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13. Juni 2007, 16:06 Uhr

Kunstmesse strotzt vor Optimismus

Ein Kunstevent jagt das nächste: Biennale in Venedig, documenta in Kassel und die "Art" in Basel. Sie gilt als die bedeutendste Kunstmesse der Welt - trotz der Konkurrenz: Denn mit hehrer Kunst lässt sich derzeit viel Geld verdienen.

Adele und Eva, deutsche Künstler, besuchen die Ausstellung "Art Unlimited" im Vorfeld der "Art Basel"© Georgios Kefalas/AP

Mit moderner und zeitgenössischer Kunst lässt sich immer mehr Geld verdienen. "Die Preise sind in absolute Höhen geklettert", sagt Samuel Keller, Chef der Kunstmesse "Art" in Basel. An diesem Mittwoch beginnt in den Messehallen der Schweizer Industriestadt die 38. Ausgabe der "Art", die als weltweit größte und wichtigste Kunstmesse für zeitgenössische Kunst gilt. Gefeilscht wird um Millionenbeträge, es werden mehr als 55.000 Besucher erwartet.

Um Nachwuchskünstler zu fördern, kooperiert die "Art" in diesem Jahr erstmals mit der gerade eröffneten Kunstbiennale in Venedig und der documenta, die am Samstag (16. Juni) in Kassel beginnt. Noch unbekannte Künstler sollen in Basel unter anderem mit Sonderschauen gezielt unterstützt werden.

"Es ist viel Geld unterwegs", sagt die Berliner Galeristin Esther Schipper in Basel. Malerei bringe Millionen, aber auch Installationen lockten Investoren. Das habe sich zuletzt Mitte Mai bei den Kunstauktionen in New York gezeigt. Dort erzielten zwei Gemälde von Andy Warhol und Mark Rothko hohe Preise und gehören jetzt zu den zehn teuersten Bildern der Welt.

Ende des Kunstbooms ist nicht in Sicht

"Wir erleben einen Boom, dessen Ende nicht in Sicht ist", sagt Schipper. "Die Blase droht nicht zu platzen." Der Kunstmarkt werde von manchen zwar als überhitzt bezeichnet. Galerien und Künstler könnten jedoch zufrieden sein. "So viel Finanzkraft war noch nie."

Profitable Geschäfte lassen sich nach Angaben von Messedirektor Keller vor allem mit Kunden aus den USA, aus Asien und aus Lateinamerika machen. Die USA seien seit den 90er Jahren der größte und am schnellsten wachsende Markt für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. "Die Bereitschaft, für Kunst sehr viel Geld auszugeben, ist ungebrochen", sagt Keller. Begeisterung für die Künstler oder die Kunstwerke sei dabei nicht immer der Antrieb. "Viele Käufer tragen ihr Geld nicht mehr an die Börse, sondern investieren es in Kunst, weil sie eine sichere Geldanlage suchen."

Deutschland hat neben USA die meisten Aussteller

Die "Art" ist alljährlicher Treffpunkt der internationalen Kunstwelt und Stimmungsbarometer der Branche. Bereits am Dienstag kamen die Händler zusammen. Auch in diesem Jahr rechnen die 300 Galerien aus allen Kontinenten, die sich an der Verkaufsmesse beteiligen, mit guten Geschäften. Zum Verkauf stehen Werke von mehr als 2000 Künstlern. Deutschland ist mit 55 Galerien nach den USA das Land mit den meisten Ausstellern.

"Im Trend liegen vor allem Meisterwerke der Klassischen Moderne", sagt der Kölner Galerist Michael Janssen. "Spektakuläre Großprojekte und Installationen sind gut fürs Auge. Für Geschäftsabschlüsse aber sind eher Malerei-Arbeiten gut." "Verkauft werden bekannte Namen", sagt Brooke Alexander, Galeristin aus New York. Sie hat unter anderem Zeichnungen von Andy Warhol im Programm. Der legendäre Pop-art- Wegbereiter ist einer der gefragtesten Künstler der "Art". Hoch im Kurs stehen auch Werke von Pablo Picasso, Georg Baselitz, Henri Matisse, Jean Arp, Joan Miró, Alexander Calder, John Chamberlain und Donald Judd; diese Künstler sind am meisten vertreten.

Klassische Meister liegen im Trend

Das Interesse der Händler, Sammler und Liebhaber gilt in erster Linie etablierter Kunst. Doch Meisterwerke werden allmählich rar, klagen Aussteller. "Der Markt fokussiert sich auf die großen Namen und wird dadurch enger." Das Angebot werde immer kleiner, die Preise kletterten in die Höhe.

"Jüngere, noch unbekannte Künstler haben es derzeit schwer", sagt die Karlsruher Galeristin Iris Kadel, die erstmals bei der "Art" vertreten ist. Dennoch setzt Kadel, wie andere Galerien auch, auf frische Kunst. "Künstler, die am Anfang stehen, müssen stärker ins öffentliche Interesse gerückt werden. Nur so können neue Käuferschichten gewonnen werden", sagt sie. Junge Kunst - die international gefragte Neue Leipziger Schule ausgenommen - sei noch zu vergleichsweise geringen Preisen zu haben.

Die Art Basel findet vom 13. bis zum 17. Juni statt. Dieses Mal setzt man ganz auf die virtuelle Verdoppelung des Events im Netz. Jeder Stand wird fotografiert und kann ab dem 17. Juni zwei Monate lang digital abgerufen werden, mehr Infos unter www.ArtBasel.com

Jürgen Ruf/DPA
 
 
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