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Diablo 3: Dreimal Hölle und zurück

Zwölf Jahre hat es gedauert, nun ist es soweit: Blizzards Rollenspiel-Kracher Diablo 3 steht in den Läden. Schon vor dem offiziellen Verkaufsstart bricht das Spiel alle Rekorde. Warum eigentlich?

Von Christoph Fröhlich

Heute Abend, wenn Frank Plasberg im Ersten über Rot-Grün debattiert und Rachs Restaurantschule das Kochen lernt, wenn sich Fernseh-Deutschland auf das heimische Sofa hockt, heißt es für die Nerds und Gamer der Republik: ab in die Stadt und Schlange stehen. Während die Media Märkte und Saturns sonst um 20 Uhr die Pforten schließen, muss die Belegschaft heute Nachtschicht schieben. Denn für Videospieler erscheint diese Nacht nicht einfach irgendein Spiel, sondern das PC-Highlight des Jahres: Diablo 3.

Allein zur offiziellen Premierenfeier am Alexanderplatz in Berlin um 22 Uhr sollen rund 2000 Leute kommen, die angeheizt von kostümierten Fans und einer Live-Band den Start des Videospiels frenetisch bejubeln werden. Es ist das ganz große Kino, mit Gewinnspielen, Gratis-T-Shirts, selbst die Entwickler von Diablo 3 werden vor Ort sein und den anwesenden Gamern Rede und Antwort stehen. Der Verkaufsstart eines Blizzard-Titels wird von den Anhängern ähnlich gefeiert wie ein neues iPhone von Apple-Jüngern. Weltweit öffnen mehr als 8000 Läden um Mitternacht. Und das alles für ein Computerspiel.

Schon jetzt bricht Diablo 3 alle Rekorde: Laut Amazon erreichte kein Videospiel mehr Vorbestellungen als der neueste Blockbuster aus dem Hause Blizzard, dass sich mit Hits wie "Starcraft" oder "World of Warcraft" in Zockerkreisen unsterblich machte. Die deutsche Version ist bei dem Online-Händler bereits ausverkauft. Analysten schätzen, dass sich Diablo 3 in diesem Jahr rund 3,5 Millionen Mal verkaufen wird. Die Erwartungen sind riesig: Haben sich die zwölf langen Jahre des Wartens auf den Nachfolger gelohnt?

Wen kümmert's, warum ich hier bin?

In Diablo 3 übernimmt der Spieler die Rolle eines Helden, der gegen das Böse in Form des Höllenfürsten Diablo kämpft. Zur Auswahl stehen fünf Klassen: Ein nahkampftauglicher Barbar, ein mächtiger Hexendoktor, der untote Gestalten beschwören kann, ein Dämonenjäger, der sich vor allem auf seine Armbrust verlässt, ein faustkämpfender Mönch und ein mächtiger Magier.

Mit Axt, Bogen oder Zauberspruch stemmt sich der Held anschließend gegen die Horden des Fürsten der Unterwelt. Das Prinzip ist simpel: Monster hauen, Rüstung und Waffe aufheben, Level aufsteigen. Noch mehr Monster hauen, noch mehr Rüstungen aufheben und noch mehr Level aufsteigen. So geht das bis Level 60. Das klingt stupide und ist es auch. Aber immer, kurz bevor es langweilig werden könnte, wirft Blizzard dem Spieler ein Appetithäppchen in Form einer magischen Rüstung oder eines einzigartigen Schwerts vor die Nase. Und letztlich ist das der einzige Sinn des Spiels: stärker werden als Diablo, stärker werden als der Rest. Es jedem zeigen. Und dabei noch cool aussehen.

Die Handlung und die Dialoge verkommen bei den meisten Fans zur Nebensache. Warum man den Oberfiesling aus der Hölle bekämpft - wen interessiert's, solange er spektakulär aussieht und eine neue Waffe fallen lässt. "Hack and Slay" ("Zerhacken und erschlagen") heißt das Spielprinzip, dass das erste Diablo im Jahr 1996 begründete. Und keiner der zahllosen Klone konnte das Genre seitdem mit ähnlich viel Leben erfüllen wie die Höllen-Reihe von Blizzard. Auch der dritte Teil verspricht beste Unterhaltung. Diablo-Veteranen müssen sich aber auf einige Veränderungen gefasst machen.

Schmaler Grat zwischen Begeisterung und Frust

Fast sechseinhalb Jahre dauerte die Entwicklung von Diablo 3, ähnlich lange brauchte Peter Jackson für die Realisierung der "Herr der Ringe"-Trilogie. Ideen wurden entwickelt und wieder verworfen, Charaktere erschaffen und wieder von der Bildfläche gewischt. Fragt man die Entwickler nach der Handlung, erlebt man nur kollektvies Schweigen, als ginge es um das Ende eines neuen Teils von Harry Potter.

