. .
Gesundheit - News und Ratgeber
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. August 2010, 19:38 Uhr

Das doppelte Antibiotika-Versagen

Neue, resistente Bakterien breiten sich aus: In Deutschland wurden NDM-1-Keime nachgewiesen. Ihr Auftreten zeigt, dass wir falsch mit vorhandenen Antibiotika umgehen, und zu wenig Wert auf neue legen. Von Nina Weber

NDM-1, NDM 1, Bakterien, Antibiotika, Antibiotika-Resitenz, Antibiotikum, Mikroben, Lancet, Indien, Infektion, Ansteckung, Medikamente, Forschung, Gesundheit

Im Labor werden die multiresistenten Bakterien untersucht© Benoit Doppagne/DPA

Dass Bakterien gegen Antibiotika resistent werden, ist an sich nichts Neues. Sogar gegen sogenannte Reserveantibiotika, die erst zum Einsatz kommen sollen, wenn keine anderen mehr wirken, sind Keime schon unempfindlich geworden. Trotzdem ist die vor kurzem entdeckte Resistenz NDM-1 kein kleines Ärgernis, sondern ein echter Grund zur Sorge.

NDM-1 steht für "Neu-Delhi-Metallo-Beta-Lactamase". Es handelt es sich um ein Enzym, mit dem die Bakterien einen Angriff von Carbapenemen überstehen. Es handelt sich also nicht um eine neue Mikrobe, sondern ein Gen, welches Forscher bislang vor allem in zwei Keimen - Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae - gefunden haben. Beide Mikroben finden sich in der menschlichen Darmflora und können unter bestimmten Umständen Krankheiten auslösen. Escherichia coli ist der häufigste Auslöser von Harnwegsinfekten, Klebsiella pneumoniae kann unter anderem zu Lungenentzündungen führen.

Um die Sorge über NDM-1 zu verstehen, muss man eine Besonderheit von Bakterien kennen: Sie können Teile ihres Erbguts untereinander austauschen. Das NDM-1-Gen befindet sich auf einem Abschnitt, der leicht von einem Bakterium zum anderen wandert. So kann die Resistenz also vergleichsweise leicht zu anderen Erregern wandern.

Es werden zu viele Antibiotika geschluckt

Entdeckt haben Forscher NDM-1 zuerst bei einem Patienten in Schweden. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Resistenz vor allem in Indien und Pakistan verbreitet ist. Und: Dort haben sich entsprechende Bakterien nicht nur im Krankenhaus verbreitet, sondern Menschen stecken sich auch außerhalb von Kliniken damit an. Das zeigt zum einen, dass die Resistenzen schon in einer gewissen Häufigkeit auftreten. Und dass es kaum möglich sein wird, sie lückenlos zu überwachen, geschweige denn einzudämmen. Es zeigt auch, dass der Umgang mit Antibiotika in einem Land am Ende die gesamte Welt etwas angeht. In Indien ist es möglich, Antibiotika ohne Rezept zu bekommen, was Wissenschaftler schon länger kritisieren. Es führt dazu, dass die Mittel zu oft genommen und zu früh abgesetzt werden. Beides fördert Resistenzen. Und diese stoppen eben nicht an Landesgrenzen, sondern breiten sich mit Tourismus und Handel weltweit aus. Übrigens werden auch in Deutschland - trotz Verschreibungspflicht - zu viele Antibiotika konsumiert und zu oft Reserveantibiotika eingesetzt, wie eine Untersuchung im Jahr 2008 ergab.

Im Fachjournal "The Lancet Infectious Diseases" berichteten Forscher vergangene Woche von diversen Fällen in Großbritannien. Die meisten Betroffenen waren zuvor in Asien gewesen, aus verschiedenen Gründen waren viele von ihnen dort im Krankenhaus. Inzwischen sind auch Fälle in anderen europäischen Staaten, den USA, Kanada und Australien bekannt. In Belgien starb im Juni ein Mann infolge einer Infektion. Er war nach einem Autounfall in einer Klinik in Pakistan, wo er sich wohl ansteckte. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland bisher vier Fälle bekannt. Akut bedroht sind wir also nicht.

Seite 1: Das doppelte Antibiotika-Versagen
Seite 2: Es werden zu wenig neue Antibiotika entwickelt
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Antibiotika-Resistenz Forscher fürchten Ausbreitung indischer Superbakterien

Wissenschaftler warnen vor Bakterien, die gegen fast alle Antibiotika resistent sind. Die zuerst in Indien und Pakistan verbreiteten Keime gelangen jetzt nach Europa - weil sich Menschen billig in Indien operieren lassen. mehr...

Antibiotika Die Mikroben-Killer

Verschreibt der Arzt Ihnen bei Husten, Schnupfen und Fieber Antibiotika, kann es sein, dass er Sie falsch behandelt. Denn Grippe und Erkältungen werden von Viren verursacht - dagegen helfen Antibiotika in der Regel nicht. Doch es gibt Ausnahmen. mehr...

Antibiotika-Resistenzen Viel Unwissen und Pharma-Kalkül

Rund 300 Tonnen Antibiotika schlucken die Deutschen pro Jahr. Dabei gilt: Je mehr Antibiotika verwendet werden, desto größer ist das Risiko, dass gefährliche Erreger reistent werden. Erstmals haben Mediziner den bundesweiten Verbrauch und Daten zu Resistenzen zusammengetragen. mehr...

Mobiltelefone im Krankenhaus Handys verbreiten gefährliche Erreger

Die Mobiltelefone von Klinikpersonal sind laut einer Studie übersät mit Bakterien und können Krankheiten übertragen. Bei ihrer Untersuchung fanden Forscher auf fast jedem Gerät mindestens eine Bakterienart - vom Erreger harmloser Hautirritationen bis zum Auslöser tödlicher Krankheiten. mehr...

Krankenhaushygiene Videos gegen Schmuddelhände

Manchmal lauert die Gefahr gerade da, wo man Hilfe sucht: Hunderttausende erkranken jährlich im Krankenhaus an Infektionen - wegen mangelnder Hygiene. Eine neue Initiative soll das ändern. Sie setzt auf lustige Videos, die zeigen, dass Händedesinfektion sexy ist und Ärzte am Krankenbett besser nicht rülpsen. mehr...

Hygiene-Schlamperei Der Tod lauert im Krankenhaus

Ein Routineeingriff kann tödlich enden: Bis zu einer Million Patienten werden jährlich im Krankenhaus mit gefährlichen Keimen, sogenannten MRSA, infiziert. Mehr als 40.000 sterben Schätzungen zufolge daran. Eine neue Entscheidung des Bundesgerichtshofs erleichtert Klagen gegen Hygiene-Schlamperei. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind