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19. November 2009, 18:50 Uhr

Jeanne-Claude ist tot

Zusammen mit Ehemann Christo hatte sie mit spektakulären Verhüllungsaktionen wie dem Einpacken des Reichstags weltweit für Aufsehen gesorgt. Jetzt ist die Künstlerin Jean-Claude im Alter von 74 Jahren in New York gestorben.

Zoom
Jean-Claude, Christo, Reichtstag, verhü,llt

Jean-Claude mit ihrem Ehemann Christo vor einem Modell des verhüllten Reichstags© Picture-Alliance

Der verpackte Reichstag in Berlin war ihr Werk: Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude galt als unzertrennlich. Doch nun hat das Schicksal die beiden Künstler, die 1935 am selben Tag geboren sind und seit 51 Jahren zusammen waren, unerwartet auseinandergerissen. Jeanne-Claude starb am Mittwochabend in einem Krankenhaus in New York. Sie wurde 74 Jahre alt. Eine erweiterte Ader in ihrem Gehirn war geplatzt.

Trauriger Christo will Werke vollenden

Christo sei zutiefst traurig über den Tod seiner Gefährtin, teilte der Fotograf der Familie, Wolfgang Volz, am Donnerstag mit. "Er will das Versprechen einlösen, dass sie einander vor vielen Jahren gegeben haben: dass die Kunst von Christo und Jeanne-Claude weiterleben soll." Für das Paar, das zu den schillerndsten und spannendsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene gehört, kommt das Ende viel zu früh. Die beiden arbeiteten noch unter Hochdruck an zwei gemeinsamen Großprojekten.

So soll am Fluss Arkansas eine mehr als zehn Kilometer lange Wegstrecke verhüllt werden. Drei bis sieben Meter über dem Wasser soll eine glänzende Woge aus Gewebe entstehen, die durch Brücken, Felsen, Bäume und Lichtströme unterbrochen wird. Bei dem zweiten Projekt geht es um mehr als 400.000 aufgestapelte Ölfässer in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Christo fühlt sich verpflichtet, die laufende Arbeit zu vollenden - so wie Jeanne-Claude sich das gewünscht hätte", sagte der Fotograf.

Zur selben Stunde geboren

Die Künstlerin war am 3. Juni 1935 in Casablanca auf die Welt gekommen - am selben Tag und angeblich sogar zur selben Stunde wie ihr späterer Partner. 1958 lernten sie sich in Paris kennen, im Mai 1960 kam Sohn Cyril auf die Welt. Zwei Jahre später folgte die Hochzeit.

Schon kurz vor der ersten Begegnung hatte Christo seine erste Farbdose verhüllt, indem er sie mit harzgetränkter Leinwand umwickelte, verschnürte und mit Leim, Sand und Autolack behandelte. Seither sind Christo und Jeanne-Claude zu Superstars der internationalen Open-Air-Kunst aufgestiegen.

Als ihr Meisterwerk gilt die Verhüllung des Reichstags 1995. Mehr als 200 Helfer ließen das historische Gebäude Stück für Stück unter einem silbern glänzenden Gewebe verschwinden. Für die Verwirklichung hatte das Paar fast ein Vierteljahrhundert gekämpft, der Bundestag genehmigte die Aktion im Februar 1994 nach langen Diskussionen.

Freiheit bis in den Tod

Weitere aufsehenerregende Werke entstanden unter anderem an der Küste von Australien, in einem Tal der Rocky Mountains und an der Brücke Pont Neuf in Paris. Das letzte gemeinsam vollendete Großprojekt waren die "Tore" im Central Park von New York. Riesige safrangelbe Stoffbahnen waren auf eine Strecke von 37 Kilometer wehend hintereinander aufgehängt.

Für das Duo - seit 1994 stehen offiziell beide Namen zusammen und gleichberechtigt für ihre Werke - war die Eigenfinanzierung eisernes Arbeitsprinzip. Sponsoren und Zuschüsse aus staatlichen Kassen lehnten die beiden Künstler grundsätzlich ab. Allein aus dem Skizzenverkauf haben sie ihre Kunst finanziert. "Bei unserer Arbeit geht es immer um die Freiheit", sagte Jeanne-Claude einmal. "Sie ist der Feind von Besitz und Dauerhaftigkeit." Ihre Freiheit wollte die Künstlerin auch im Tod behalten: Sie hat ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt.

