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28. Juli 2007, 10:00 Uhr

"Ich brauche ständig Applaus"

Als er im März in Drogenentzug ging, war die Modewelt schockiert. Galt Marc Jacobs, Chef-Designer bei Louis Vuitton, doch als Alleskönner der Branche. Mit dem stern sprach er über Süchte und Düfte - und die Angst zu versagen Von Dirk van Versendaal

Drei Packungen Zigaretten am Tag, tägliches Workout - der 44-jährige US-Amerikaner hat alte durch neue Exzesse ersetzt© Bryan Bedder/Getty Images

Herr Jacobs, was trinken Sie da?

Grünen Gemüsesaft. Da ist Brokkoli drin, Salat, Gurke, Sellerie, Avocado, Zucchini.

Sieht nicht so lecker aus.

Ist aber gesund. Jeden Tag trinke ich zwei dieser riesigen Gläser. Ich stehe völlig unter der Herrschaft der Reformkost.

Ein paar Kilo mehr auf den Rippen würden Ihnen womöglich gar nicht schaden.

Finden Sie? Ich fühle mich fit und voller Tatendrang. Ich trainiere wie ein Verrückter. Ich mache Yoga, wann immer ich kann, und gehe jeden Tag ins Fitnessstudio. Da mache ich eine halbe Stunde Herz-, Gefäßtraining plus Stretching, anschließend hebe ich zwei Stunden lang Gewichte.

Wollen Sie dem gestählten Giorgio Armani Konkurrenz machen?

Ach, ich kriege einfach gute Laune vom Trainieren. Es setzt Endorphine frei, es aktiviert dieselben Glückshormone, wie Alkohol und Antidepressiva es tun. Wenn ich jogge, fühle ich mich wie Superman. Wenn ich das Training mal ausfallen lassen muss, werde ich sofort launisch.

Ein gesundes Mittelmaß leben – gibt es das nicht für Sie?

So sieht es aus. Ich bin vermutlich in allem, was ich tue, extrem. Sehen Sie, ich habe Alkohol getrunken und Drogen genommen, und es ist offenbar mein Problem, dass ich so etwas nicht maßvoll tun kann. Was dann leider zu Verantwortungslosigkeiten führt. Ich komme zu spät zur Arbeit, ich verpasse meine Flüge, ich stehe morgens nicht auf, ich vernachlässige mich selbst.

In diesem Frühjahr waren Sie zum zweiten Mal in sieben Jahren in einer Entzugsklinik. Wie konnte es so weit kommen?

Ich bin nach Arizona gegangen, weil ich mir geschworen habe, nie wieder meine Arbeit zu vernachlässigen. Ich will erholt aufwachen, vor dem Frühstück mit meinen Hunden Gassi gehen und im Atelier nicht nur körperlich anwesend sein. Es wäre wunderbar, wenn ich mich endlich vernünftig verhalten könnte. Ich wäre gern jemand, der eine Zigarette nach dem Abendessen raucht.

Und, wie viel rauchen Sie wirklich?

Drei Packungen am Tag. Das ist wohl meine Antwort auf das strenge Regiment der Reformkost.

Weshalb, glauben Sie, können einige Menschen ihre Süchte kontrollieren, andere nicht?

Ich denke, dass jede Art von Abhängigkeit eine Überkompensation darstellt. Man leidet an einem Mangel, welcher Art auch immer, vielleicht sogar eingebildet, und dann versucht man, sich auf extreme Weise dafür zu entschädigen. Man schmeißt mit Geld um sich, man tobt sich sexuell aus, nimmt Drogen, isst zu viel oder zu wenig oder verbringt entschieden zu viel Zeit im Fitnessstudio. Was immer man exzessiv betreibt, ist ein Ersatz. So viel zur Theorie.

Und was ist mit der Praxis?

Vermutlich hat mein Verhalten mit Schuldgefühlen zu tun. Doch selbst wenn ich es ganz genau wüsste, es würde nicht viel ändern. Ich rede sehr offen über meine Probleme, aber ich glaube nicht, dass ich sie durch Selbsterkenntnis lösen kann. Viel wichtiger ist doch, dass ich inzwischen weiß, was passiert, wenn ich dieses tue oder jenes lasse. Und ich habe gelernt, mir von Zeit zu Zeit zu sagen, dass ich keine Schuld habe. Wir sind so, wie wir sein sollen. Das Universum macht keine Fehler. Sie sehen, es ging während meiner Zeit in Arizona sehr viel um das Geistige, um den inneren Frieden und Ausgeglichenheit. Wir hatten 65 Stunden in der Woche Therapie. Und das half mir, wieder auf die rechte Spur zu finden.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 30/2007

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
Kalox (29.07.2007, 09:11 Uhr)
rechtschreibung
selten so viele falsch gesetzte bindestriche in einem text gesehen...
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