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9. Januar 2012, 11:08 Uhr

Hähnchen häufig mit Antibiotika-Keimen belastet

Hähnchenfleisch aus Supermärkten enthält laut einer Stichprobe der Umweltorganisation BUND vielfach Antibiotika-resistente Keime, die für Menschen schädlich sein können. Zehn von zwanzig Proben waren verseucht.

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Vollgepumpt mit Antibiotika: Selbst gesunde Hähnchen würden in der industriellen Tierhaltung Arzneimittel bekommen© Andreas Gebert/DPA

Hähnchenfleisch aus den Regalen deutscher Supermärkte und Discounter ist nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) zu großen Teilen mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Bei Stichproben seien auf jeder zweiten Probe Keime gefunden worden, teilte der BUND am Montag in Berlin mit. Diese entstünden, weil in der industriellen Tierhaltung große Mengen Antibiotika eingesetzt würden. Die gefundenen Keime könnten bei anfälligen Menschen zu schweren und sogar lebensgefährlichen Erkrankungen führen, wegen ihrer Resistenz aber nicht mehr wirkungsvoll mit Antibiotika bekämpft werden.

Auf zehn von 20 Stichproben, die in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und im Raum Stuttgart gekauft wurden, fanden sich laut BUND die Keime. "Das ist die erschreckende Folge des fortgesetzten Antibiotika-Missbrauchs", kritisierte der BUND. Dieser sei dafür verantwortlich, dass wichtige Medikamente ihre lebensrettende Wirkung verlieren könnten.

Die Kontamination von Lebensmitteln mit den gefährlichen Keimen sei ein "Warnsignal" vor den "Kollateralschäden der industriellen Tierhaltung", erklärte der Verband. "Hähnchen, Hühner, Schweine und Kälber leiden millionenfach unter inakzeptablen Haltungsbedingungen und erkranken daran", erklärte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. Bekämen sie keine Antibiotika verabreicht, hielten sie in vielen Fällen nicht bis zum Schlachten durch. Selbst gesunde Tiere bekämen Antibiotika, weil in der industriellen Tierhaltung in der Regel gleich ganze Tierbestände behandelt würden.

Haltungsbedingungen müssen verbessert werden

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) müsse handeln und die industrielle Tierhaltung zurückdrängen, forderte der BUND. Subventionen für die industrielle Fleischerzeugung müssten abgeschafft und die Haltungsbedingungen für Nutztiere deutlich verbessert werden. Handelsketten und Supermärkte müssten mit Keimen belastetes Fleisch aus ihren Regalen verdammen, forderten die Umwelt- und Naturschützer. Gleichzeitig müssten sie Druck auf ihre Fleischlieferanten ausüben, damit diese zu Tierhaltungsformen ohne Antibiotika-Missbrauch übergingen.

Laut einer Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums Nordrhein-Westfalen wurden in dem Bundesland von Februar bis Juni vergangenen Jahres 96,4 Prozent der untersuchten Tiere mit Antibiotika behandelt. Landesverbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) warf den Züchtern vor, sie setzten die Medikamente zum Wachstumsdoping oder zum Gesundheitsdoping ein.

kave/AFP
 
 
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