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Interview

"Ich habe alles verbrannt"

25 Jahre zeichnete Gerhard Haderer für den stern. Meistens provokativ, immer treffend. Nun hört Harderer auf. Im Abschiedsgespräch erzählt er von einem ausgeschlagenen Millionenangebot und was es mit der "Schule des Ungehorsams" auf sich hat.

Von Arno Luik

Schade, wirklich schade, Herr , dass Sie mit Ihren wöchentlichen Cartoons im stern jetzt aufhören.

Machen Sie mir doch das Herz nicht noch schwerer! Auch ich weiß nicht, was das  für mich wirklich heißt, es wird vermutlich wehtun, aber egal. Es muss sein.

Warum denn?

Der Antrieb ist weg. Das Feuer. Die Lust. Es fängt nun an, Stress zu machen. Für mich war dieses Zeichnen ja nie Arbeit. Ich habe mal bei einer Veranstaltung gesagt, dass das, was ich mache, für mich keine Arbeit ist, es passiert einfach so aus dem Handgelenk, der schieren Freude heraus. Daraufhin sagte der damalige stern-Chef zu mir, "wenn das so ist, Herr , müssen wir übers Honorar reden, wir halbieren es!"

Der Mann hatte Humor.

Ich weiß nicht.

Herr , bevor Sie mit Ihren Cartoons berühmt wurden, waren Sie 15 Jahre lang ein überaus erfolgreicher Grafiker, Sie waren gut im Geschäft, gefragt und begehrt von vielen Konzernen.

Aber ich habe gelitten wie ein Hund. Ich habe mit meiner Frau und den Kindern in gewohnt, am schönsten Platz der Welt, in einem wunderschönen Haus, aber der Mann in dieser wunderschönen Wohnung war traurig, manchmal depressiv, ständig unzufrieden. In mir war das Gefühl: Für Geld machst du Scheiße. Werbung. Werbung. Du malst Konsumgegenstände noch viel schöner als sie in Wirklichkeit sind, nur um Leute zu verführen, diesen Ramsch zu kaufen!

Sie haben sich geschämt.

Ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich Geld und Lob bekomme für völlig seelenlose, hirnlose Arbeiten. Ich habe zum Beispiel für Messerschmitt gemalt, einfach einen netten, harmlosen Kalender, aber in meinem Kopf war das Wissen, dass Messerschmitt ja auch im Waffengeschäft ist.

Da war ein Zwiespalt in Ihnen, der Sie  zerriss?

Ich glaube schon, dass dein Körper, wenn die Psyche nicht in Ordnung ist, irgendwann rebelliert. In mir war  dieses Ekelgefühl. Und das Martern in meinem Kopf, dieser Gedanke: Ich habe ein Talent und vergeude es für Unfug. Ich war 30, sehr erfolgreich, aber  überaus unglücklich. Das zerfraß mich. Ich bekam Krebs. Ich saß in diesem Salzburger Paradies. Drei gesunde Kinder. Glückliche Familie. Idylle pur. Aber plötzlich wartest du nur noch, dass der Vorhang endgültig runtergeht.

Eines Tages aber zogen Sie die Notbremse, Sie sagten sich, ich muss raus aus meinem Job!

Ich habe gemerkt, ich treibe Raubbau an meiner Seele und an meinem Körper. Erst habe ich gesagt: "Ich will nur die Hälfte von dem Honorar, für den Scheiß will ich nicht so viel Geld!" So Marotten habe ich entwickelt, aber es half nicht wirklich. Aber dann, eines Tages, endlich, habe ich mit Freunden  ein Fest gemacht, ein Feuer, und ich habe das ganze Zeugs, diesen Ramsch genommen und verbrannt. Weg damit! Weg mit allem!

Das ist doch wahnsinnig, dieses Verbrennen der eigenen Arbeit.

Das mögen Sie so sehen. Aber es musste sein. Dieser Akt der Selbstzerstörung war für mich ein lebensnotwendiger Akt der Befreiung.

Und weg war auch das schöne Geld, die schöne Wohnung.

Alles weg. Es war eine Befreiung ohne Sicherheitsnetz. Ich habe einen Rundruf gestartet und den Agenturen gesagt: "Bucht mich nicht mehr. Ich wünsche Euch ein schönes Leben." "Sie sind verrückt", hieß es. Aber ich war glücklich. Wir sind dann in eine winzige Mietwohnung in gezogen. Zu meiner Frau, mit der ich seit 43 Jahren zusammen bin, habe ich damals gesagt: "Ich lieb dich so sehr, dass ich dir ein schönes Leben wünsche, lebe es mit wem du willst, aber nicht mit mir, ich kann dir nichts mehr versprechen. Ich bin nicht mehr bereit für Geld etwas zu machen, hinter dem ich nicht stehen kann, so schaut's aus." Sie meinte,  “ich glaube, dass was Gutes daraus werden kann".

