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1. September 2006, 06:25 Uhr

Der neue Schirmherr

Wachwechsel bei den "Tagesthemen": Tom Buhrow löst Ulrich Wickert ab und soll frischen Wind bringen. Könnte klappen - wenn er so bleibt, wie er ist. Von Ulrike von Bülow

Im Studio: Ulrich Wickert überlässt Buhrow fürs Foto schon mal seinen Platz© Volker Hinz

Er steht mit dem Rücken zur Kamera zwei, die ihn demnächst einfangen wird, und blickt auf den Tisch, an dem er dann sitzen oder stehen wird; er hat sich noch nicht entschieden, ob er sitzen oder stehen will, aber er weiß schon, was er hören wird, wenn es so weit ist.

"Bä-bäh, bä-bä-bä-bäääääh!", trötet Tom Buhrow. "Guten Abend, meine Damen und Herren, hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit den "Tagesthemen"", sagt er. Kleine Pause. "Klingt gut, oder?", fragt er dann und lacht so heftig, dass sein Kopf vor und zurück schaukelt.

Der neue Herrscher im Volleyballfeld

Tom Buhrow, 47, hat kurzes, blondes Haar, das über der Stirn nicht mehr ganz vollzählig ist, und Augen, die so blau sind wie das Mittelmeer auf dieser Weltkarte, die man aus den Nachrichtensendungen der ARD kennt. Die kommen von hier, aus dem Studio "ARD 1" beim NDR in Hamburg-Lokstedt, einem Raum so groß wie ein Volleyballfeld, mit vier Kameras und Scheinwerfern und einer Glaswand, hinter der die Regie hockt. Buhrow trägt einen grauen Anzug, er geht um den Tisch herum, guckt auf den Computer, der in der Mitte eingelassen ist und Agenturmeldungen anzeigt: "Erste EU-Zahlungen an Ärzte in Gazastreifen" steht da. "Den Computer werde ich brauchen", sagt er. "Da darf ich die Blätter nicht drauflegen. Lieber hier auf den Kontrollmonitor. Dann siehste dich zwar nicht selbst, macht aber nix."

Das Ende einer 15-jährigen Ära

Tom Buhrow wird vom 1. September an im Wechsel mit Anne Will die "Tagesthemen" moderieren. Er löst Ulrich Wickert ab, der den Job 15 Jahre lang gemacht hat. Und wie das nun mal so ist, das weiß man ja seit Helmut Kohl oder Otto Rehhagel: Nach mehr als einem Jahrzehnt im selben Amt sind die Witze nicht mehr witzig, die Gesten nicht mehr frisch, sind alle Sätze gesagt und alle Worte verbraucht.

Buhrow hat "ein anderes Gesicht, eine andere Stimmlage und eine andere Tonfärbung", sagt Günter Struve, Programmdirektor der ARD, "das Ganze wird leicht rüberkommen, ohne leicht zu sein. Er hat einen jungenhaften Charme, den er noch viele Jahre halten kann. Ich habe das Gefühl, dass er immer hellwach ist".

Biorhythmus noch in Amerika

"'tschuldigung", sagt Tom Buhrow und gähnt, "mein Biorhythmus muss sich noch anpassen." Schon klar, er kommt aus Amerika. Dann führt er seine Besucher aus dem Studio heraus durch einen Gang, "hier ist die TAZ, die Tagesschau-Zentrale", sagt er im Vorbeigehen und zeigt rechts in einen Raum mit vielen Monitoren, "hier laufen die Berichte auf, die wir aus Washington schicken".

Alte Wirkungsstätte: Buhrow im Studio in Washington, am Telefon die Hamburger Zentrale. In der US-Hauptstadt leitete er vier Jahre lang die Außenstelle der ARD© Volker Hinz

Tom Buhrow ist angekommen

"Wir." Buhrow war in den vergangenen vier Jahren Leiter der ARD-Zweigstelle in Washington D.C., er arbeitet sich dieser Tage ein bei ARD-Aktuell. "Ich gehe erst mal mit, um die Abläufe kennen zu lernen", sagt er. Sitzt Buhrow neben Wickert in der Nachmittagskonferenz oben im ersten Stock, sagt er nicht viel, er hört zu und beobachtet. Es sind andere Leute in einem anderen Konferenzraum, aber das alles erinnert Tom Buhrow an 1985. Er war damals Volontär beim WDR, "da durfte ich hier mal zwei Tage mitlaufen, damit ich die Strukturen verstand", sagt er.

So gesehen schließt sich an dieser Stelle ein Kreis. Man könnte auch sagen: Tom Buhrow ist angekommen. Aber das hört er nicht so gern, weil es nach Lebensplanung klingt, nach Karriere. Und Tom Buhrow wirkt lieber anders. Harmloser.

Familiengut ist noch im Container

Vor drei Tagen saß er mit seiner Frau, der freien Journalistin Sabine Stamer, in einem Hotel in der Hamburger Innenstadt beim Mittagessen. Die beiden erzählten vom Umzug: dass der 40 Fuß große Container, in dem ihr Familienleben verschifft wird, noch nicht angekommen sei hier im Hafen; dass das Haus, das sie in Elbnähe gemietet haben, noch renoviert werden müsse; dass die beiden Töchter, neun und zwölf, jetzt bei den Großeltern auf dem Land seien.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 35/2006

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