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22. Mai 2008, 06:59 Uhr

Drogen, Suff und keine Zukunft

Schimmlige Tische, leere Bierfässer, abgewrackte Häuser: Szenen aus der Sozialbausiedlung in Rastede. Hier lebte Nikolai H., der mutmaßliche "Holzklotzteufel" von der A 29. Dass er Drogen nahm und jede Menge trank, wussten seine Nachbarn und Freunde - aber von der Tat ahnten sie nichts. Von Malte Arnsperger, Rastede

Tatort und Täter: der mutmaßliche Holzklotzwerfer Nikolai H. auf der Brücke über der A 29 bei Oldenburg© RTL Television/Hamburg on air Inken Ramelow

Andreas K. kramt eine Zigarette aus seiner weiten hellen Trainingshose, zündet sie an und stützt sich gedankenverloren auf sein Fahrrad. Der untersetzte Mann mit den blonden kurzen Haaren zieht lange an der Zigarette, blickt ins Leere. Andreas K. kann es nicht fassen, was er vor wenigen Stunden in den Nachrichten gehört hat.

Sein alter Kumpel Nikolai H. soll ein Mörder sein. Nicht irgendein Mörder. Nikolai soll der "Holzklotz-Teufel" von Oldenburg sein. Seit mehr als zehn Jahren kennen sich die beiden Aussiedler, hatten einen gemeinsamen Freundeskreis, waren oft zusammen abends unterwegs. Nun sitzt Nikolai H. in Untersuchungshaft.

Der 30-jährige Deutsch-Kasache hat gestanden, an Ostern den Klotz von einer Autobahnbrücke der A29 geworfen zu haben. Das Holz hatte ein Auto getroffen und die 33-jährige Olga K. getötet. Vor den Augen ihrer beiden Kinder und ihres Mannes.

"Ich hätte nie gedacht, dass Nikolai so was tun könnte", sagt Andreas K. Mit seinem Fahrrad steht der 26-Jährige vor einem einstöckigen U-förmigen Haus. In diesem dreckig-beigen Gebäude hat bis vor wenigen Stunden sein Freund Nikolai gewohnt. Es ist Teil einer kleinen Sozialbausiedlung im niedersächsischen Städtchen Rastede, nur wenige Kilometer nördlich von Oldenburg. 20.000 Einwohner hat die Gemeinde, gut 9000 davon leben in Rastede selber.

In der Nachbarschaft von "Herrn H."

In den vier barackenähnlichen Häusern gibt es rund zwei Dutzend Wohnungen, hier leben größtenteils Sozialhilfeempfänger. Die kleinen Vorgärten verraten viel über ihre Einwohner. Mal stehen dort kaputte Plastikstühle neben einem vermoosten Sofa, mal ein leeres Bierfass auf einem schimmligen Tisch. Staubige Wege verbinden die heruntergekommenen Behausungen.

Einer führt auch zu der Wohnung 45 E. Auf dem Klingelschild steht "Herr H.". Speckig-weiße Vorhänge hängen vor den Fenstern der Wohnung von Nikolai H. Auf der kleinen Wiese davor steht ein Holztisch, darauf liegt ein Haufen grünen Bestecks, vier rote Eisenstühle stehen rundherum. Wenn Nikolai H. aus seiner Tür trat, blickte er auf Felder, Wiesen und einen Wald. Doch idyllisch war das Leben in dieser traurigen Siedlung wohl nicht.

Stefan M. und Daniel C. stehen auf der Wiese in der Mitte der Trostlosigkeit. Die beiden Hartz-IV-Empfänger wohnen zusammen im Nachbarhaus. Sie geben mit ihrer Erscheinung und ihren Worten Auskunft über die Lebensumstände, in denen der mutmaßliche Holzklotz-Mörder die vergangenen Jahre verbracht hat.

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