Und Sie hatte ja Recht. Im stern sind Sie eine Marke, aber hier in Österreich sind Sie viel mehr, Sie sind eine Ikone.

Ich weiß nicht.

Wie wichtig Sie sind, oder wie gefürchtet, zeigt sich auch daran, dass die katholische Kirche hier in Linz mal ihren Fronleichnamsumzug umgeleitet hat, um gegen den Frevler Haderer zu beten.

Da war vor 15 Jahren, mein Buch "Das Leben des Jesus" war hier ein veritabler Skandal, ein Büchlein von 38 Seiten, und die katholische Kirche heulte auf.

Sie zeigten Jesus als Kiffer, wie er halbnackt über den See Genezareth surft, seine Jünger sind geldgeile Typen und…

Kardinal Schönborn, damals der wichtigste Mann der katholischen Kirche in Österreich verlangte eine Entschuldigung von mir. Eine Groteske, dass er glaubt, er habe im 21. Jahrhundert diese Macht über einen Autoren. Er, auch der damalige Vorsitzende der Glaubenskongregation Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt also, haben sich mächtig aufgeregt. In Linz hat die Kirche dann ihren Umzug an Fronleichnam in diese kleine Gasse, wo ich wohne, umgeleitet. Ich lag noch im Bett, dann war da plötzlich so ein Geklingel, ein dumpfes Murmeln, Rhabarber, Rhabarber. Was ist denn da los, denke ich, ich schau zum Fenster raus, bin noch nackt, grüße dann huldvoll und gnädig die Massen da unten. Das haben die nicht vergessen. Ich galt nun als Gotteslästerer, das war nicht ungefährlich.

Es gab ja damals auch Bombendrohungen gegen Sie.

Und böse Hassbriefe. Ein paar Jahre lang waren bei meinen Auftritten stets Polizisten dabei. Nachts um drei bekam ich mal einen Anruf: "Wir wissen, wo deine Kinder zur Schule gehen." Ich hatte nicht Angst um mein Leben, aber man sorgt sich um seine Kinder. Es ist ja nicht nur so, dass einem physisch gedroht wird. Meine Bank hat mich angerufen, hat gesagt: "Können wir eine Zwischenbilanz ziehen, denn wir wissen ja nicht genau, wie es bei Ihnen weitergeht". Meine Antwort: “Ich weiß schon, wie es weitergeht, ich werde ab sofort die Bank wechseln."

Da schleicht sich Existenzangst in das Leben?

Nein. Meine Frau war großartig, wir haben uns gesagt: Gut, das ist eventuell eine Konsequenz für meine Arbeit. Ich habe das Risiko akzeptiert. Ich war Mitte 50, und wenn es denn so kommen sollte, dass ein Verrückter meint, er müsse durch eine verrückte Tat bekannt werden, dann war es das eben. Aber aufhören zu zeichnen? Das kann ich nicht.

Gab es da Momente, in denen Sie verfluchten, dass Sie so schöne böse Bilder malen können?

Nein! Da ist einfach diese Lust, dieser Trieb in mir. Ich kann da gar nichts dafür. Ich hab einfach dieses Talent.   Als ich vier, fünf Jahre alt war, habe ich das entdeckt. Meine Großmutter sagte damals, "was der Bub da zeichnet, das ist ein Phänomen, der ist ein kleines Genie". Ich sag das nicht gerne, aber schon als Kind habe ich die Dinge nicht bloß abgebildet, sondern mit meiner etwas verschrobenen Wahrnehmung umgesetzt.

Staunen Sie manchmal über das, was Sie zeichnen?

Manchmal schon. Die glücklichsten Momente sind dann die, wenn man Werke schafft, die über die eigene Persönlichkeit hinausgehen.

Was meinen Sie damit?

Vor knapp zwei Jahren gab es den Anschlag auf die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo", wegen ihrer Mohammed-Karikaturen. Sieben Menschen kamen um. Das hat mir die Sprache geraubt. Ich kannte die Kollegen, einer der Getöteten war ein guter Bekannter von mir, Georges Wolinsky. Ich habe gedacht, zu diesem Thema kannst du nichts machen.

Weil es unerträglich ist.

