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5. Februar 2004, 10:05 Uhr

Das Global Playerle

Mit schwäbischer Beharrlichkeit und besten Kontakten in die ganze Welt bringt Berlinale-Chef Dieter Kosslick Geld, Glanz und Stimmung in die Hauptstadt. Von Irmgard Hochreither und Karin Rocholl (Fotos)

"Der Job entspricht meinem Naturell": Dieter Kosslick vor dem Brandenburger Tor - der Schal ist sein Markenzeichen, die Limousine von einem Festival-Sponsor© Karin Rocholl

Die Wintersonne scheint durch die Glasfront an der Potsdamer Straße in das geräumige Büro, auf den großen Konferenztisch, auf ein Paar Engelsflügel aus vergoldetem Styropor und echten Federn - und auf den Herrn in beigefarbener Cordhose und dunkelbraunem Pulli. Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat es auf den Außenminister abgesehen. Also diktiert er schnell einen Brief an den "Lieben Rezzo", in dem er den Vielflieger von den Grünen launig zur Hochzeit in Las Vegas beglückwünscht und Herrn Schlauch gleichzeitig darum bittet, Joschka Fischer als Laudator für eine Berlinale-Ehrung vorbeizuschicken. "Und wenn er nicht kann, dann bitte Cohn-Bendit. Mit lieben Grüßen." Schließlich starrt er auf den riesigen Terminplaner mit den vielen bunten Kärtchen und kann sich ein Kichern nicht verkneifen: "Sieht ein bisschen aus wie die Ferienplanung im Montessori-Kindergarten - dabei ist dieser Heinerle-Stundenplan das Ende von einem Jahr harter Arbeit."

Seit "der Dieter" in Berlin den Laden schmeißt, ist alles anders. Der 55-Jährige gilt als Segen für die Filmfestspiele, für die klamme Hauptstadt, für die Kino-Fans. "Obwohl viele immer noch denken", sagt Kosslick amüsiert, "dass ich ausschließlich mit schönen Frauen auf roten Teppichen rumstehe und komische Sachen erzähle." Das tut er zwar. Aber eben nicht nur. Das Cleverle aus dem Schwabenland ist vor allem ein raffinierter Networker mit besten Kontakten. Nicht nur zur Filmbranche, sondern auch in die Chefetagen von Wirtschaft und Politik.

Ab diesem Donnerstag schaut zehn Tage lang die ganze Welt nach Berlin. Und Kosslick kriegt sie alle: die Stars aus Hollywood, die Sponsoren - und die Wichtigen aus dem Politzirkus. Weil er allen klar machen konnte, dass die Berlinale mit mehr als 400.000 Besuchern und über 20.000 internationalen Gästen ein Kulturereignis der Extraklasse ist. Nicht nur fürs Image gut, sondern dafür, echtes Geld in die Kassen der Hauptstadt zu spülen.

Es herrscht verschärfter Zickenalarm, so kurz vor dem Start der 54. Filmfestspiele. Die Regisseure sind beleidigt, wenn man ihr Werk nachmittags statt abends zeigt, die Festival-Konkurrenten in Cannes versuchen mit allen Tricks, den Berlinern spannende Premieren abzujagen. Und immer wieder kommen Absagen in letzter Sekunde. Aber Jammern ist nicht sein Ding. Unerschütterliche Fröhlichkeit macht den in Pforzheim geborenen Kosslick unwiderstehlich. Der kleine wuselige Mann mit Stoppelfrisur und ordentlich getrimmtem Schnäuzer hat so gar nichts Schwäbisch-Behäbiges an sich.

Er macht den Showman, den Performer im Dienste der Nation: Weg mit dem Klischee vom humorlosen Deutschen. Schaut her, es gibt auch Charme, Witz und Selbstironie made in Germany. Die Journalisten beschrieben ihn begeistert als "Gute-Laune-Bär", der es schafft, Heiterkeit und Glamour mit Tiefgang und Ernsthaftigkeit zu verbinden.

"Der Job", sagt Kosslick selbstbewusst, "entspricht meinem Naturell. Jemand, der Probleme hat, mit wildfremden Menschen über die Generationskonflikte von langohrigen Hunderassen zu reden, für den ist das nix." Für Kosslick dagegen gibt es kaum Schöneres. Plappern gehört zum Handwerk, und dabei hilft ihm, dass er alles in einem ist: "Eine Mischung aus Haushaltsvorstand und Concierge", sagt er grinsend, "und wenn es der Sache dient, mache ich auch den Clown."

Während sich sein Vorgänger Moritz de Hadeln unbeholfen abseits hielt, genießt Kosslick den großen Auftritt. Der neue Sponsor Boss hat ihm vier Smokings spendiert, und so wird sich der Kultur-Allrounder ab 5. Februar jeden Abend die rote Fliege umbinden und mit Lust ins Gewühl stürzen. Er wird Charlize Theron auf die Alabasterwangen küssen, Juliette Binoche knuddeln und Jack Nicholson zuprosten. Und unbekümmert drauflosschwätzen. In bestem Schwänglisch. Dieses Tie-Äitsch-freie Idiom, in dem er Preise verleiht, Stars begrüßt und Podiumsdiskussionen moderiert, ist Teil der Inszenierung und genauso entwaffnend wie der Mann selbst. Wenn mal ein Mikro ausfällt, entschuldigt er sich einfach mit einem "Sorry for se pan!" Dass "pan" eigentlich Pfanne heißt, macht ja nix, Panne oder Pfanne, Hauptsache, alle verstehen, was gemeint ist.

Seit vergangenem Sommer wirbelte er für sein drittes Festival unentwegt durch die Welt, reiste nach Los Angeles, New York und Washington, nach Kuba und Mexiko, nach London, Paris und Rom, um Kontakte zu pflegen. Fast 3000 Filme wurden eingereicht, Kosslick selbst hat sich 250 davon angesehen. Jetzt geht es darum, wann wo welcher Film gezeigt wird, um Sonderreihen, Events, um die Besetzung der Jury, die Gästebetreuung, die Stars, die Sponsoren, um die vielen Teufel, die im Detail stecken.

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