Der Jurist aus Baden-Württemberg, der demnächst 60 Jahre alt wird, gehörte jahrelang zum grünen Realo-Flügel. Heute arbeitet er auch für die politischen Gegner von einst.

Rezzo Schlauch in der vergangenen Woche in einer Bar in Stuttgart© Cira Moro
Ach, bei den Grünen ist immer debattiert worden. Nein, ich hab den Schlussstrich gezogen, und ich fühl mich sauwohl dabei. Wenn Sie 25 Jahre an oft entscheidender Stelle mitgewirkt haben, dann ist das lange genug. Klar gab es schöne Momente, aber ich vermisse weder die Grünen noch die Politik. Die Rolle eines Beobachters ist mir genug.
Also, ich muss sagen: Ich kenne bessere Drogen. Manche Politikaussteiger meinen ja, ohne sie gehe nichts und sie müssten noch im Hintergrund Strippen ziehen. Dieses "noch diese Stiftungsstelle, noch jener Entbürokratisierungsjob" ist nicht mein Ding.
Nein, ich arbeite nach wie vor. Ich kümmere mich für die Münchner Kanzlei Mayer und Kambli ...
... um die Finanzierungsmöglichkeiten für Mittelständler. Außerdem bin ich Aufsichtsratsvorsitzender der Spreadshirt AG Leipzig, einer Internet-Company. Als Freelancer bin ich unter anderem für ein Entsorgungsunternehmen tätig. Und ich bin im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv, im Beirat der EnBW...
Ja, aber ich stehe dazu. Ich habe mir die Aufgabe gestellt und die Möglichkeit bekommen, dort das Thema voranzutreiben.
Berührungsängste hatte ich noch nie. Es sei denn, es ist irgendetwas Nationalistisches oder brutal Kapitalistisches. Wer Mauern hochzieht, ist bloß unsicher.
Das sind diese politisch ausgelatschten Argumentationspfade, wo man einem vorhält, was er eigentlich tun müsste. So was nehme ich nicht sehr ernst. Ich war immer jemand, der auch außerhalb der Partei seinen Kopf hatte. Bei dieser inneren Unabhängigkeit half mir, dass ich als Rechtsanwalt schon früher einen spannenden Job hatte, den ich nach der Politik wieder aufnehmen konnte.
Wissen Sie, in den Medien werden Klischees transportiert, die in der Realität oft nicht stimmen. Ich bin in keinem Männerbund. Ich habe noch ein paar Kontakte, und das war’s dann auch.
Ich bin bekannt dafür, dass ich gerne Feste feiere, wenn sie kommen. Ich werde in meinem Haus-Club Zapata in Stuttgart feiern, einem Latino-Club, dem ich früher mal als Anwalt geholfen habe.
Nein, um Gottes willen! Aber ich mag gute Musik und nette Leute, die auch gern feiern. Es sind übrigens inzwischen weniger als zwei Zentner.
Interview: Roman Heflik
Übernommen aus ...
Ausgabe 40/2007
Zur Person Rezzo Schlauch wurde 1947 im
schwäbischen Gerabronn geboren.
Der Sohn eines evangelischen Pfarrers
studierte Jura und arbeitete als
Anwalt. 1982 wurde er in den Landesvorstand
der baden-württembergischen
Grünen gewählt, für die er
von 1984 an im Stuttgarter Landtag
saß.
1994 rückte er in den Bundestag auf, von 1998 bis 2002 war er dort
neben Kerstin Müller Fraktionsvorsitzender
von Bündnis 90/Die Grünen.
2002 wurde er Staatssekretär im
Bundeswirtschaftsministerium unter
Wolfgang Clement. Bei den Bundestagswahlen
2005 trat Schlauch
nicht wieder an. Der begeisterte
Hobbykoch ist verheiratet.