäft ist lukrativ, wie ein professioneller Gamer verrät.

Von Christoph Fröhlich

Tag und Nacht streift die Zauberin durch dunkle Verliese, tötet Dämonen mit magischen Geschossen und plündert ihre Überreste. Hunderte von Kreaturen erlegt sie pro Stunde, Tausende am Tag. Was klingt wie ein blutrünstiger Fantasy-Actionfilm, ist in Wirklichkeit eine ganz normale Spielszene aus dem Online-Rollenspiel "Diablo 3". Gesteuert wird die Zauberin von einem Mann, der vermutlich aus Dänemark kommt, anonym bleiben möchte und sich "Mister Farmer" nennt. Denn er spielt das Onlinespiel nicht zum Spaß, sondern um möglichst viele virtuelle Goldmünzen zu sammeln, um sie dann zu echtem Geld zu machen.

Wie in jedem echten Land gibt es auch in der Onlinewelt von Diablo eine Währung, mit der Güter wie Heiltränke und Schwerter gekauft werden können. Das Sammeln ist mühselig und zeitraubend, und genau hier kommen "Mister Farmer" und seine Kollegen ins Spiel: Sie erledigen den Job, den niemand machen möchte - stundenlang ohne Abwechslung Monster verprügeln. Die virtuelle Drecksarbeit lassen sie sich gut bezahlen, verdammt gut sogar: Auf Ebay oder anderen Verkaufsplattformen werden die virtuellen Goldmünzen für echtes Geld versteigert. Und das Geschäft brummt.

Zocken wie in Hollywood

Diablo 3 ist das am schnellsten verkaufte Computerspiel aller Zeiten. Allein am ersten Tag verkaufte sich das Spiel 3,5 Millionen Mal, in der ersten Woche gingen 6,3 Millionen Exemplare über die Ladentheke. Beworben wurde das Spiel mit riesigen Plakaten in Großstädten und teuren Fernsehspots im Vorabendprogramm.

Games sind schon lange keine Nische mehr für einsame Kellerkinder. Zocken ist zum Milliardengeschäft geworden: Der Ego-Shooter "Call of Duty: Modern Warfare 3" spülte dem Entwicklerstudio Activison seit dem Erscheinen im vergangenen November mehr als eine Milliarde US-Dollar in die Kassen. Damit steht das Spiel auf einer Stufe mit Hollywood-Blockbustern wie "Fluch der Karibik" oder "The Dark Knight".

Doch nicht nur die Spiele selbst, auch zusätzliche Inhalte lassen die Kassen klingeln: Häppchenweise servieren die Unternehmen kostenpflichtige Level, Kostüme oder Rennstrecken, und halten die Spiele so am Leben. Doch auch abseits der offiziellen Gamingplattformen werden Millionenumsätze mit virtuellen Gütern gemacht. Einer, der weiß wie's geht, ist "Mister Farmer".

250 Euro pro Stunde

Für eine möglichst große Ausbeute nutzt er bis zu 100 Accounts mit insgesamt 200 Spielfiguren gleichzeitig. Die kann er selbstverständlich nicht alle per Hand steuern, dafür nutzt er Programme, sogenannte Bots. Sie navigieren die 200 Charaktere durch die Welt von Diablo. Das Sammeln von Goldmünzen läuft so vollautomatisch, sie müssen nur noch an den Mann gebracht werden. Im Schnitt schafft das Team von "Mister Farmer" 50 Millionen Goldstücke in der Stunde, auf Ebay sind die derzeit etwa 250 Euro wert. Pausen kennt das Programm nicht: Es kann 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Dämonen schnetzeln. In einer Woche generieren sie so einen Goldberg im Wert von 42.000 Euro, im Monat sind das 168.000 Euro - zumindest theoretisch. Denn all das Gold muss natürlich auch erst an den Mann gebracht werden. Branchenkenner schätzen, dass ambitionierte Diablo-Farmer in den ersten vier Wochen nach dem Start rund 20.000 Euro verdient haben dürften. Das große Aber: Das Benutzen von Bots ist illegal.

Das Entwicklerstudio Blizzard geht hart gegen die Betrüger vor, in Gamerkreisen werden sie Cheater genannt. Vor wenigen Tagen sperrte das Unternehmen Tausende von Spielern, die verbotene Software verwendet haben, um sich unfaire Vorteile zu verschaffen. Was wie ein großer Erfolg klingt, ist in Wahrheit aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: Im Gespräch mit stern.de schätzt "Mister Farmer", dass es derzeit etwa zehntausend Accounts in Diablo 3 gibt, die ausschließlich Gold sammeln. Zwar habe auch er einige Accounts verloren - der Großteil seiner Figuren könne aber weitersammeln wie zuvor. Blizzards Sicherheitssoftware namens "Warden" ("Wächter") würde nur die kleinen Fische fangen. Die Profis - dazu zählt er sich - erleiden nur geringe Verluste. Zwar rüstet das Unternehmen konsequent auf, doch auch die Gegenseite passt ihre Bots an die neuen Umstände an. Bis ein Account (Wert: 50 Euro) gesperrt wird, hat er ungefähr das Zehnfache eingespielt.

