Immer mehr Kinder leiden unter Kopfschmerzen. In den meisten Fällen können Sie Ihrem Kind selbst helfen. Geben Sie Ihrem Kind aber nicht wahllos Tabletten: Manche Pillen sind nicht geeignet.

Ihr Kind kann nicht immer sagen, was ihm fehlt. Vielleicht ist es nur auffällig still© Colourbox
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Ihr Kopfschmerz kann sich anders anfühlen. Auch Migräneattacken kündigen sich bei manchen Kindern anders an. Deshalb kann die Therapie bei Kindern anders aussehen als bei Erwachsenen.
Immer mehr Kinder leiden mittlerweile unter Kopfschmerzen. In den vergangenen 30 Jahren hat sich ihre Anzahl verdreifacht. Das kann daran liegen, dass sich die Lebensumstände der Kinder verändert haben: Sie stehen heute häufiger unter Stress, schauen mehr fern, bewegen sich weniger. Schon Dreijährige klagen über Kopfweh. Im Vorschulalter haben 20 Prozent der Kinder Kopfschmerzen. In der ersten Klasse sind es bereits doppelt so viele. Je älter Kinder sind, desto häufiger leiden sie unter Kopfschmerzen. Knapp zwei Drittel der Kinder haben regelmäßig Spannungskopfschmerzen. Zehn bis zwölf Prozent klagen über Migräne. Nur ganz selten treten durch Medikamente hervorgerufene Kopfschmerzen oder andere, seltene Formen von Kopfschmerz auf. "Die einzelnen Symptome lassen sich bei Kindern relativ schlecht voneinander abgrenzen", sagt Raymund Pothmann, Kinderarzt und Schmerzspezialist aus Hamburg. "Meines Erachtens haben wesentlich mehr Kinder Migräne und Spannungskopfschmerzen gleichzeitig als nur Migräne."
Möglicherweise können Sie selbst etwas tun, um Ihrem Kind zu helfen. Studien belegen, dass es für Kopfschmerzen bei Kindern mehrere Ursachen geben kann:
Meist bekommen Kinder Kopfschmerzen, weil sie gestresst und überfordert sind. Dabei kann der Ausflug zum Vergnügungspark genauso zum Stressfaktor werden wie die nächste Mathearbeit. Manche Kinder werden auch durch Trennungen im häuslichen Umfeld stark gestresst und geängstigt.
Die meisten Kinder haben nur ab und an Beschwerden. Problematisch wird es erst, wenn das Hämmern im Kopf andauert. "Geschätzte anderthalb Millionen schulpflichtige Kinder haben behandlungsbedürftige Kopfschmerzen", sagt Kinderexperte Raymund Pothmann.
Sie sollten mit Ihrem Kind zum Arzt gehen, wenn zwei der folgenden Punkte zutreffen:
Ärzte behandeln Kinder mit Kopfschmerzen nur zögerlich - obwohl mittlerweile wirksame Therapien ohne Medikamente zur Verfügung stehen. Zudem halten einige Eltern eine Behandlung für nicht erforderlich, sobald eine schwerwiegende Krankheit wie ein Hirntumor oder eine Epilepsie als Ursache ausgeschlossen wurde.
Ein Irrtum. Denn unbehandelte Kopfschmerzen können der Anfang eines von Schmerzen bestimmten Lebens sein: Solche Kinder haben als Erwachsene ein erhöhtes Risiko, unter Kopfschmerzen zu leiden. "Je früher wir die Kinder behandeln, desto besser sind die Chancen, dass die Schmerzen eines Tages nicht chronisch werden", sagt Kinderarzt Pothmann. "Spätestens nach drei Monaten sollten die Eltern ärztlichen Rat suchen, wenn der Kopfschmerz häufig und belastend ist."
Kopfschmerzkinder bringen schlechtere Schulergebnisse nach Hause und fühlen sich weniger wohl als Kinder mit anderen chronischen Schmerzen. Leiden Kinder unter Migräne, verpassen sie im Durchschnitt zehn Schultage im Jahr. So kann ein Teufelskreis entstehen: Die Leistungen der Kinder sacken ab, die Kleinen fühlen sich gestresst und unter Leistungsdruck. Möglicherweise entstehen dadurch noch mehr Kopfschmerzen.