Clooney siegt selbst im Schwarzwald

27. Februar 2013, 07:29 Uhr

Am Sonntag einen Oscar von Michelle Obama. Gestern den Deutschen Medienpreis von Ursula von der Leyen. George Clooney ist wirklich ein vom Schicksal Geküsster. Selbst mit Vollbart. Von Ulrike Posche

George Clooney, Deutscher Medienpreis, Baden Baden, Ursula von der Leyen, Schwarzwald

Er schaut etwas skeptisch, aber sieht dabei glänzend aus: George Clooney und der Deutsche Medienpreis©

Als der offizielle Teil vorüber ist, sitzt George Clooney im schwarzen Anzug am Ehrentisch des Restaurants Medici. Es gibt Hummer, Sushi, Lachsscheibchen im Goldmantel. Alles von Sternekoch Harald Wohlfahrt angerichtet, und dazu Armand-De-Brignac-Champagner. Den in der Goldflasche - die Pulle zu 300 Euro, falls es jemanden interessiert. Es soll neuerdings der Celebrity-Champagner Hollywoods sein. George Clooney, 51, hatte ihn sich angeblich gewünscht.

Alle haben etwas verloren - außer Clooney

Und dann, es ging auf 21 Uhr zu, saß der Superstar plötzlich mit seinem Schampus nicht mehr neben der zarten Frau des Gastgebers und Festveranstalters Karlheinz Kögel, 66, sondern zwischen dem früheren Finanzvertriebler Carsten Maschmeyer, 53, und dem früheren Vorzeigejungunternehmer Lars Windhorst, 36. Veronica Ferres saß rückenfrei mit am Tisch, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, schulterfrei, und Thomas Gottschalk, derzeit fernsehfrei. Der frühere "Wetten, dass ..?"-Moderator hatte sich für die Preisverleihung schick in einen Lederanzug geschmissen und sich einen General-Custer-Bart zugelegt. Custer, das war der, der die Schlacht am Little Bighorn gegen Häuptling Sitting Bull verloren hat. Gottschalk verlor bekanntlich gegen den ARD-Vorabend.

Matthias Steiner war auch da. Der Gewichtheber hatte bei den Olympischen Spielen in London gegen seine Hantel verloren und Frisör Udo Walz hatte für alle ersichtlich gegen die Schlankheitskost verloren, für die er im Fernsehen Werbung macht. Jogi Löw war mit seiner Frau erschienen und wirkte dennoch verloren. Günter Netzer kam ebenfalls mit Frau, aber ohne Tochter, was auch ungewöhnlich war, denn die Netzers treten meist als Trifolium auf. Günter, Elvira, Alana. Jeder hatte also auf seine Weise irgendetwas verloren.

Clooney macht Witze - auf seine Kosten

Nur Clooney nicht. Der ist immer Sieger. Selbst im Schwarzwald. Der Medienunternehmer Karlheinz Kögel (Media Control) hat schon viele Weltgrößen mit seinem Keramik-Preis ausgezeichnet. Bill Clinton und Nelson Mandela, Angela Merkel und Anna Netrebko, Helmut Kohl und den Dalai Lama. Alle reisten nach Baden-Baden, um sich die bunte, an einen Clown erinnernde Skulptur abzuholen. Aber niemand hat das Kongresshaus von Baden-Baden je so zum Kreischen gebracht wie der "Sexiest Man Alive". Klar, dass Kögel das in seiner Rede erwähnte.

Clooney, der ein begabter Selbstironiker ist, ein Sich-nicht-wichtig-Nehmer, warf schnell ein, dass das amerikanische Rentner-Magazin "AARP" ihn neulich mit der Zeile "Sexiest Man still alive" auf dem Titel gehabt hätte. Er machte ziemlich viele Witze auf seine Kosten. Er erzählte aber auch von seinem Engagement in der Kriegs- und Krisenregion Darfur, von erkenntnisreichen Reisen in die Wüste, und warum er für den Kaffeekapsel-Produzenten "Nestle" Werbung macht. Er lauschte mit warmherziger Anmutung den warmherzigen Worten der lovely Arbeitsministerin, die neulich in Harvard gewesen war und dort offenbar Inspiration für ihre Rede gesammelt hatte. Er lauschte der 16-jährigen Sängerin Birdy, die mit ihrer Ballade "People Help The People" bereits bei Youtube durch die Decke gegangen war, bevor Kögel sie für Baden-Baden engagierte. Und dann war alles gesagt und gesungen und Kögels illustre Festgesellschaft stöckelte ins benachbarte Restaurant.

Und wo ist eigentlich Brüderle?

"Get together". Dort plauderte Clooney wie gesagt eine ganze Weile lang ziemlich angeregt mit Lars Windhorst und alle Umstehenden fragten sich: Wie kommt ausgerechnet dieser mehrfach in die Grütze gerittene Finanzjongleur an den Ehrentisch? Immerhin war ja auch Miss Germany mit Schärpe im Saal. Oder der frühere Chefredakteur des "Spiegels", der allerlei hübsche Anekdoten aus seiner Zeit als früherer "Spiegel"-Chefredakteur zu erzählen gewusst hätte. Es waren der einstige ZDF-Moderator Johannes B. Kerner zugegen, der geschasste Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der gefallene Russen-Botschafter und Gazprom-Manager Vladimir Kotenev. Es waren die Ex-Doktorin Silvana Koch-Mehrin und Wulffs ehemaliger Sprecher Olaf Glaeseker vor Ort. Lauter brillante Entertainer, wieso also Windhorst?

Nun, möglicherweise hatten sein Kommunikationschef Andreas Fritzenkötter und eine Spende für Clooneys Darfur-Projekt das Schwätzchen möglich gemacht. Der Filmstar finanziert nämlich einen Überwachungssatelliten, der militärische Einsätze und Rebellen-Überfälle in der Darfur-Region des Sudans beobachtet. Vielleicht hatte der sehr nette Herr Kögel aber auch einfach nur gesagt: "Komm, Lars, hock dich dazu."

Zuzutrauen wär's ihm nämlich. Denn Kögel scheint ein Herz für die - sagen wir - ein wenig verglühten Kometen der Republik zu hegen. Auch für die, die gerade den Staatsanwalt am Hals haben. Der ausgemacht nette Herr Kögel sagte in seiner Rede, dass wir "in den Medien eine Empörungskultur der Nichtigkeiten" hätten. Kögel will auf die Wichtigkeiten weisen. Mit Clooney, Hummer und Miss Germany.

Komisch eigentlich, dass Rainer Brüderle nicht da war.

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