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4. November 2003, 14:20 Uhr

Jagd auf "Zwergerl"

Neun Männer sind heute da, alle zwischen 20 und 60 Jahren. Die meisten hier stehen auf Jungs, nur ein "Girllover" ist darunter. Reihum erzählt jeder, wie es ihm geht. Gerald, ein schrulliger Mann um die 40, gesteht, dass er einsam sei, an Depressionen leide. Fast nahtlos geht das Thema über auf "Stricher"-Preise, Orte, Modalitäten. Doch das tröstet Gerald nicht - er will keinen Sex ohne Liebe.

Deshalb beneidet er Konrad, der "eine richtige Beziehung" hat. Konrad, ein kleiner Mann mit gekrümmter Nase, Mitte 50, ist stolz auf "seinen" Kleinen, wie er ihn nennt. Er erzählt vom letzten Wochenende mit dem inzwischen zehneinhalbjährigen Julius. Seit beinahe drei Jahren seien sie zusammen.

Nach dem offiziellen Teil geht es in einer anderen Kneipe weiter. Nicht alle sind dabei. Ich setze mich neben Konrad. Der schwärmt von "seinem" Julius, mit dem er seit über zwei Jahren meistens die Wochenenden bei ihm in der kleinen Wohnung verbringt. "Das ist so eine Art Mini-Ehe, was wir da haben", erklärt Konrad. Wie er den Jungen kennen gelernt habe, will ich wissen. Konrad erzählt. Wie er Julius auf einem Spielplatz getroffen hat, der eigentlich das "Revier" eines anderen Pädos war. Wie Julius dann weggeblieben ist und er Tag für Tag die ganze Gegend abgeklappert hat auf der Suche nach dem Jungen. Wie er ihm dann irgendwann doch noch in die Arme gelaufen ist, wie sie zusammen baden gegangen sind und auf der Go-Kart-Bahn waren und er ihn abends immer brav am Spielplatz abgeliefert hat.

Und dann hatte ihm Julius gesagt, dass er mit seiner Mutter gesprochen habe. "Die hat mich gleich für den nächsten Tag zu sich bestellt." Konrad, der einen gewaltigen Bammel vor dieser Begegnung hatte, tischte der Frau die Legende vom eigenen Sohn auf, den er tatsächlich gar nicht hat. "Ich hab ihr erzählt, ich hätte eine gescheiterte Beziehung hinter mir und mein Kind schon lange nicht mehr gesehen, und der Julius erinnere mich so an meinen Sohn. Die hat das sofort verstanden."

Konrad erzählt, ohne Pause. "Die muss sich schon gefragt haben: Was soll denn einer in dem Alter von so einem Kleinen wollen? Aber die hat ja auch ihren eigenen Lebenswandel, immer irgendwelche Liebhaber aus irgendwelchen Kneipen. Einmal, als ich mit dem Julius unterwegs war, hat sie bei mir angerufen und gesagt, ihr Freund schlage in der Wohnung alles zusammen, ob ich die Möglichkeit hätte, den Julius in dieser Nacht bei mir zu behalten." Konrad grinst über das ganze Gesicht: "Ich hatte ein Riesenglück, die hat mir den Jungen regelrecht ins Bett gepackt." Fortan durfte Julius bei Konrad auch immer übers Wochenende bleiben.

 
 
 
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