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Es geht immer noch schlimmer

Franz Josef Wagner hat nachgelegt: In einem Interview hatte der "Bild"-Zeitungskolumnist die Chance, seine hanebüchenen Aussagen über Karrierefrauen wieder geradezubiegen. Hat er aber nicht.

Franz Josef Wagner im weißem Hemd und in Strickjacke

Franz Josef Wagner will Babys. Ganz, ganz dringend.

Nach seinem chauvinistischen Brief über Mütter und Nicht-Mütter, der einer Hommage an das Frauenbild des Mittelalters glich, erntete er Hohn und Spott in den sozialen Netzwerken und auch von Kollegen. Das war dem "Bild"-Zeitungskolumnisten Franz Josef Wagner offensichtlich nicht genug. In einem Interview mit der Zeitung "Welt" (ebenfalls Springer-Verlag) verbreitet er erneut Gaga-Ansichten über "hexenhafte Wesen", die Frauen für ihn sind.

Und seine Antworten machen alles noch schlimmer. Eine Frau ist für Wagner nichts als Brüste, Gebärmutter und veilchenblaues Kleidchen. Hier sind seine hanebüchensten Aussagen. Na, schaffen Sie's, bis zum Ende durchzuhalten?


"Bei Männern bin ich mehr Mann. Frauen sind für mich hexenhafte Wesen. Ich habe mehr Angst vor ihnen als vor Löwen oder Dinosauriern."

"Ich mag Frauen in Führungspositionen, kluge, studierte Frauen. Aber sie haben diese Gender-Welt längst überschritten. Sie sind das dritte Geschlecht: Das Hosenanzugsgeschlecht."

Als Totschlagargument bringt Wagner noch einen "Gott" ins Spiel - und greift im Interview die kinderlose Journalistin ihm gegenüber (eine alte Bekannte Wagners) persönlich an.

"Was euch Frauen ja unterscheidet vom anderen Geschlecht, ist die Gottesgabe, Kinder zu kriegen. Ich kenne mich nicht aus mit Frauenkörpern, ich bin ein völliger Laie in diesen Dingen. Aber ich weiß, dass ihr ein Geheimnis habt. Du hast das Geheimnis in dir ignoriert. Es ist so, als hättest du den Schlüssel dazu weggeworfen. Du bist ein funktionierendes Jobwesen. Du bist in einen falschen Anzug geschlüpft. Du bist dir nicht treu geblieben als Frau."

Eine arbeitende Frau ist also keine Frau mehr, sondern ein Wesen. Ein "Jobwesen". Schließlich sollte sich das Leben einer Frau doch um etwas ganz anderes drehen.

"Wo sind die Babys? Es geht mir halt nur um die Babys!"


Trainierte Arme und Hermès-Taschen

Wir haben's verstanden: Wagner will dringend Babys. Aber auch nicht alle Babys sind ihm recht:

"Was mich aufregt ist einfach dieses Management-Baby. Das Management-Baby all dieser durch perfektionierten, Kinder gebärenden Karrierefrauen, die ihre Babys wie Hermès-Handtaschen herumtragen, mit wunderbar trainierten Armen, an denen kein Fett hängt. Die vorgeben, alles zu schaffen. Ob sie arbeiten gehen, Fitness machen, sie tun es nur noch für sich."

Für wen sollte man denn sonst Karriere und Fitness machen? Leider liefert Wagner hier keine Vorschläge.

 

Statt Respekt vor diesen starken Frauen zu haben, hat er Angst - und weitet dieses persönliche Problem gleich auf die gesamte Männerschaft aus:

"Die Männer haben heute Angst vor Frauen. Sie sind ihnen fremd geworden und die Männer vielen Frauen zu dumm. Und je klüger ihr immer noch werdet, desto mehr Angst macht uns das. Die Natur ist gar nicht raffiniert: Ihr habt euch schwach gefühlt in der Männerwelt - und so ergeht es uns jetzt. Mit dem Unterschied: Nur ihr habt das Becken für die Babys."

Die Frage, welche "Mann-Frau-Gesellschaft" (was auch immer das sein soll) er sich wünscht, beantwortet Wagner gar nicht erst mit seiner Vorstellung bestimmter Rollenbilder. Nein: Er reduziert die Frau gleich auf ihre Optik:

"Ich mag natürlich keine mit einer Hexennase. Ich mag schon die schöne Frau. Die Frau von Brad Pitt? Nein. Ich will eine moderne Frau, aber keine Hero-Frau. Hero-Frauen kann man nicht umarmen. Sie tragen zu dicke Panzer. Ich will eine moderne, berufstätige, selbstbestimmte Frau, aber in einem veilchenblauen Kleid."

Am besten eben in einem Kleidchen mit einer Schürze davor. Denn neben hübsch aussehen ist die zweite Daseinsberechtigung der Frauen: kochen! Und zwar für einen Mann.

"Ich weiß nicht, wie viele Frauen noch kochen können, wo es noch das Abendbrot gibt, Vater, Mutter, Kind an einem Tisch."

"Ich fahre lieber Motorrad und segele, als zu einem Schnitzel, das abends gebraten wird, nach Hause zu kommen."

Darauf, dass auch ein Mann etwas kochen könnte, kommt er offenbar gar nicht. 


Die Smoothie-Zicken heute

"Ich weiß nicht, wie das möglich ist, wenn man eine Vorstandsvorsitzende ist, die einen Halbmarathon läuft, damit sie ihre Hüften schmaler kriegt. Ich weiß nicht, was für ein Glück da entsteht? Was für eine hektische Frau ist das? In was für ein Leben ist sie geraten?

Man beachte das Wort "geraten". Eine erfolgreiche, stolze und glückliche Frau kann sich all das schließlich unmöglich selbst erarbeitet haben und es auch noch gut finden. Es ist ein unaussprechlicher Schicksalsschlag.

"Ich frage mich, was das größere Glück ist: Doktor der Betriebswirtschaft zu sein oder Dr. Baby? Welche Frauen sind glücklicher: Die Generation meiner Mutter oder die Smoothie-Zicken heute?"

Dabei hat Wagner im echten Leben gar nichts mit Fragen zu tun. In seinem Leben gibt es keine. Dennoch bildet er sich ein Urteil.

"Ich sehe Frauen überall. Ich sehe sie in Charlottenburg, in Paris, New York. Aber ich sehe keine Mütter mehr. Und ich habe zu viele traurige Frauen erlebt, die dann da saßen - Nikotinsüchtig, Alkoholsüchtig, mit ihrer kleinen Karriere – mit einem nichts. Wo ist das Glück?", fragt der "Bild"-Zeitungskolumnist.

Die Trümmerfrauen - wie seine hoch geschätzte Mutter - waren für den Mann, der die ödipale Phase auch im Alter von 71 Jahren noch nicht überwunden zu haben scheint, die letzte Generation an vernünftigen Frauen:

"Sie hatten die Wärme von Tierfrauen, nicht die spitzen Federn von Vögeln. Ihre Männer waren tot oder in Gefangenschaft. Und diese Mütter waren ohne Bahncard, ohne Kreditkarten."

Für die Geschichte, wie er denn die Mutter seines eigenen Kindes kennengelernt hat, findet der Chauvinist besonders rührende Worte:

"Sie hatte eine dicke Freundin dabei, die habe ich angesprochen. Und dann ist die Dicke mit mir einen Kaffee trinken gegangen. So habe ich mich über die Dicke zu der schönen Dünnen vorgearbeitet."

Na, dann: herzlichen Glückwunsch. 

jen
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