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28. Juli 2010, 16:08 Uhr

Wer gute Freunde hat, lebt länger

Verzicht auf Zigaretten, Bewegung und eine gesunde Ernährung - um lange zu leben, unternehmen Menschen viel. Doch reicht das aus? Allem Anschein nach nicht. Denn soziale Isolation schadet der Gesundheit ebenso wie Rauchen oder Übergewicht.

Einsamkeit, Risikofaktoren für die Gesundheit, Sterberisiko, Rauchen, Alkohol, Julianne Holt-Lunstad, Timothy Smith, Brigham Young University

Auf gute Freunde kann man bauen: Menschen mit einem sozialen Netzwerk haben eine um 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit alt zu werden als einsame Menschen© Colourbox

Menschen sind soziale Wesen. Sie sind auf Beziehungen angewiesen, auf Gedankenaustausch, Zuneigung, Trost und Verständnis. Doch der moderne Lebensstil in westlichen Gemeinschaften lässt soziale Netzwerke bröckeln, immer mehr Menschen werden zu Einzelgängern. Dabei ist der Mangel an sozialen Beziehungen auch für die Gesundheit eine Gefahr.

Der Risikofaktor Einsamkeit sei in etwa so groß wie der vom Rauchen, und er übertreffe viele andere Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel, sagen die Psychologen Julianne Holt-Lunstad und Timothy Smith von der Brigham Young University im US-Staat Utah. Die Wissenschaftler haben gemeinsam mit einem Kollegen 148 Studien mit insgesamt über 308.000 Menschen analysiert, die sich mit dem Zusammenhang zwischen sozialen Netzwerken und dem Sterberisiko beschäftigen. Demnach haben Menschen mit einem guten Freundes- und Bekanntenkreis gegenüber Menschen mit einem geringen sozialen Umfeld im Schnitt eine um 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit alt zu werden.

Fehlen soziale Bindungen, hat dies ähnlich negative Auswirkungen auf die Gesundheit wie bekannte Risikofaktoren, haben Holt-Lundstad und Smith ermittelt. Isolation ist demnach genauso schädlich wie das Rauchen von 15 Zigaretten täglich. Einsamkeit hat denselben negativen Effekt auf die Gesundheit wie Alkoholismus und ist sogar doppelt so schädlich wie Fettleibigkeit.

"Dass fehlende soziale Beziehungen ein Risikofaktor für einen frühen Tod sind, ist weder bei Gesundheitsbehörden noch in der Öffentlichkeit bekannt genug", meinen die Wissenschaftler, die ihre Daten im Journal "Plos Medicine" veröffentlichen. Sie fordern daher ein Umdenken: Ärzte und andere Gesundheitsexperten sollten das soziale Umfeld ebenso ernst nehmen wie Tabakkonsum, Ernährung und Sport.

Positiver Effekt unabhängig vom Alter

Die Studien hatten die Menschen im Schnitt über 7,5 Jahre hinweg beobachtet, das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer betrug 64 Jahre. Die Daten zeigten allerdings lediglich, ob Menschen sozial integriert waren. Ob die Beziehungen gut oder schlecht waren, ließ sich daraus nicht ablesen. Wäre die Qualität der Beziehungen mit in die Analyse eingeflossen, könnte der positive Effekt von sozialen Netzwerken auf die Gesundheit sogar noch viel größer sein, vermuten die Wissenschaftler.

Die positive Auswirkung, blieb auch bestehen, wenn man Alter, Geschlecht und sozialen Status berücksichtigte. Da der Zusammenhang von sozialem Umfeld und Sterblichkeit altersunabhängig sei, sollten Ärzte nicht nur einen Blick auf das Umfeld älterer Menschen werfen, meinen die Autoren. Den größten Effekt aller gemessenen Faktoren hatte die allgemeine soziale Integration, am wenigsten ausschlaggebend war, ob die Menschen allein oder mit anderen zusammen lebten.

Doch warum wirkt sich ein starkes soziales Umfeld positiv auf die Gesundheit aus? Die Forscher vermuten, dass sozial aktive Menschen auch mit ihrer eigenen Gesundheit verantwortungsbewusster umgehen. "Wenn jemand mit einer Gruppe vernetzt ist und sich für andere Menschen verantwortlich fühlt, überträgt sich das auf den Umgang mit sich selbst", sagt Holt-Lunstad. "Man passt besser auf sich auf und geht weniger Risiken ein." Einige Studien hätten gezeigt, dass Kontakte auch das Immunsystem stärken.

Jede Art, das soziale Umfeld zu verbessern, werde sowohl die Überlebensfähigkeit als auch die Lebensqualität verbessern, schließen die Autoren. Gesundheitsvorsorge sollte daher auch das soziale Befinden betrachten, Mediziner sollten Sozialkontakte und Kliniken soziale Netzwerke für Patienten fördern. "Beziehungen erachten wir als Menschen für selbstverständlich", sagt Studienautor Smith. "Wir sind wie Fische, die das Wasser gar nicht bemerken. Diese Kontakte sind jedoch nicht nur psychologisch wichtig, sie wirken sich auch direkt auf unsere Gesundheit aus."

DPA/lea
 
 
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