Bruce Springsteen wird 60. Zu diesem Anlass hat sich stern.de mit einem unterhalten, der ihn kennt: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken ist seit Jahren mit dem "Boss" befreundet - und beschreibt ihn als leidenschaftlichen Musiker, dem die Begeisterung nie abhanden gekommen ist.
Ich bin verhältnismäßig spät auf Springsteen gekommen. Erst Anfang der 80er Jahre, als wir am Bap-Album "für usszeschnigge" gearbeitet haben, kam unser damaliger Gitarrist mit zwei Springsteen-Platten an und sagte: 'Hör dir den mal an, der ist so ähnlich wie dein Dylan, nur geiler'. Ein unglaublicher Satz! Den hab ich ja fast als Majestätsbeleidigung aufgefasst. Die Alben waren "Born to Run" und "Darkness at the Edge of Town". Bis dahin hatte ich Springsteen nur peripher wahrgenommen. Mit den beiden Alben hat sich bei mir alles geändert. Ich hab die Texte analysiert und die Alben ein Jahr lang pausenlos im Auto gehört.
Von der ARD kam 1995 die Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, nach New York zu fliegen und Springsteen zu interviewen. Bei der Gelegenheit haben wir uns angefreundet.
Irgendwas in der Art ist auf jeden Fall da. Wir kommen auch beide aus der gleichen Schicht: irgendwo zwischen Proletariat und Mittelschicht. Er ist sich seiner Wurzeln sehr bewusst, legt auch großen Wert darauf, nicht zu vergessen, wo er herkommt. Wir haben zudem die gleichen Helden. Wir sind beide aufgewachsen mit Beatles, Stones und Dylan. Bei Springsteen kommt noch Blues und Soul dazu, weil er Amerikaner ist. Wenn wir uns treffen, reden wir erstmal über alles, was unsere Helden in letzter Zeit gemacht haben. Da sitzen zwei Kerle, die selber Musik machen, unterhalten sich aber erstmal über das letzte Dylan-Album, über die letzte Stones-Tour. Und Bruce Springsteen schwärmt davon, dass er mal bei den Stones im Studio war, das muss man sich mal vorstellen! Er kann noch immer Fan sein. Die Begeisterung ist ihm nie abhanden gekommen. Das ist ganz wichtig. Er ist ein leidenschaftlicher Musiker.
Das ist etwas sehr Wohltuendes, wenn Leute zu einem kommen und diese Bestätigung geben. Springsteen hat es offensichtlich geschafft, den Leuten das Gefühl zu geben, dass er einer von ihnen ist. Er leidet mit ihnen und versteht, was in den Amerikanern nach 9/11 vorgeht. Vor allen Dingen ist er in der Lage, den Menschen Hoffnung zu geben.