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Filmkritik

Bill Murray im miesesten Film des Jahres

Trotz Bill Murray. Trotz Bruce Willis. Trotz Kate Hudson. "Rock the Kasbah" ist so misslungen, dass alle folgenden schlechten Filme sich daran messen werden müssen. Diese fulminante Niederlage muss gefeiert werden.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Bill Murray als abgehalfterter Musikproduzent Richi Lanz

Mal wieder "Lost in Translation" - auf die schlechte Art: Bill Murray als abgehalfterter Musikproduzent Richi Lanz

Holla, das muss man erstmal hinkriegen: Der gefeierte "Diner"- und "Rain Man"-Regisseur Barry Levinson und niemand Geringeres als die Hollywoodstars Bill Murray ("Lost in Translation"), Bruce Willis ("Stirb langsam"), Zooey Deschanel ("New Girl") und Kate Hudson ("Almost Famous") haben es geschafft, die Komödie "Rock the Kasbah" frontal gegen die Wand zu fahren. Und das mit so viel Verve, dass man nicht anders kann, als den Hut zu ziehen vor solch' unbändiger Lust am Untergang. Ganz ehrlich: Bill Murray nervt! So richtig! So, dass man das Kino verlassen möchte! Wie konnte das passieren?

Offensichtlich wurde beim Dreh das Denken vergessen, anders ist die Geschichte nicht zu erklären: Wir schicken einen abgerockten Musikproduzenten (Murray natürlich) von Kalifornien nach Afghanistan, wo er sich mit Waffenhändlern und einer Prostituierten zusammentut, um ein Paschtun-Mädchen in eine Castingshow zu bringen. Denn an einer Castingshow soll das Land genesen, das seit Jahrzehnten von Russen, Amerikanern und Warlords in die Steinzeit gebombt wird. WTF!

Kate Hudsons erniedrigendste Rolle

Und du, Bruce Willis? Alles klar? Wieviel gab es für die fünf Minuten Leinwandzeit als hilflos uncooler Söldner? Danny McBride war angsteinflößender als du. Danny "Ananas Express" McBride!

Zooey Deschanel sah die Katastrophe während des Drehs wohl kommen und hat einen zeitigen Abgang hingelegt. Und Platz für Kate Hudson geschaffen, die einen der wohl erniedrigendsten Auftritte ihrer Karriere abliefert. Als GI-Matratze Merci - sie stehen Schlange vor dem Wohnwagen hinter Stacheldraht - ist sie so fehlbesetzt wie Sylvester Stallone als Penny in "Almost Famous". Man glaubt ihr nicht ein Wort. Vor allem nicht, dass sie auch nur einen Funken Interesse hat an diesem heruntergekommenen Möchtegern-Showbiz-Typen, den Murray so verzweifelt zum Leben zu erwecken versucht. Aaahhh!

Und nein, es ist nicht witzig, wenn Murray im Paschtun-Dorf mitten in der Wüste auf einer Oud "Smoke on the Water" klampft und schreit. Das sah auf Papier wahrscheinlich sogar witzig aus. Auf der Leinwand sorgt es für Fassungslosigkeit darüber, dass jemand meint, dass diese Szene "rockt". "Shareef don't like it" - wirklich nicht. (Für die nach 1990 Geborenen: "Rock the Casbah" war ein Hit der Über-Band The Clash, und "Shareef don't like it" die Zeile) Und ach ja, das Paschtun-Mädchen singt natürlich Cat Stevens, der seit 1978 Yusuf Islam heißt. Der ist ja auch Muslim, war wohl das Argument.

Ein Fest der Fremdschäm-Momente

Eigentlich jede Szene in "Rock the Kasbah" hat einen Fremdschäm-Moment. Und nein, da steckt kein "Mash" drin, nicht einmal "American Dreamz". "Rock the Kasbah" ist einfach nur peinlich. Und am Ende auch noch schmerzhaft, denn der Film ist einer jungen Frau gewidmet, die tatsächlich einmal in "Afghan Star" aufgetreten ist. Seitdem fürchtet sie jeden Tag um ihr Leben. Das hat Setara Hussainzada einfach nicht verdient.



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