Blizzard weiß, dass sie Cheater nicht endgültig aus ihren Spielen fernhalten können. Auch in "World of Warcraft", dem erfolgreichsten Online-Game der Firma, gehören Farmer und Goldhändler zum Fantasy-Alltag wie Elfen und Zwerge. Dort ist es seit Jahren gang und gäbe, das faule Gamer auf dubiosen Webseiten Gold kaufen statt tagelang Monster zu verprügeln, um sich ein neues Reittier oder eine seltene Rüstung zu kaufen. Der Kauf selbst ist sehr simpel: Man wählt in dem Onlineshop die gewünschte Goldmenge, bezahlt via Paypal, wenige Minuten später ist die vereinbarte Menge im Briefkasten der Spielfigur. Ehrliche Gamer müssen seit sieben Jahren mitansehen, wie vorrangig Farmer aus China das Spiel mit billigem Gold überfluten. Die virtuelle Hyperinflation macht die Gegenstände immer teurer und das Spiel für normale Zocker immer unattraktiver.

Ein eigenes Auktionshaus

In Diablo 3 soll jetzt alles besser werden: Blizzard hat nun in Deutschland ein eigenes Auktionshaus gestartet, dass den illegalen Handel zumindest eindämmen soll. Dort können wertvolle Gegenstände - und demnächst auch Goldmünzen - gegen bares Geld verkauft werden. Das soll die Spieler von den zwielichtigen Händlern weglocken und mehr Sicherheit bieten. Bietet ein Spieler dort große Mengen Gold in sehr kurzer Zeit an, wäre das auffällig und würde ihn möglicherweise seinen Account kosten.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine Videospielfirma ein eigenes Echtgeld-Auktionshaus betreibt. Doch es ist nicht nur die Fairness, die Blizzard motiviert. Bei jedem Verkauf wird die Firma mitverdienen. Auch deshalb, behaupten einige Farmer, kämpfe das Unternehmen nur oberflächlich gegen die Goldsammler.

Aus Sicht des Unternehmens ein lukratives Geschäft - doch die meisten Spieler sind von diesem Schritt wenig begeistert. Das Auktionshaus würde es reichen Spielern zu leicht machen, an gute Gegenstände zu kommen, behaupten kritische Stimmen. Zugleich würde es für Hacker und Online-Betrüger noch lukrativer sein, fremde Accounts zu stehlen. "Die Sicherheit der Spieler liegt uns sehr am Herzen", sagt ein Blizzard-Sprecher stern.de. Er verweist auf die hohen Sicherheitsstandards: So muss ab sofort jeder Deal im Auktionshaus mit einem sogenannten Authenticator, der eine nur für kurze Zeit gültige Zeichenkette als Passwort generiert, bestätigt werden. Das Programm gibt es für iPhone und Android sowie als eigenständiges Gerät.

Die firmeneigenen Foren, in denen sich Nutzer über das Spiel austauschen, seien zudem sehr sicher. Das bestätigen auch Hacker, mit denen stern.de gesprochen hat: Die Website des Unternehmens sei nahezu immun gegen Angriffe. Das gilt jedoch nicht für die zahlreichen Fan-Seiten im Web. Die sind nach wie vor ein lukrativer Markt für Kriminelle.

Das Geschäft mit fremden Accounts

Auf den Fanseiten versammeln sich Millionen von Nutzern und besprechen neue Taktiken, plaudern über das Spiel und tauschen Gegenstände. Was viele nicht ahnen: Die Betreiber schützen die Mitglieder oft nur unzureichend gegen Cyber-Angriffe. Die dort hinterlegten Daten - E-Mail-Adressen, Passwörter, Namen - sind Fremden beinahe schutzlos ausgeliefert. Insider behaupten, dass rund zwei Prozent der Nutzer für die Fanseiten dieselbe E-Mail-Adresse und das gleiche Passwort verwenden wie für ihre übrigen Accounts. So kann das wertlose Profil aus dem Diablo-Forum schnell zum Türöffner für das richtige Spiel oder gar zu Diensten wie Paypal sein. Damit erwerben die Hacker neue Accounts für Diablo 3, wenn ihre alten gesperrt wurden.

"Sobald man mit einem Account Gewinn macht, werden neue gekauft und die Probleme behoben", erklärt "Mister Farmer". Dass das tonnenweise generierte Gold den Markt kaputt macht, die Preise immer weiter sinken, stört ihn nur wenig. Er ist überzeugt davon, auch in Zukunft von seinem ungewöhnlichen Beruf leben zu können. "Und wenn nicht, hat Blizzard sein eigenes Spiel versaut."

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.