Ob Sie dick werden oder nicht, entscheidet die Energiebilanz: Wer mehr Kalorien aufnimmt, als er verbrauchen kann, legt auf Dauer an Gewicht zu. Doch von Mensch zu Mensch geschieht das ganz unterschiedlich: Ob, wie viel und wie schnell Sie in der Vergangenheit zugenommen haben und in der Zukunft zunehmen werden, wird durch verschiedene Faktoren bestimmt.
Dabei erbt nicht jeder das gesamte Speicher-Programm, das vor Jahrtausenden zum Überleben nötig war. Es gibt Familien mit dicken und dünnen Kindern; manche Menschen nehmen rasch zu, andere fast gar nicht. Forscher schätzen den Einfluss der Gene auf 60 bis 70 Prozent.
Wenn Ihre Gene Sie besonders schnell hungrig werden lassen und Sie dafür sorgen, dass Sie wenig von der Energie verbrauchen, haben Sie schlechte Karten. Auch wenn Sie durch Sport nur äußerst mühsam Fett verlieren oder sich erst gar nicht viel bewegen, sind möglicherweise Ihre Gene daran schuld.
Manche Forscher meinen auch, dass die Geschmacksknospen, die auf der Zunge sitzen, bei manchen Menschen genetisch bedingt so sensibel auf Bitteres reagieren, dass sie Süßes lieben und Gemüse verabscheuen - die Gefahr, sich ungünstig zu ernähren und zuzunehmen, steigt.
Über Ihr Gewicht entscheidet aber auch Ihr Gehirn. Es steuert Ihren Energiestoffwechsel: Als oberste Schaltstelle verteilt es Nährstoffe an Muskeln, Organe oder Gewebe - wobei es immer an sich selbst zuerst denkt. Bekommt das Gehirn Hunger, sendet es ein unmissverständliches Signal: Essen!
Gehirn, Nervenimpulse und Botenstoffe arbeiten meist zusammen, um Ihren Energiestoffwechsel in Balance zu halten. Auch das Gefühlszentrum im Kopf, das limbische System, spielt eine wesentliche Rolle. Neuere Forschungen zeigen, dass bei stark Übergewichtigen dieses fein abgestimmte System oft gestört ist.
Entscheidend für Ihr Körpergewicht ist außerdem, was Sie als Kind in Ihrer Familie über das Essen gelernt haben. Kinder aus Familien mit ungesundem Lebensstil haben ein deutlich erhöhtes Risiko zuzunehmen: Wer immer essen kann, was und wann er will, stundenlang vor dem Fernseher oder dem Computer sitzt oder stets ohne Frühstück in die Schule geht, leidet oft auch als Erwachsener unter Übergewicht.
Essen hat auch eine wichtige psychologische Funktion: Wenn Sie Essen brauchen, um sich zu trösten, zu beruhigen oder zu belohnen, verlernt Ihr Körper zu spüren, wann Sie wirklich hungrig sind und wann Sie sich bereits satt fühlen. Und das Essen wird zum Ersatz für etwas, was Sie anders nicht fühlen können - das kann süchtig machen. Auch wenn Sie sich ständig zusammenreißen und extrem streng mit sich sind, ist das gefährlich: Für Fressanfälle sind Sie dann besonders empfänglich.