Edel sei das Essen, simpel und pur. Fürs Garen auf dem Rost empfiehlt Autor Volker Hobl einfache Zubereitung, gute Zutaten und auf Putenfleisch komplett zu verzichten.
Eine Freundin verabschiedete sich vor Kurzem in ihre spanische Heimat und lud ihre umfassende Bekanntschaft zum Grillen ein. Dafür bereitete sie einen Stockfischsalat mit weißen Bohnen, Oliven und Tomaten; die Gäste konnten mitbringen, was immer sie gern grillen wollten.
Und was schleppten 80 Prozent der Leute an? Putensteaks!!! Argh, Puten, das sind die armen Viecher, bei denen - wie mir ein Tierarzt in Cuxhaven mal sagte und was ich hier nun ganz unbewiesen kolportiere - in der Regel auf ein Kilo Fleisch ein Kilo Medikamente kommt. Was die Züchter auch immer mit den Tieren machen - Pute ist zum Grillen auf jeden Fall viel zu trocken. Der Vogel hat ja kaum Fett. Aber genau weil das Fleisch fettarm und als Bruststeak ohne Knochen ist, hatten sie es wohl auch ausgesucht. Mein Gott ja, ich bin schadenfroh: Die Gesichter derer, die sich an den zähen Lappen mühten, fand ich zum Malen schön.
Man braucht gar nicht viel zu tun, damit es schmeckt. Aber es muss halt mit geeigneten Grundprodukten geschehen. Sind sie vorhanden, reichen meist Pfeffer, gutes Salz und das Aroma des Feuers, damit der Mensch glücklich isst. Nehmen wir das Kalbskotelett. Okay, man muss es beim Metzger bestellen, aber, Leute, es ist nur ein Anruf. Und wenn wir einmal vom Preis absehen, hat es große Vorteile: Es schmeckt außerordentlich fein, sodass ich mir ausgefallene Würztiraden ersparen kann; es hat einen schönen Fettrand, den ich, wenn ich denn fettophob bin, immer noch abschneiden kann - nach dem Grillen; zunächst nämlich hält das Fett mein Fleisch schön saftig. Und wenn ich den Rippenknochen extra lang zusägen lasse, habe ich einen praktischen Griff, der mich das Fleisch abbeißen und mir den Saft übers Kinn laufen lässt. Grillfleisch mit Messer und Gabel zu essen: Was soll das denn?
Auch Wachteln vom Grill sind sehr gut. Es gibt sie im Supermarkt in der Tiefkühltruhe. Sie sind ebenfalls fettarm, aber weil ich sie nicht aufschneide, sondern nur platt drücke und ihr Fleisch komplett von Haut umgeben ist, bleiben sie saftig; genauso wie Hähnchenbrust, auf Zitronengras gespießt und kurz mariniert, weil die Muskelstruktur weitgehend unzerstört ist. Die Haut lasse ich, dem Fleisch zum Schutz und Siebeck zum Trotz, dran. Sie wird knusprig, goldbraun und schmeckt gut. Zum Fleisch serviere ich die syrische Variante von Tabbouleh, also die mit viel, viel glatter Petersilie.
Übrigens: Wer sein Fleisch saftig mag, verzichtet auf Fleischgabeln - Zangen sind besser!