Hormontherapie: Die Betroffenen verstehen die medizinischen Maßnahmen nicht als Umwandlung, sondern als Anpassung an ihr wahres psychisches Geschlecht. Voraussetzung sind eine gründliche körperliche Untersuchung und eine Hormontherapie. Im ersten Schritt werden die Mann-zu-Frau-Transsexuellen etwa ein halbes Jahr lang mit dem weiblichen Sexualhormon Östrogen behandelt. Dadurch erhält die Hypophyse, die so genannte Hirnanhangdrüse, das Signal, die Produktion des körpereigenen Sexualhormons Testosteron zu drosseln. Die Hypophyse ist eine Art Mess- und Steuerzentrale im Gehirn, die dafür sorgt, dass immer eine bestimmte Gesamtmenge an Sexualhormonen im Blut vorhanden ist. Dabei ist es ihr egal, ob es männliche oder weibliche sind. Wird einem Mann also von außen - durch Tabletten oder Spritzen - weibliches Östrogen zugeführt, dann erkennt die Hypophyse das sofort und befiehlt den männlichen Keimdrüsen, weniger Testosteron zu produzieren.
Als Folge erhalten die weiblichen Östrogene im Körper ein deutliches Übergewicht: Die Haut wird dünner und trockener, Hüften und Gesäß runden sich, die Hoden schrumpfen, die Lust am Sex schwindet und die Spermaproduktion versiegt. Bartwuchs und männliche Stimme dagegen bleiben. Es entwickeln sich weibliche Brüste, die jedoch sehr oft nicht die gewünschte Größe erreichen. Dieses Problem lässt sich später mit Hilfe von Implantaten lösen. Die Barthaare können dauerhaft nur durch eine Nadelelektro-Epilation entfernt werden. Bei diesem sehr zeitaufwändigen Verfahren wird jede einzelne Haarwurzel mit einem Stromimpuls zerstört. Eine andere Möglichkeit ist die Laser-Epilation. Mit dem Laser lässt sich die männliche Behaarung zwar schneller und großflächiger beseitigen, die Methode wirkt aber meistens nur für eine begrenzte Zeit.
Operation: Die Operation an den Genitalien ist trotz großer Fortschritte in der plastischen Chirurgie ein schwerer Eingriff, der nicht immer ohne Komplikationen verläuft. Die Veränderungen sind irreversibel und bedeuten, dass die Betroffenen lebenslang auf Hormone angewiesen sind. Erfahrene Chirurgen können aber kosmetisch gute Ergebnisse erreichen. Zunächst werden Hoden und Hodensack entfernt, dann der Penis aus seiner Schafthaut gelöst. Der schwierigste Teil der Operation ist die Bildung eines Raums für die Vagina zwischen Harnröhre, Blase und Enddarm - es besteht die Gefahr von Verletzungen oder späteren Verwachsungen. Mit der Haut vom Penisschaft und vom Hodensack werden anschließend die Scheide ausgekleidet und Schamlippen geformt. Die Harnröhre wird gekürzt. Die Eichel bleibt dagegen vollständig erhalten, ist aber nach außen nur noch als kleine Linse zu sehen. Auf diese Weise bekommt die Patientin eine sensible, orgasmusfähige Klitoris und eine Vagina, die auch Geschlechtsverkehr möglich macht. Allerdings müssen Transfrauen ihre künstliche Scheide mit einem Vibrator regelmäßig dehnen, damit sie sich nicht wieder zusammenzieht. Diese oft sehr schmerzhafte Prozedur wird Bougieren genannt. Etwa zwei Monate nach der ersten Operation erfolgen oft noch einige kosmetische Korrekturen. Gleichzeitig wird der Schamhügel aufgebaut, um die Klitoris besser zu bedecken.