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Now we have the salad

Um zu wissen, dass Volksabstimmungen Wahnsinn sind, brauche ich keinen ‪#‎Brexit, meint stern-Stimme Micky Beisenherz. Ihm reicht die Quote von "Schwiegertochter gesucht". Oder eine Fahrt im Regionalexpress.

Von Micky Beisenherz

Brexit

Great, Britain. Now we have the salad. 2016 - eine echte Prüfung. Erst stirbt Bowie, dann Prince, jetzt der europäische Gedanke. Seit heute hängt mir permanent diese präapokalyptische Stimmung in den Knochen. Das ist gewiss übertrieben und wird - wie so häufig - durch die kollektive Empörung in den sozialen Netzwerken befeuert (die ihren Teil zum #Brexit beigetragen haben).

Dennoch lässt sich schwerlich wegdiskutieren: Das heute ist ein unheilvoller Meilenstein, was den Trend zum Cocooning in der westlichen Welt angeht. Diese unselige Mischung aus Abschottung und Nationalismus.

Klar, okay. Es sind ja nur die Briten. Sollen sie doch. "Haben wir ja nix mit zu tun." Leider ist das genau der Gedanke, den Populisten einem allzu gutgläubigen Volk in allen Ländern gerade einzuträufeln versuchen.

Wir sind Nation XY, und was in den anderen Ländern passiert, geht uns nix an. Wir gegen die. Wo wir hinschauen, holen Demagogen mit dem Spaltungsgedanken mehr und mehr Prozente. Und sie alle werden den heutigen Tag nutzen, um ihre Idee vom Nationalstaat weiter voran zu treiben.

Der Brexit ist ein Festtag für Rechtspopulisten

Le Pen, Wilders, Gauland. Sie alle werden aus dem heutigen Tag einen Domino Day machen, uns drohen ähnliche Szenarien in unseren Nachbarländern. Und natürlich auch hier.

Die muss mit Blick auf die Eilmeldungen aus dem Masturbieren ja gar nicht mehr raus kommen. Und überall trägt "die Politik" einen gewaltigen Teil zu dem Malheur bei. 

Viele Entscheidungen wirken "von oben herab" getroffen, es gibt zu wenig Transparenz, das Ohnmachtsgefühl und Ungerechtigkeitsempfinden der Leute wird tagtäglich bestärkt.

Erfolge, Verbesserungen, Vorteile werden entweder nicht klar oder nicht verständlich kommuniziert. Oder es fehlt schlichtweg das Personal dazu. Bis am Ende der unseligen Kette der Protestwähler für ein echtes Desaster sorgt.

David Cameron, die Witzfigur

An deren Anfang: . Ein Typ, der sein Land durchgenommen hat wie einen Schweinekopf. Seine Ankündigung, noch ein paar Wochen im Amt zu bleiben, um das Land "auf stabilem Kurs zu halten". Das wirkt wie ein gottverdammter Witz von jemandem, der es hingekriegt hat, seine Nation vollends gegen die Wand zu fahren.

Er muss tatsächlich der größte Versager der Welt sein. Jahrelang macht er Stimmung gegen die , die er für die Briten als eine Bande von Gurkennormier-Nazis darstellt, nur um innerhalb von ein paar Wochen genau das Gegenteil zu vertreten und bei 180 Sachen raus aus Europa den Handbremsendrift in die andere Richtung zu versuchen. Oh, dear.

Dabei geht aus den Ergebnissen klar hervor, dass gerade die jungen Menschen gerne geblieben wären. Es sind (wieder mal) die Alten, die sich den Protest gönnen wie einen teuren Sportwagen und dem Nachwuchs das Erbe versauen. Fast ein bisschen wie das Fernsehprogramm des ZDF. Macht ihr mal - wir haben ja mit dem Scheiß nix mehr zu tun. 

Sie haben aus Great Britain GAUland gemacht- und sie freuen sich noch darüber. Wie sagte der sehr kluge Autor Jens Oliver Haas gerade eben: Volksabstimmungen sind light. "Das Problem ist, dass die Frage immer lautet: 'Möchtest du morgens länger schlafen?' oder 'Willst du noch ein Eis?' Vernunft ist halt so schrecklich unsexy."

Sicher können wir jetzt auf die trotteligen Nachbarn auf der Insel schimpfen. Und auch auf die Demokratie. Demokratie ist eine feine Sache. Das Dumme daran ist nur, dass die Doofen mitmachen dürfen. Don't hate the game. Hate the player.

Am Ende ist die Demokratie wie die EU selbst - das kleinere Übel. Aber gibt es was besseres? Wollen wir wieder ein kleiner Krauter sein, inmitten von Big Playern? Wollen wir stundenlang an jeder Grenze warten?

Jetzt fehlt nur noch Trump

Ich hätte nie gedacht, dass all das möglich ist: Aber ich hätte auch nie gedacht, dass ein schlecht toupierter Orang Utan ernsthaft als US-Präsident in Frage kommen würde.

Seit heute sind meine Hoffnungen auf etwas anderes als Schwarmdummheit rapide gesunken. Die Welt vertrumpt.

Und um zu wissen, dass Volksabstimmungen Wahnsinn sind, brauche ich keinen ‪#‎Brexit. Mir reicht die Quote von "Schwiegertochter gesucht". Oder eine Fahrt im Regionalexpress.

Zu populistisch? Sorry, aber wenn uns diese Wochen eines lehren, dann: Es kann offenbar gar nicht populistisch genug sein. Denn Populismus wird gehört. Geklickt. Treibt Leute an die Urnen.

Die feinen, komplexen Töne sind nicht sehr gefragt. Beschreiben unsere Welt aber leider nun mal wesentlich besser. Wer's einfach will, soll kegeln gehen.

Und wer so arrogant ist zu glauben, dass uns so etwas nicht passieren kann: Wenn Ronald Schill nicht gerade mit Prostituierten in einer brasilianischen Favela kokst, dann ist er Kandidat bei "Big Brother" - oder einer Nacktkuppelshow.

Der Vollblutpopulist war vor wenigen Jahren Innensenator und zweiter Bürgermeister von Hamburg. Demokratisch gewählt.

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