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US-Präsidentschaftskandidat: Trump will sich in Mexiko inszenieren - doch es kommt, wie es kommen muss

Immer wieder wettert Donald Trump gegen Mexiko. Jetzt kommt er zu einem Blitzbesuch vorbei. Offenbar will er sich als seriöser Staatsmann präsentieren. Doch am Ende gibt's nur Verwirrung. Und zu Hause legt er dann noch gegen den Nachbarn und illegale Einwanderer nach.

Donald Trump in Mexiko: Verwirrung um Aussagen zum Mauerbau an der Grenze

Donald Trump in Mexiko: Verwirrung um Aussagen zum Mauerbau an der Grenze

Zu Gast bei Feinden: Seit Monaten schimpft Donald Trump auf mexikanische Einwanderer, jetzt hat der republikanische US-Präsidentschaftskandidat dem südlichen Nachbarland einen Überraschungsbesuch abgestattet. Und erst einmal richtete er überaus freundliche Worte an die Gastgeber, er will schließlich Staatsmann werden: "Ich habe großen Respekt vor den Mexikanern in den Vereinigten Staaten, vor ihrem Glauben, ihren Familienwerten und ihrer Gemeinschaft", schmeichelt er nach einem Treffen mit Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto am Mittwoch. "Ich habe vielen von ihnen Arbeit gegeben. Das sind großartige Leute."

Bei der Ankündigung seiner Kandidatur hatte er Mexikaner noch als Drogenhändler und Vergewaltiger verunglimpft. "Das hat viele Leute beleidigt", sagt Peña Nieto. "Die Mexikaner haben Respekt verdient." Zwar redeten die beiden Männer in der Präsidentenresidenz eingerahmt von Flaggen vor dem mächtigen Staatswappen von "offenen und konstruktiven" Gesprächen, doch die Einschätzung der Beziehung könnte unterschiedlicher nicht sein. Und am Ende traten die Differenzen dann auch mehr in den Vordergrund, als Donald Trump lieb sein dürfte. Seine Inszenierung verpuffte und bei einer Wahlkampfveranstaltung in Phoenix zeigte er direkt wieder sein wahres Gesicht.

Mauer an Mexikos Grenze? Ja, nein, vielleicht

Seit Monaten hatte Trump eine Mauer zu Mexiko als US-Staatsschutz proklamiert. Als Medienvertreter Trump und Peña Nieto dann auf das Thema ansprachen, machten beide widersprüchliche Aussagen dazu, ob sie überhaupt über die Errichtung und Finanzierung gesprochen hätten. Trump bestritt dies, Peña Nieto widersprach.

Trump äußerte sich konkret, als er zurück in den USA war. "Mexiko wird für die Mauer zahlen, zu hundert Prozent", sagte er. Trump bekräftigte bei dem Treffen demnach offenbar seine Forderung nach dem Mauerbau: Jedes Land habe das Recht, "eine physische Barriere oder eine Mauer an seinen Grenzen zu bauen". Vor Journalisten fügte er aber auch hinzu: "Wir haben nicht darüber beraten, wer die Mauer zahlen soll." Die Verwirrung um Trump war komplett, vor allem weil Mexikos Präsident abschließend auf Twitter schrieb: "Am Anfang meines Gesprächs mit Donald Trump habe ich klar gemacht, dass Mexiko nicht für die Mauer zahlen wird."

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Peña Nieto beschwört Zusammenarbeit mit den USA

Es gab aber natürlich noch andere Themen: Peña Nieto betonte die großen Chancen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, sprach von einer Million Menschen, die täglich legal die verkehrsreichste Grenze der Welt überschreiten, beschwörte die Dynamik des gemeinsamen nordamerikanischen Marktes.

Für Trump bedeutet Mexiko dagegen vor allem eine Gefahr: Illegale Einwanderer und Drogen würden über die Grenze geschmuggelt und das Freihandelsabkommen Nafta führe dazu, dass Industriearbeitsplätze von den Vereinigten Staaten nach Mexiko abwanderten, sagte der millionenschwere Unternehmer. Also soll die Mauer her, und Millionen Illegale sollen ausgewiesen werden. Trump forderte eine "Null-Toleranz-Politik".

Was wollten die beiden mit dem Treffen bezwecken?

Auf beiden Seiten des Rio Grande spekulierten die Analysten, was sich Trump und Peña Nieto von der ungewöhnlichen Stippvisite versprechen. Die Zustimmungswerte des mexikanischen Präsidenten sind im Keller und für den Besuch des latino-feindlichen Populisten Trump hat in Mexiko kaum jemand Verständnis. "Er droht uns mit Krieg und Mauern, aber wir öffnen ihm den Nationalpalast", sagte Senatspräsident Roberto Gil. 

Ende der vergangenen Woche hatte die mexikanische Regierung beide US-Präsidentschaftskandidaten eingeladen. Dem Vernehmen nach hatte Peña Nieto schlicht nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Trump als Erster zusagt. "Ich weiß nicht, wie Sie darauf gekommen sind, dass es eine gute Idee sein könnte, Donald Trump einzuladen", sagte der mexikanische Politik-Analyst Alejandro Hope. 

Donald Trump "will sich staatsmännisch zeigen"

Für Trump war der Besuch eine Möglichkeit, mit Hinblick auf die Wahlen einen moderateren Kurs in Einwanderungsfragen einzuschlagen und sich den gemäßigten Konservativen in den USA anzudienen. "Er will sich staatsmännisch zeigen", sagte Andrew Selee vom Forschungsinstitut Wilson Center. "Er versucht jetzt, eine breitere Wählerbasis anzusprechen, die weiß, wie wichtig die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko sind."

Robert Costa von der "Washington Post" hatte noch eine einfachere Erklärung: "In seinem Wahlkampfteam haben sie sich gefragt: Wie können wir in dieser Woche die Schlagzeilen bestimmen?" Spin-Doktor hinter der Idee sei Trumps neuer Kampagnenchef Stephen Bannon gewesen. "Er mag die Überraschung, er mag den politischen Kampf", sagte Costa im US-Frühstücksfernsehen.

Trump, der Scharfmacher

Für eine Überraschung sorgte Trump dann auch noch bei seiner Rückkehr in die USA. Er legte ein Zehn-Punkte-Programm gegen illegale Einwanderung vor und führte den Mexiko-Besuch damit noch mehr ad absurdum - erst die vermeintliche Öffnung zum Nachbar, dann, kaum zu Hause, kehrt der alte Knüppel-Trump zurück.

Für in den USA befindliche kriminelle Ausländer kündigte er eine "Null-Toleranz-Politik" an. "Eine Migrationsreform sollte bedeuten, das Leben der Amerikaner zu verbessern", rief der Republikaner vor Tausenden von Anhängern in Phoenix. Illegale Migration verursache den USA Kosten in Höhe von 113 Milliarden Dollar pro Jahr. Von der ersten Stunde seiner Amtszeit an werde er damit beginnen, kriminelle Ausländer, die sich illegal in den Vereinigten Staaten aufhalten, zu deportieren, sagte Trump.

Die Lehre ist mal wieder: Trump mag versuchen, sich als Staatsmann zu inszenieren. Doch eigentlich nur, um dem Nachbarn und Partner zu zeigen, wer in Trumps Welt das alleinige Sagen hat: nur die USA und im Idealfall natürlich er selbst.

feh / DPA / AFP