Ja. Ich habe mir einen Tag Schweigen verordnet, ich habe nichts geredet, nur nachgedacht, eine Art Meditation. Am nächsten Tag habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt, und ich habe da so eine mickrige schwarz gekleidete Gestalt mit einer Kalaschnikow gezeichnet, einen Terroristen eben, aber nicht größer als 4 Zentimeter. Und den habe ich mit einer unübersehbaren Menge an Bleistiften – als Symbol für Karikaturisten – umgeben. Den ganzen Tag habe ich Bleistifte gezeichnet, in allen möglichen Farben. Am Ende ist ein Poster entstanden, wo diese kleine Figur, dieser dramatisch Irrsinnige da, umzingelt ist von einer Million bunter und fröhlicher Bleistifte, er also machtlos ist. Dass ich das machen konnte, hat mich bei aller Trauer sehr, sehr glücklich gemacht. Mit dieser Zeichnung habe ich mich selbst übertroffen.

Wie wurden Sie eigentlich zu dem, der Sie sind, zum "Haderer"?

Der war ich schon immer. Ich hadere zwar mit den Zuständen auf dieser Welt,  aber ich heiße einfach Haderer.

Gibt es für Ihre Sicht auf die Welt ein Vorbild?

Sie meinen diese etwas verschrobene Sicht. Dass hinter der Idylle das Grauen lauert. Der Abgrund.

Ja.

Ich hab vor vielen Jahren im bayerischen Fernsehen einen Typen gehört, wie der erzählt hat, dass er gerade aus Bangkok per Katalog sich eine Frau habe kommen lassen, "für 2850 Mark", die sei sehr praktisch,  natürlich hätte er sich auch eine Vietnamesin kommen lassen können, "die sind etwas robuster", aber seine Mai Ling sei auch nicht schlecht, sie schmutze nicht, sie sei anschmiegsam, sehr leise, folgsam. Ich hab gedacht: "Dieses Schwein muss ich ausfindig machen”, ich wollte diese Sau verdreschen. Aber das war Kabarett. Polt. Sein Können ist es, dass er ganz nah wie fast am richtigen Leben agiert. Für mich war dieser Sketch ein Schlüsselerlebnis. Ich dachte, wenn ich so zeichne – nah an der Wirklichkeit, ganz photorealistisch, idyllisch, leicht konsummierbar, die Wirklichkeit aber etwas verrutscht – das ist es!

Was wollten Sie erreichen?

Der Wunsch war da, diese verlogenen Idyllen zu attackieren, eine Verunsicherung in die Spießerhirne zu verankern, Bilder anzubieten mit Widerhaken.

Deswegen finde ich ja, dass gerade heute in diesen Tagen, in denen rechte Populisten überall an die Macht drängen, die Idee von Europa zu zerfallen droht, Ihre Zeichnungen wertvoller und wichtiger wären denn je.

Das mag schon sein, aber ich weiß auch, dass wir um Aufklärung bemühten Künstler gar nicht so viel bewirken.

Aber sie wollen sich doch einmischen in den politischen Alltag, ihn aufmischen, bloßstellen – das treibt Sie doch an, noch immer?

Ich zeichne aus Notwehr gegen den Wahnsinn, der uns umgibt. Aber es ist lächerlich zu sagen, wir hätten die Macht, wirklich etwas zu bewegen. Es wäre schön, die Mächtigen mit dem Bleistift in Grund und Boden zeichnen zu können. Wir erfreuen vielleicht jene, die so ähnlich denken wie wir. Früher nahm ich die Politiker auch noch wichtiger als heute. Ich hielt sie für mächtig. Aber sie sind doch nur arme Rampensäue. Die wirklich Mächtigen sehen wir kaum – die Macher aus der  Rüstungslobby und dem Finanzkapital. Die regieren die Politiker wie Hampelmänner. Ich habe die Lust verloren, sie zu zeichnen.

Schade.

Nein. Ich mische mich hier in Österreich jetzt konkreter, sogar radikaler ein als früher. Es gibt hier ein kleines, aber sehr lebendiges Medium. Es heißt MOFF. Ich mach das zusammen mit meinem Sohn, es sind schwarz-weiße Cartoons, ganz anders als die im stern, schnell gezeichnet, schnell gedacht, schnell formuliert. Es sind Versuche, den Zorn zu erklären, der gerade in fast allen europäischen Ländern an die Oberfläche drängt. Der Fremdenhass. Der Nationalismus. Die Faszination des Rechtspopulismus. Für MOFF haben wir  5000 Abonnenten, 5000 Freiverkäufe.

10.000 Heftchen – ich bitte Sie, das ist doch nichts.

Für Österreich schon, das ist eine ordentliche Gegenöffentlichkeit, auf Deutschland hochgerechnet wäre das eine Auflage von rund 100.000. Aber ich arbeite gerade an einem anderen, mir besonders wichtigen Projekt, einer "Schule des Ungehorsams".

Einer Schule des Ungehorsams?

Ja. Cartoons allein reichen nicht mehr. Es geht jetzt um die Demokratie. Die ist gefährdet. Ich bin zwar wirklich erleichtert, dass Van der Bellen neulich die Bundespräsidentenwahl gewonnen hat. Das ist ein Lichtblick. Aber das Dumpfe ist noch immer da. Vieles, was ich um mich herum sehe und erlebe, erinnert mich an die 30er Jahre.

Das ist zu düster gedacht.

Meinen Sie? Ich seh das so: Wenn unsere Länder, die Europäische Union es nicht schaffen, soziale Gerechtigkeit zu verankern, wenn weiterhin der Neoliberalismus sich so austoben darf wie bisher, gibt es keinen Frieden.

So sehen Sie das?

Ja.

Das ist eine verdammt pessimistische Sicht.

Ich würde sagen: eine realistische. Aber ich möchte ja, dass sie nicht  Wirklichkeit wird. Ich will ja deswegen, dass sich die Leute engagieren – gegen den um sich greifenden Rechtspopulismus, dass es möglich ist, ihn zu stoppen. Mit der "Schule des Ungehorsams" wird es ein Forum geben in dem die Leute zusammenkommen, wieder diskutieren, sich streiten statt in den neobiedermeierlichen Rückzug zu fliehen. Es gibt Wichtigeres als "Landlust".

Gibt es von Ihren zig-tausend Cartoons einen, der Ihnen wirklich wichtig ist?

Einer meiner kraftvollsten Cartoons  ist wohl der über Joschka Fischer. Ein 68er. Die wollten die Welt verbessern, aber viele haben mitgemacht, den Planeten an den Abgrund zu bringen. Eine bittere Bilanz für meine Generation.

So traurig sehen Sie das?

Ja, denn was hat der Marsch durch die Instanzen aus Fischer gemacht? Einen Mensch, der sich selber nicht mehr findet. In meinem Cartoon sitzt der junge Fischer, etwas dicklich, dem arrivierten, abgemagerten Außenminister Fischer gegenüber, und der junge Fischer sagt: "Mit Verlaub, Herr Außenninister, Sie sind ein Arschloch!" Da ist alles drin. Der Verrat. Der Ausverkauf. Das Entsorgen von Idealen. Wollen Sie zu diesem Thema noch eine Geschichte hören?

Wenn sie gut ist.

Es geht um 18 Millionen Euro, es geht um die Fußball-WM 2006 in Deutschland.

Das hört sich nicht schlecht an.

André Heller war eine Zeitlang für das  geplante WM-Kulturprogramm zuständig. Er fragte mich, ob ich etwas für diese WM 2006 machen wolle? Ich hab dann so ein Tableau gemalt, ganz kleine Figuren, 200 Leute, Menschen wie du und ich, dazwischen Muhammad Ali, Marilyn Monroe, ein Iman, ein Priester, alle möglichen Leute, die nichts anderes tun als mit dem Fuß auf eine Lederkugel zu hauen. Ich habe richtig Lust gehabt zu zeigen, dass die ganze Welt Fußball spielt. Josef Blatter, der damalige FIFA-Boss sieht in Wien dieses Bild, sagt sofort: "Das muss das Plakat der Fußball-WM 2006 sein, weltweit, großartig."

Sehr schön.

Wenn ein Mafioso wie Blatter dahinter steht, geht alles ganz schnell. Innerhalb von ein paar Tagen lag ein Vertrag vor mir, ein Stapel Papier, zehn Zentimeter hoch – mit der Zusage, dass sechs Prozent der Einkünfte an mich gehen. 18 Millionen Euro wären das wohl geworden. Ich bin mit meiner Frau zusammengesessen, wir haben darüber geredet, dass diese 18 Millionen unser Leben auf den Kopf stellen würden. Je länger wir redeten, desto mehr merkte ich, wie ich die Lust an der Sache verlor. Ich sagte zu meiner Frau: "Ich glaub, ich pfeif auf den Scheiß. Ich möchte nicht, was in den Verträgen auch verlangt wurde, mit so einem Typen wie Blatter im Fernsehen auftreten, das kann ich nicht. Das ist nicht meine Gesellschaft." Am Tag danach habe ich die Sache abgelehnt.

Sie sind verrückt.

Das sagte die für diese FIFA-Verträge zuständige Dame auch. "Das hast du gut gemacht", sagte hingegen meine Frau. Und so ziehen wir zwei durch die Gegend, wir können uns gegenseitig in die Augen schauen, und das alles ist also nicht verrückt, das ist einfach gut so. Ich bin glücklich.

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