AP/DPA
KOMMENTARE (10 von 11)
 
simbadische (20.11.2009, 08:42 Uhr)
Steuergelder
Eines ist mir noch wichtig zu bemerken : Christo und Jeanne-Claude haben ihre Projekte immer aus eigenem Geld finanziert. Da ist kein Euro Steuergeld oder Sponsorengeld geflossen. Sie finanzieren sich über den Verkauf von Skizzen ihrer Projekte - die bleiben dann auch der Nachwelt - und Photographien und ähnlichem. das ist vielleicht noch interessant zu wisssen, bevor man ablästert. - Kann man übrigens als aufmerksamer Leser aus unterschiedlichen Quellen entnehmen... Und damit ist für mich diese unsägliche Diskussion auch beendet.
STR_EDDS (19.11.2009, 22:57 Uhr)
??
Es ist in der Tat eine Kunst, die Geschmäcker anderer anzuerkennen und Urteile für sich zu behalten. Manche stehen auf moderne, plastische Kunst, andere halten den röhrenden Hirsch im Vierfarbdruck für den Gipfel abendländischer Kultur. Beides musste erst einmal erschaffen werden. Mögen muss man es nicht. Aber zwanghaft kommentieren ebenso wenig.
FlyingDutchman (19.11.2009, 22:03 Uhr)
@Dewerth
Danke, das wollte ich auch gerade schreiben.
Dewerth (19.11.2009, 19:50 Uhr)
Schön, dass wir einen
Kunstkenner von der Größe eines chrgue haben, der sich gar nicht mehr einkriegt vor feinsinnigem Kunstverständnis. Da läuft es eiskalt den Rücken runter bei so viel Ignoranz.
Amos (19.11.2009, 19:40 Uhr)
Spannend
Ich möchte mich hier nur mal zum inflationären Gebrauch des Wortes "spannend" äußern: mittlerweile ist alles spannend! Eine Persönlichkeit ist spannend, eine Ausstellung ist spannend, Musik ist spannend und, und, und. Können der Autor bzw. alle Journalisten von Presse, Rundfunk oder Fernsehen es mal unterlassen, dauernd von spannend zu reden!? Spannend ist ein Krimi, ein 100-Meter-Lauf, ein Formel-1-Rennen, eine Nachtwanderung und alles, was in mir Spannung erzeugt, den Puls höher schlagen läßt und mich "packt", aber doch keine Künstlerin als solche. Sie ist vielleicht interessant, bemerkenswert, sehenswert, beachtenswert, berühmt, bekannt, ergreifend oder ihre Kunst mitreißend, berührend o. ä. Aber spannend?????
chrgue (19.11.2009, 19:23 Uhr)
Nein, @simbadische
Kunst sollte etwas und muss etwas sein, das nicht in zwei Wochen wieder verschwndet, wie die Wursthülle um deen Reichstag oder die paar Töchen, die im Ney Yorker Central Park flatterten. Kunst sollte etwas von einem Erbe besitzen, das man auch der Nachwelt hinterlässt. Wenn ich ein - was ich im Übrigen tue - das Bild eines Heimatkünstlers erwerbe, hängt es bei mir noch 20 Jahre in der Wohnung. Wo - bitte - sind die "Kunstwerke" der Verstorbenen?
simbadische (19.11.2009, 19:11 Uhr)
Erst die Zeit
öffnet oftmals den Blick für den "Wert" von Kunst. Viele Künstler waren zu Lebzeiten nicht anerkannt - muß ich erst an den Begriff "entartete Kunst" erinnern? - grade van Gogh litt zutiefst unter mangelnder Anerkennung. Ich denke, man muß SEHR vorsichtig sein, wenn man eine beurteilende Aussage trifft. Besonders wenn etwas neu, anders, fremdartig, ungewohnt .... ist.
chrgue (19.11.2009, 18:37 Uhr)
Michelangelo, da Vinci, van Gogh
waren Künstler, die diesen Namen auch verdienen. Ihre Werke sieht man noch heute gerne, Millionen gehen jährlich in den Louvre, um die Mona Lisa zu sehen, Michelangelos Pieta steht seit 500 Jahren in der Peterskirche und wird noch heute als Vorbild für alle Bildhauer betrachtet. Ein verhüllter Reichstag in Berlin, der mit deutschen Steuergelder finanziert wurde und diesen verschandelte ist "Zeitgenössische Kunst". Ein Nonsens ist es in meinen Augen.
chrgue (19.11.2009, 18:26 Uhr)
Kunst...
...sollte doch von "Können" kommen. Tat sie in diesem Fall aber keineswegs. Also: Schade, dass die Frau gestorben ist, aber meinen Puls treibt das wahrlich nicht in die Höhe.
burgfrollein (19.11.2009, 18:21 Uhr)
es ist schon traurig
dass, auch wenn man keine Ahnung hat, wer diese Frau ist bzw. war, man sich zu so einem Kommentar hinreißen läßt.
Ansonsten stimme ich 100% mit simbadische überein, sehr sympatisch ihr Beitrag! :o)
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