Kein Schwein redet von der Schweinegrippe. Die Zahl der Neuerkrankungen sinkt seit Wochen. Dennoch bahnt sich ein neuer Streit um Impfdosen an. Von Lea Wolz

Barack Obama ließ sich in dieser Woche gegen die Schweinegrippe impfen - und ist damit ein Exot. In Deutschland ließ sich nur jeder Zwanzigste immunisieren© Polaris/Laif
Die Schweinegrippe schwächelt. Bei der Wahl zum "Unwort des Jahres" schaffte sie es nur auf Platz drei. Die Impfstoffdosen sind da, aber kaum einer will sie haben. Und ihren Höhepunkt hat die Pandemie in Deutschland ebenfalls überschritten. Stille Nacht an der Schweinegrippe-Front? Die Infektionen gehen zwar zurück, doch es bahnt sich ein weiterer Streit an - dieses Mal um das liebe Geld.
Die Zahl der Neuerkrankungen sinkt seit Wochen. Dem Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge haben sich in der 50. Kalenderwoche knapp 6800 Menschen in Deutschland infiziert. Zum Vergleich: Vor gut einem Monat waren es noch rund sechsmal so viele. "Die aktuelle Welle scheint am Abklingen zu sein", sagt eine Sprecherin des RKI. "Mittlerweile ist klar, dass die Schweinegrippe nicht die schwere Pandemie ist, die man erwartet hatte." Seit April wurden dem Institut 200.000 Erkrankungen gemeldet, darunter 119 Todesfälle. Weltweit sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang ungfähr 10.000 Menschen an dem Virus gestorben.
Bis auf Litauen ebbt die Grippewelle auch in weiten Teilen Europas ab, ähnlich sieht es in den meisten Bundesstaaten der USA aus. Doch weder die WHO noch das RKI wollen Entwarnung geben. "Das Virus ist immer noch da", sagt die RKI-Sprecherin. "Der Winter ist die beste Zeit für Viren, eine zweite Welle ist durchaus möglich."
Die Angst davor scheint bei der deutschen Bevölkerung allerdings nicht besonders groß zu sein. Wie viele der bisher gut 18 Millionen gelieferten Impfdosen aufgebraucht wurden, kann niemand sagen. Zwischen 4,6 und 6,7 Millionen dürften es bis zum Ende der 49. Kalenderwoche gewesen sein, schätzt das Paul-Ehrlich-Institut. Lediglich knapp fünf Prozent der Bevölkerung wäre damit gegen das H1N1-Virus immunisiert. Und die Nachfrage nach dem Impfstoff sinkt weiter. Von Engpässen, die es vor kurzem noch in manchen Bundesländern gab, keine Spur.
In Nordrhein-Westfalen, einem stark betroffenen Bundesland, sind bis jetzt laut Gesundheitsministerium mit 1,1 Millionen noch nicht einmal die Hälfte der bereits erhaltenen drei Millionen Dosen verimpft. In Brandenburg sind von 1,5 Millionen Dosen bislang 500.000 verabreicht worden, in Thüringen sind es laut Gesundheitsministerium geschätzte 200.000 der ungefähr 500.000 gelieferten Dosen. Auch die Nachfrage nach dem wirkstoffverstärkerfreien Impfstoff für Schwangere, der seit kurzem eingetroffen ist, hält sich bis jetzt eher in Grenzen. 150.000 Dosen haben die Gesundheitsminister davon für alle Länder nachbestellt. In Thüringen haben sich zum Beispiel bis jetzt 84 Schwangere impfen lassen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte.