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4. November 2003, 14:20 Uhr

Jagd auf "Zwergerl"

"Ich habe schon bald im Auftrag der Mama ein Zäpfchen stecken müssen", erzählt mir Konrad. "Ich habe feuchte Hosen gehabt, ohne dass ich da viel tun musste. Nun brauchte ich da aber irgendwann diese Triebabfuhr. Da lag er abends im Bettchen und hat geschlafen. Dann habe ich getestet, so mit Streicheln. Und irgendwann habe ich dann meinen Blödsinn gemacht und habe den armen Jungen befleckt, ohne dass er was gemerkt hat. Das war schlimm, aber geil."

Irgendwann hat ihm das nicht mehr gereicht. "Ich hab dann doch mal in der Dusche zugeschnappt, so: happ!" Konrad macht mit dem Mund eine Bewegung wie ein Fisch, der nach Luft schnappt. Beim gelegentlichen "Happ!" blieb es - bis jetzt. "Ich wollt mir ja gern mal von Anfang bis Ende einen rubbeln lassen, das hat er ja noch nie gemacht." Konrad sagt: "Und irgendwann wird er genagelt, aber da gebe ich noch ein Jährchen zu."

Auf seinem Wohnzimmertisch, mitten im Zimmer, steht der PC. Wenn Julius nicht da ist, geht Konrad online. In speziellen Chat-Rooms ist er Tag und Nacht mit Gleichgesinnten verbunden. Im "Jungs-Forum" zum Beispiel werden Probleme mit Kindern oder der Polizei diskutiert und, wo es geht, sexuelle Erlebnisse beschrieben.

"Wenn die Pädophilen sich im Netz austauschen, müssen sie damit rechnen, dass immer auch Beamte des BKA vor dem Monitor sitzen," sagt Richard Karl Mörbel, Leitender Kriminaldirektor im Bundeskriminalamt. "Wir kommen denen über kurz oder lang auf die Spur, wenn die im Internet ihren Gesinnungsgenossen von ihren Taten erzählen oder Kinderpornografie über das Web hin- und herschicken." Jeder Pädophile hat einen Nickname, den er auch im Internet benutzt, damit ihn die Lauscher der Polizei nicht identifizieren können.

Dass solche Nicknames, "Kater Drollig" oder "Grünbärchen", für die Polizei ein Problem sein sollen, bestreitet BKA-Fahnder Mörbel: "BKA-Beamte lesen mit, wenn in den Pädo-Foren gechattet wird. Die meisten Nicknames können wir zuordnen." Der Arbeitsbereich Internet beim BKA sei inzwischen personell stark aufgestockt worden.

Ich will von Konrad wissen, was er von der sexuellen Selbstbestimmung von Kindern hält. Er ist ehrlich: "Wer weiß schon, was in so einer kleinen Birne vorgeht? Inwieweit kann denn ein Kind damit einverstanden sein? Das reden wir uns hier schön, weil das Kind nicht unbedingt nein gesagt hat. Hat es denn wirklich unbedingt ja gesagt? Ich glaube, wir Pädos sehen das so, wie wir es gerne sehen wollen."

Im Juni dieses Jahres ist Konrad verhaftet worden, als er ein paar Freunde in der Leipziger Straße in Berlin besuchen wollte. Die hatten allerdings gerade wieder einmal kleine Jungs in der Wohnung und waren schon länger von Beamten des Landeskriminalamtes Berlin observiert worden. Konrad ist mitten in den Zugriff hineingelaufen. Vor dem Haus packten zwei Zivilbeamte den Frührentner unter den Armen und legten ihm Handschellen an.

Schon am nächsten Tag war Konrad wieder frei. Die LKA-Beamten haben Julius einvernommen und die Mutter befragt. Eine Art Missverständnis, hat Konrad ihr gesagt. Er habe dem Jungen nur den Bauch massiert und sei "halt mal dagegen gekommen". Deshalb konnte sich Konrad mit ihr arrangieren. Hat inzwischen mit ihr und dem Kleinen einen Ausflug nach Hamburg gemacht. "Für den Stress hat Muttern ein neues Kleid gekriegt, und jetzt ist alles wieder okay", freut sich Konrad. In ein paar Wochen soll der Prozess gegen ihn und die anderen Männer beginnen.

Einige der Männer, die im Juni in der Leipziger Straße festgenommen wurden, hatte ich schon im Frühjahr kennen gelernt. Der Kontaktmann, der für mich bürgte, war Konrad. Konrad hatte mir erzählt, dass die Männer zu einem von drei Berliner Pädophilen-Zirkeln gehören und Kindersexpartys veranstalten, "die machen da so Flaschendrehen und Strip-Poker". Richtige Mini-Orgien spielten sich da ab. Ihm selbst sei das allerdings zu heiß, "da sind dann mehrere Jungs, alles Plappermäuler, das kann ganz schnell kippen".

