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Gamescom in Köln: Wie Gamer Frust vermeiden können

Die Gamescom in Köln öffnet ihre Pforten für mehr als 250.000 Besucher. Vor allem an den Blockbustern drängeln sich die Menschen. Wer darauf keine Lust hat, für den haben wir ein paar Alternativen.

Von Christoph Fröhlich, Köln

Wer auf der Gamescom zocken will, muss vor allem eins: Stehvermögen beweisen. Denn obwohl das Messegelände mit 140.000 Quadratmetern so groß ist wie 20 Fußballfelder, drängeln sich die meisten Besucher auf engstem Raum. Begehrt sind vor allem die Stände von Electronic Arts, Sony, Ubisoft und Activision Blizzard. Schon am Mittwoch, dem Tag der Fachbesucher, bildeten sich hier zu Stoßzeiten lange Schlangen. Ab Donnerstag, wenn die Hallen auch für Privatbesucher geöffnet werden, dürften die noch weiter wachsen: Bis Sonntagabend werden mehr als 250.000 Besucher auf der Gamescom erwartet.

Stundenlanges Warten für ein paar Minuten Zocken

Einige Entwickler reagierten auf den massiven Andrang und erhöhten die Zahl der Anspielstationen, so auch Activison, die den kommenden Blockbuster "Call of Duty: Black Ops 2" zeigen: Das Studio baute gleich zwei riesige Stände um möglichst vielen Fans die Gelegenheit zu bieten, das Ballerspiel selbst auszuprobieren. Helfen wird es trotzdem nur bedingt: Obwohl doppelt so viele Konsolen zur Verfügung stehen, dürfte die durchschnittliche Wartezeit für eine Spielsession zwei Stunden betragen. Wer es dann schließlich an den Controller schafft, darf zwei Mal acht Minuten spielen - dann ist Schluss und der nächste Spieler an der Reihe.

Um die Besucher über die ungefähre Wartezeit zu informieren, setzen nahezu alle großen Stände auf Schilder mit der verbleibenden Restzeit. Das kann hilfreich sein, aber auch sehr deprimierend: Beim Stand von Blizzard, der mit Hits wie "Diablo 3" oder "World of Warcraft: Mists of Pandaria" besonders attraktive Spiele präsentiert, gibt es ein Schild mit der Aufschrift "Ab hier nicht mehr anstellen, Wartezeit länger als vier Stunden". Hinzu kommt, dass die Hersteller auf riesigen Leinwänden lautstark für ihre Spiele werben. Die Trailer mögen beim ersten und zweiten Mal noch nett anzusehen sein, beim dritten Mal nerven sie, beim fünften Durchlauf kann man bereits mitsprechen. Doch lohnt sich das lange Warten wenigstens?

Mit der passenden App zur Abkürzung

Genug Zeit, um einen guten Eindruck von den Spielen zu bekommen, bekommt man bei keinem der Blockbuster. Beim Strategiespiel "Starcraft 2: Heart of the Swarm" darf man eine Partie spielen, die maximal zwanzig Minuten dauert. Nicht viel länger geht es bei der vierten "World of Warcraft"-Erweiterung zur Sache: Hier kann man mit einem knuddeligen Pandamönch durch ein asiatisch angehauchtes Dorf laufen und ein paar Monster verprügeln. Dann muss man der Fantasywelt auch schon wieder Lebewohl sagen und kriegt am Ausgang zum Trost einen Panda-Glückskeks und ein paar Sticker in die Hand gedrückt.

Auch am Stand von Ubisoft gibt es jede Menge zu sehen: Mit "Assassin's Creed 3" und "Far Cry 3" hat der französische Spielepublisher zwei Blockbuster zur Messe mitgebracht. Und: Obwohl Nintendo nicht offiziell auf der Messe ist, kann man hier bereits die neue Konsole Wii U ausprobieren, die vermutlich zum Weihnachtsgeschäft in den Läden stehen soll. Zur Auswahl stehen der Zombieschnetzler "ZombiU", das Hüpfspiel "Rayman Legends" oder die Minispielsammlung "Rabbids Land".

Zumindest bei Titeln von Electronic Arts ("Need for Speed", "Crysis 3", "Fifa 13") kann die Wartezeit mit einem sogenannten "Fast Pass" verkürzt werden: An den Ständen verteilt befinden sich QR-Codes, die mit dem Handy und der passenden App gescannt werden können. Dahinter verbirgt sich ein Link, der mit ein wenig Glück ein Ticket samt Anspieltermin ausspuckt.

Abseits der Schlangen

Wer die neuesten Games zwar sehen, aber nicht unbedingt ausprobieren will, kann die überfüllten Hallen 6 und 7 meiden und sich in Halle 10.1 zunächst einen Überblick verschaffen. Dort bietet LG ein Kino mit 500 Sitzplätzen an, in dem Trailer der großen Spielereihen gezeigt werden. Einige Games können sogar in 3D angespielt werden.

Doch auch abseits der großen Blockbuster gibt es auf der Gamescom viel zu entdecken: In Halle 8 macht das Zusehen sogar mehr Spaß, als selber zu daddeln. Hier finden nationale und internationale E-Sport-Turniere statt ("Starcraft 2" und "League of Legends"), bei denen die besten Gamer gegeneinander antreten. Mehr als 2000 Besucher werden den Spitzensport an der Maus verfolgen und den Profis zujubeln.

Erstmals gibt es auf der Messe einen eigenen Bereich für Cosplayer, in dem sich all die verkleideten Elfen, Superhelden-Figuren und Doubles von Prinzessin Leia austauschen können. Auch wer nicht verkleidet ist, bekommt dort einiges zu sehen: Täglich um 19 Uhr (Sonntag um 16.30 Uhr) wird in einer Art Modenschau das beste Kostüm des Tages gewählt.

Darf's ein bisschen Retro sein?

Bei den alljährlichen Casemod-Meisterschaften am Samstag und Sonntag (Halle 10) steht nicht das Zocken im Vordergrund, sondern das Abspielgerät an sich. Hier zeigen Bastler, wie abgefahren ein PC-Gehäuse aussehen kann: So stecken einige der Rechner in Science-Fiction-Raumschiffen und bunt beleuchteten, transparenten Plexiglaskästen, im vergangenen Jahr baute einer der Teilnehmer seinen Computer in ein Motorrad ein. Parallel zur Meisterschaft bieten Casemodding-Profis spezielle Workshops, in denen Besucher lernen können, wie man einzelne Bauteile modifiziert und verschönert.

In Halle 10 wartet noch ein weiteres Highlight: In der rund 600 Quadratmeter großen Retro-Gaming-Area präsentieren Vereine und Sammler die Geschichte der Videospiele. Ein Schwerpunkt ist der Commodore 64, der in diesem Jahr seinen dreißigsten Geburtstag feiert. Viele der dort ausgestellten Games sind älter als der Großteil der Besucher. Spaß machen sie trotzdem: Vor allem bei "Mario Kart" für das Super Nintendo Entertainment System von 1992 wird der Controller nur selten aus der Hand gelegt. Denn nach dem all Anstehen und Trailer schauen ist es auch mal wieder schön, im Sitzsack zu versacken und die Spiele von früher zu genießen. Und hier muss man wenigstens nicht anstehen.