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10. Juni 2011, 15:56 Uhr

Ehec-Bakterien auf Sprossen nachgewiesen

Sprossen sind die Ursache der Epidemie - darin waren sich die Forscher einig. Jetzt wiesen Lebensmittelkontrolleure den Ehec-Typ O104 auf Sprossen erstmals nach. Sie stammen aus Bienenbüttel.

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Ehec-Kultur in einer Petrischale. Experten halten Sprossen für den Ursprung der Epidemie© Leonhard Foeger/Reuters

In Nordrhein-Westfalen haben Lebensmittelkontrolleure erstmals den aggressiven Ehec-Typ O104 in einer Packung Sprossen nachgewiesen, die nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem Erzeuger-Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel stammen. Der Nachweis gelang Forschern des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Rhein-Ruhr-Wupper, wie das Düsseldorfer Verbraucherschutzministerium am Freitag mitteilte. Die Sprossen-Packung hatte sich demnach in der Mülltonne einer Familie befunden, in der zwei Ehec-Erkrankungen registriert worden waren.

Entwarnung für Gurken, Tomaten und Salat

Die wegen der Ehec-Epidemie geltende Warnung vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalate wurde unterdessen aufgehoben. "Es sind die Sprossen", war sich der Präsident des Robert Koch-Instituts, Reinhard Burger, am Freitag in Berlin sicher. Die Warnung der Behörden vor rohen Sprossen bleibt bestehen. Burger empfahl, die Hygieneempfehlungen der letzten Wochen weiterhin strikt zu befolgen. Gurken, Salat und Tomaten könnten nun wieder uneingeschränkt und "mit Genuss" verzehrt werden, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel.

Die Hinweise, dass es einen Zusammenhang zwischen Ehec-Infektionen und einem Sprossen-Hersteller in Niedersachsen gibt, verdichteten sich in den vergangenen Stunden. Die Rückverfolgung von Warenströmen habe in vielen Krankheitsfällen zu dem gesperrten Gartenbaubetrieb im Landkreis Uelzen geführt. In einer Studie wurden außerdem Restaurantbesucher zu ihrem Verzehr befragt, Köche nach Zutaten ausgefragt und Fotos von Menüs ausgewertet. Das Ergebnis war eindeutig: Wer Sprossen gegessen hatte, trug ein neunfach höheres Risiko, an Ehec zu erkranken, als andere.

Der Bauernhof in Bienenbüttel ist nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Gert Lindemann (CDU) jetzt komplett gesperrt und darf kein Gemüse mehr in den Handel liefern. Bisher galt das Verkaufsverbot nur für Sprossen.

Allgemein entspannt sich nach Burgers Worten die Lage. Die Zahlen an Ehec-Neuerkrankungen würden fallen. "Aber der Ausbruch ist noch nicht vorbei", sagte Burger weiter. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) geht davon aus, "dass wir das Schlimmste hinter uns haben". In Niedersachsen wurde unterdessen ein weiterer Todesfall gemeldet, eine 75-Jährige aus Göttingen starb bereits vor einer Woche nach einer Ehec-Infektion. Die Zahl der Toten steigt damit auf mindestens 30.

Keim möglicherweise von Mensch zu Mensch verbreitet

Unterdessen rätseln die Wissenschaftler weiter über die Verbreitung des Ehec-Erregers. Behörden in Hessen gehen jetzt erstmals davon aus, dass der aggressive Darmkeim möglicherweise auch von Menschen übertragen wurde. Einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) zufolge könnte eine infizierte Angehörige einer Cateringfirma aus Hessen dafür verantwortlich sein, dass Ende Mai mindestens acht Gäste einer Festgesellschaft im niedersächsischen Göttingen an Ehec erkrankten.

"Wir haben Hinweise darauf, dass es sich in diesem Fall um eine Infektion vom Menschen handeln könnte", sagte eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums der "HAZ". Die Behörden prüfen, ob die Frau den Erreger auf das gelieferte Essen übertragen haben könnte. Mindestens einer der erkrankten Gäste habe angegeben, weder Salat noch Gemüse oder Sprossen gegessen zu haben.

Gurkenwarnung hat offenbar juristisches Nachspiel

Unterdessen hat für die Hamburger Gesundheitsbehörde das juristische Nachspiel wegen der verfrühten Warnung vor spanischen Gurken begonnen. Als Vertreter des spanischen Obst- und Gemüsehändlers Frunet reichte eine Anwaltskanzlei beim Verwaltungsgericht der Hansestadt Eilantrag auf Akteneinsicht ein. Diese hatte die Behörde bis zuletzt verweigert. Am Ende könnte es um Schadenersatz in Millionenhöhe gehen.

Frunet ist ein großer Öko-Produzent und Händler in der Provinz Málaga. Nachdem die Hamburger Gesundheitsbehörde über Ehec-Funde auf spanischen Gurken informiert hatte, sei das Geschäft eingebrochen. Auf den Gurken wurden zwar Ehec-Bakterien nachgewiesen. Diese waren aber von einem anderen Typ als der grassierende Erreger, wie Wissenschaftler später feststellten.

kng/mlr/swd/DPA/AFP/Reuters
 
 
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