An einem Sonntagabend besuchen wir Zac in seiner Wohnung. Zac ist gut eins-achtzig groß und hat seine kurzen Haare blond gefärbt. Auch Sascha und Stefan sind da. Als ich mit Konrad eintreffe, sehen sie sich gerade Fotos auf dem PC an - Kinder auf dem Rummelplatz, Eindrücke vom Wochenende. "Zac ist clever", hatte mir Konrad gesagt, "sobald der einen Jungen kennen gelernt hat, hat der auch den Kontakt zu den Eltern gesucht. Die Eltern waren nach den Gesprächen mit Zac überzeugt, dass er die Kinder tatsächlich unterrichtet."

Zac, der "Boylover", der so schlau mit Eltern umgehen kann, verrät mir seine "Alien-Masche": "Ich habe den Jungs aufgetischt, dass ich ein Außerirdischer bin, und um die Menschheit zu retten, brauche ich halt einen Jungen und ein Mädchen. Bei dem Mädchen war es sowieso klar, bei dem Jungen musste ich gucken, ob es echt ist, könnte ja auch abfallen, wa?" Ich verstehe nicht, worauf er hinaus will.

Zac simuliert ein Kontaktgespräch: "Was, du bist ein Junge? Das glaube ich dir nicht! Sagt der Junge: Doch, ich bin ein Junge. Darauf ich: Das musst du aber beweisen! Darauf der Junge: Ja, guck doch mal, ich habe ganz kurze Haare! Nee, sag ich, die hast du gerade abgeschnitten!" Schließlich, erzählt Zac, muss das Geschlecht überprüft werden. Er demonstriert, wie der Junge die Hose auszieht. "Darauf sag ich: Der ist doch nicht echt, hey, das muss ich noch mal prüfen! Das funktioniert immer." Die Runde amüsiert sich köstlich.

Die Tricks der Pädophilen, mit Kindern in Kontakt zu kommen, sind vielfältig und auf die Jahreszeit abgestimmt. Der Sommer ist ideal. Meist ziehen dann mehrere Männer gemeinsam los, in Schwimmbäder oder an die Ufer der Seen im Berliner Umland. "Erst mal muss man in so einem Bad die ganzen Leute da abchecken", sagt Konrad, "die Familien, da muss man wissen, wer zu wem gehört. Dann tut's der alte Getränke-Trick: Kommen Jungs vorbei, mache ich die Kühlbox auf und hole kalte Colas raus. Ich frage, wer eine Flasche haben will, weil ich keinen Bock habe, das alles wieder mit nach Hause zu schleppen." Daneben hat jeder Pädophile seine Standardausrüstung dabei: eine Tasche Spielsachen, Tischtennis- und Federballschläger, Bocciakugeln oder Frisbee-Scheiben.

In Zacs Wohnung komme ich mit Sascha ins Gespräch. Er ist Informatiker, Anfang 40. Ein schüchterner Mann von schmaler Statur. Er war lange in der Pädophilen-Organisation "Krumme 13" aktiv, die mehr Rechte für Pädophile fordert. Sascha hat in einem Plattenbau an der Leipziger Straße eine Zweizimmerwohnung. Es ist die Wohnung, die im Juni dieses Jahres von der Polizei gestürmt worden ist. Bevor das LKA anrückte, war ich dort. Als ich die Klingel drücke, meldet sich über die Sprechanlage eine müde Kinderstimme: "Hallo." Ich sage, dass ich zu Sascha will.

Die müde Stimme gehört Felix, den ich oben treffe. Felix ist ein zerbrechlich wirkender blonder Junge von 13 Jahren. Er ist der "Kleine" von Floh, einem Informatiker, der aus Wien stammt. Als Felix jünger war, war er der BF, der "Boyfriend", von Erwin, einem Englischlehrer, dem ich ebenfalls schon begegnet bin. Der hat ihn an Floh abgegeben.

Die Wohnung ist spärlich eingerichtet. Ein Hamsterkäfig steht im schmalen Flur, unter den Garderobenhaken. Die kleine Küche ist einfach eingerichtet - Herd, Kühlschrank, Spüle, Tisch, zwei Stühle. Die zwei Zimmer der Wohnung sind mit Matratzen ausgelegt. Abgesehen von einem kleinen Couchtisch und zwei Sesseln die einzigen Möbel im Apartment. Und natürlich stehen mehrere PCs in jedem Zimmer, neben den Matratzen.

Felix sitzt auf dem Schoß von Floh, der offenbar Marihuana raucht. Auch die Kids dürfen ab und zu ein paar Züge nehmen. Fünf Jungs sind an diesem Wochenende zu Gast. Toni, neun Jahre alt, Leon und Kevin, beide elf, und Sandro und Felix, bereits 13. Toni ist ein hübscher Junge, so, wie ein "Boylover" sich das wünscht: schlank, lange Beine, samtige Haut und schöne Augen. "Toni ist das Nesthäkchen hier", sagt Informatiker Sascha. Die Kinder kommen schon seit über einem Jahr in die Wohnung der Pädophilen.

 
 
 
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