Das wird ein ganz besonderes Spiel für Guus Hiddink. Im Viertelfinale trifft der holländische Trainer der russischen Nationalmannschaft auf das Team seines Heimatlandes. Trotz grandioser Leistungen in der Vorrunde wächst dort die Angst, gerade gegen den Landsmann aus dem Turnier zu fliegen. Und die Sorge ist nicht unbegründet. Von Oliver Trust, Leogang

Russlands Trainer Guus Hiddink kann immer noch mit dem Ball umgehen. Im Viertelfinale trifft seine Mannschaft auf die Niederlande© Pierre-Philippe Marcou/AFP
Neulich fühlte sich Guus Hiddink doch einmal in die Enge getrieben. Der Bürgermeister der Gemeinde Leogang hielt eine Lederhose in der Hand. Hiddink solle das gute Stück gleich anprobieren meinte der Österreicher. "Es gab kein Entrinnen", scherzte Hiddink, als er die Geschichte erzählte. "Aber ich bin gerettet worden, die Hose war zu klein".
Irgendwie gibt es für den 61 Jahre alten Niederländer immer einen Ausweg. Das, so erzählt man, läge vor allem an seiner lockeren Art, mit der er Dinge angeht.
Das ist auch jetzt so, da Hiddink nach dem 2:0 im entscheidenden Gruppenspiel über Schweden mit der russischen Nationalmannschaft im Viertelfinale der Euro 2008 auf sein Heimatland trifft. Obwohl sie klarer Favorit sind, macht sich in den Niederlanden so etwas wie Sorge breit, der "Goldene Guus" ("De Teleraaf") könnte mit seiner "Roten Armee" (Telegraaf) auch die Sensation schaffen, nachdem er schon als Außenseiter gegen Schweden ein "neues Meisterstück" abgelegt hat.
Hiddink selbst wiegelt erst einmal ab. "Wir hatten einen großartigen Erfolg, aber das Team wird gerade aufgebaut. Sie lernen schnell, es ist fantastisch, wie schnell, aber wir bleiben der Außenseiter". Und: "Das große Ziel ist die WM 2010. Wir haben großes Glück gehabt, dass wir bei der EM dabei sind. Wir hatten einen anderen Plan."
Ernst sieht man den Weltenbummler selten. Eindhoven, Fenerbahce Istanbul, Valencia (unter anderem saß er beim 0:7 gegen den Karlsruher SC auf der Bank), Real Madrid, Betis Sevilla, das Nationalteam der Niederlande, Südkoreas und Australiens - der Mann kennt den Globus.
Als er mit Südkorea das Halbfinale der WM 2002 erreicht hatte, setzte sich eine Welle von Pilgerfahrern aus Asien in Bewegung und fiel in seinem Heimatort im Osten der Niederlande ein wie ein Heuschreckenschwarm. Für das damals eingerichtete "Hiddink-Museum" musste ein Sicherheitsdienst aufgeboten werden.
Anfang Februar 2007 schaute der lockere Guus doch ernst drein. Es waren die Tage, als sein Gesicht in allen Zeitungen zu sehen war, was nicht am Testspiel Russlands gegen Niederlande am 7. Februar lag, das die Holländer mit 4:1 in der Amsterdam Arena gewannen. Hiddink war in eine Steuersache verwickelt und musste neben einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, 45.000 Euro Strafe zahlen. Er hatte behauptet, in Belgien zu leben, während er Russland betreute, seinen Lebensmittelpunkt aber in den Niederlanden hatte. Mittlerweile ist die Sache vergessen, und Hiddink hört nicht mehr auf jeden Rat seines Steuerberaters.