Die Geheimniskrämerei kommt nicht von ungefähr: Das Spiel soll perfekt sein, betonen die Entwickler immer wieder. Doch bei Hunderten von Ideen schafft es nicht jede in das endgültige Spiel. Dann ist die Enttäuschung meist groß.

Das erleben die Entwickler gerade beim "Player versus Player"-Modus: Hierbei können Spieler in speziellen Arenen gegen andere Kontrahenten kämpfen. Beinahe jedes Spiel hat einen solchen Modus - nur Diablo 3 nicht. Obwohl diese Spielart beim Vorgänger außerordentlich beliebt ist, verzichteten die Entwickler zum Start ihres neuesten Software-Sprösslings auf den Gladiatorenkampf. Erst wenn der Modus den hohen Anforderungen der Entwickler entspricht, soll er per Update nachgeliefert werden, egal wie viel und lautstark die Fans jammern.

Die Kunst des Sammelns

Kaum ein anderer Entwickler lässt sich mit seinen Produkten mehr Zeit als Blizzard. Doch der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben: Jedes Spiel erreicht in Fachmagazinen Höchstwertungen und knackt eine Millionenmarke nach der nächsten. Blizzard ist seit bald 20 Jahren der Star der Games-Industrie. Die Fans halten die Treue, obwohl es längst schönere und schnellere Spiele gibt. Der nach wie vor unangefochtene Branchenprimus "World of Warcraft" hat bereits sieben Jahre auf dem Buckel, im Gaming-Bereich eine Ewigkeit. Doch immer noch gibt es 10,2 Millionen Abonnenten, die eine monatliche Gebühr von rund zehn Euro für ihr Spielvergnügen bezahlen.

Auch der Vorgänger Diablo 2 wird noch regelmäßig gespielt, obwohl das Spiel in punkto Grafik und Design nach zwölf Jahren hoffnungslos veraltet ist. Trotzdem haben viele Fans im Laufe der Jahre Dutzende Helden auf das Höchstlevel getrimmt. Und sie werden es wieder tun: Der Sammeltrieb in Diablo 3 ist ähnlich suchtfördernd wie im Vorgänger, die neuen Heldenklassen sorgen für Abwechslung. Grafisch hat der neue Blockbuster einen enormen Schritt nach vorne gemacht, auch wenn er mit aktuellen Shootern nicht mithalten kann. Dafür läuft das Spiel aber auch auf älteren Rechnern. Doch nicht alle Änderungen stoßen bei den Fans auf Gegenliebe.

Einsteigerfreundlich, nein danke!

Seit der ersten Ankündigung im Sommer 2008 diskutieren Fans über die angekündigten Veränderungen. Einer der größten Streitpunkte ist das automatische Skill-System: Steigt der Spieler eine Stufe auf, wird eine vom Hersteller festgelegte Fähigkeit automatisch verbessert. Im Vorgänger dagegen konnte frei entschieden werden, welche Zauber verbessert werden. Dieses System war für Neueinsteiger aber teilweise schwer zu durchschauen und sorgte für Frustmomente. Vielspieler allerdings lobten das System für die hohe Individualisierung der Charaktere. Das jetzige System sei zu anspruchslos, mosern die Diablo-Veteranen in den offiziellen Foren.

Für noch mehr Gesprächsstoff sorgt das neu eingeführte Auktionshaus: Im dritten Teil hat Blizzard eine Art Ebay für das Diablo-Universum implementiert, in dem für reales Geld Gegenstände ge- oder verkauft werden können. Wie auch in anderen Online-Games können Waffen, Rüstungen und Tränke versteigert oder via Sofortkauf an den Mann gebracht werden. Auch hier gehen die Fans auf die Barrikaden: Vermögende Spieler würden bevorzugt werden und die Motivation für Online-Kriminalität steige noch weiter, schallt es durch die Foren. Einen Gewinner hat das Online-Auktionshaus auf jeden Fall: Bis zu 15 Prozent des Verkaufswertes wandern in die Börse des Unternehmens.

Doch auch andersrum funktioniert das Geldverdienen: Wer heute Nacht aufsteht und in den Elektronikmarkt seines Vertrauens geht, hat gute Chancen, eine der begehrten "Collectors Editionen" von Diablo 3 zu bekommen. Bei großen Online-Händlern ist die limitierte Auflage, die unter anderem ein Buch und den Soundtrack zum Spiel enthält, seit Monaten ausverkauft. Rund 99 Euro kostet das gute Stück. Doch nicht alle Spätaufsteher wollen die Goodies wirklich haben: Bei Ebay gehen die Luxusversionen teilweise für mehr als 150 Euro über die Ladentheke. Auch das ist in Diablo 3 möglich: Wer weder kämpfen noch sammeln will, kann auch einfach gewinnbringend im Auktionshaus handeln. Die Mitternachtskäufer werden ganz weit vorne dabei sein.

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