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5. Mai 2010, 10:55 Uhr

Schreiber zu acht Jahren Haft verurteilt

Wegen Steuerhinterziehung hat das Augsburger Landgericht den früheren Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber zu acht Jahren Haft verurteilt. Von Korruptionsvorwürfen wurde er aber freigesprochen.

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Verurteilt wegen Steuerhinterziehung: Ex-Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber© Jörg Koch/DDP

Das Landgericht Augsburg hat den ehemaligen Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber am Mittwoch wegen Steuerhinterziehung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 76-Jährige von 1988 bis 1993 insgesamt 7,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat. Von den Vorwürfen der Beihilfe zum Betrug, Beihilfe zur Untreue und Bestechung sprach die Kammer Schreiber allerdings frei.

Auch für den von der Staatsanwaltschaft neu erhobenen Vorwurf der Vorteilsgewährung wegen einer Schmiergeldzahlung an den früheren Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls (CSU) verurteilte das Gericht Schreiber nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte für Schreiber neuneinhalb Jahre Haft gefordert. Dessen Verteidiger hatten dagegen auf Freispruch plädiert. Der Korruptionsvorwurf sei verjährt und Schreibers Steuerpflicht in Deutschland umstritten, weil er auch in Kanada Pass, Wohnsitz und Unternehmen gehabt habe. Für den Fall einer Verurteilung hatte die Verteidigung eine Höchststrafe von höchstens drei Jahren und acht Monaten Haft als zulässig erachtet.

Urkunden belegen die Steuerhinterziehung

Das Urteil stützt sich nach Angaben des Gerichts auf Urkunden, die nicht den geringsten Zweifel an der Steuerhinterziehung durch Schreiber ließen. Der 76-Jährige sei der wirtschaftlich Berechtigte für zwei Scheinfirmen in Liechtenstein und Panama gewesen. Das gehe eindeutig aus Unterlagen und Konto-Vollmachten hervor. "Zahlreiche Barabhebungen durch Schreiber sind urkundlich bewiesen", sagte der Vorsitzende Richter Rudolf Weigell in der Urteilsbegründung.

Schreibers Angaben, wonach ein kanadischer Geschäftsmann steuerlich Verantwortlicher für die Firmen und Konten war, ließ das Gericht nicht gelten. "Das ist eine Schutzbehauptung, die nicht stimmen kann", sagte Weigell. Der Kanadier habe nachweislich mit mehreren Transaktionen Schreibers nichts zu tun gehabt. Darunter fällt die Millionenspende an die CDU, die Schreiber 1991 dem damaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep in der Schweiz überreichte. Schreiber gilt als Schlüsselfigur der CDU-Parteispendenaffäre, die vor zehn Jahren den Sturz des damaligen Vorsitzenden und heutigen Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble auslöste.

In den Jahren 1988 bis 1993 soll Schreiber für Flugzeug und Panzergeschäfte nach Thailand, Kanada und Saudi-Arabien rund 64,7 Millionen Mark (33,1 Millionen Euro) Provisionen erhalten und nicht versteuert haben. Dies hatte Schreiber bis zuletzt bestritten. Wegen der Vorwürfe liefen in Augsburg seit 15 Jahren Ermittlungen gegen Schreiber. Erst im August vergangenen Jahres wurde der aus dem bayerischen Kaufering stammende Geschäftsmann nach einem zähen Auslieferungsverfahren aus seiner Wahlheimat Kanada nach Deutschland überstellt. Seit Januar stand er in Augsburg vor Gericht.

AFP/DPA/Reuters/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Administrator (05.05.2010, 14:33 Uhr)
Liebe User,
wir haben wieder einige unsachliche und beleidigende Kommentare gelöscht.

Da eine sachliche Diskussion an dieser Stelle offensichtlich nicht möglich ist, schließen wir die Debatte.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
gunsha (05.05.2010, 13:43 Uhr)
Schreiber acht Jahre Haft : Warum?
Da müsste manch einer noch viel Länger hinter Gitter! Der Schaden, der von Schreiber ausgegangen ist, ist doch nur eine Fraktion von dem, was heute abläuft!
gunsha (05.05.2010, 13:40 Uhr)
Schreiber zu acht Jahren Haft verurteilt: Warum?
Da müsste manch einer noch viel Länger hinter Gitter! Der Schaden, der von Schreiber ausgegangen ist, ist doch nur eine Fraktion von dem, was heute abläuft!
traldors (05.05.2010, 13:30 Uhr)
Fazit:
Schreiber kriegt erst einmal "Höchststrafe", geht in Revision, wird auf 2 Jahre runtergehandeln und dann ein freier Mann sein, weil seine bisherige Haft darauf angerechnet wird.
Alle sind glücklich, besonders die in Berlin...
undueberhaupt (05.05.2010, 13:23 Uhr)
Schreiber...
....heißt nicht Strauß, sonst hätte er einen auf doof gemacht, und wäre freigesprochen worden.
Administrator (05.05.2010, 13:22 Uhr)
Liebe User,
An dieser Stelle haben wir einige Kommentare gelöscht. Da wir Diskussion nur ungern schließen möchten, bitten wir Sie noch einmal, sachlich zu bleiben.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
Lazarus09 (05.05.2010, 13:17 Uhr)
Sehr dubios und interessant zugleich ...
Ich frage mich wieviel er nun echt absitzen muss ...bestimmt laesst die angegriffene Gesundheit oder irgendwas wird schon vorgeschoben den Herr Schreiber schnell wieder in der Versenkung verschwinden .
Ende und Sinn vom Lied sind die Persilscheine ...interessant
Preston (05.05.2010, 13:16 Uhr)
ein weiteres Beispiel, wie korrupt unsere Justiz ist
neulich wurde gegen den Arzt, der letztes Jahr die illegale "Drogentherapie" durchführte (bei der zwei Leute starben) 8 Jahre Haft wg. schwerer Körperverletzung mit Todesfolge beantragt.
Das Pikante daran: die Patienten wußten, daß sie verbotene Substanzen nahmen.
Der Arzt, der dem afrikanischen Drogendealer das Brechmittel (gegen dessen Willen, mit Gewalt) einflößte, bis er starb - wurde dagegen FREIGESPROCHEN.
Wie heißt es so schön in "Animal Farm":
alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher...
whismerh2 (05.05.2010, 12:47 Uhr)
Steuerhinterziehung ohne Korruption ?
in diesen Kreisen, bei diesen Geschäften,
wer soll dann das bitte schön glauben,
aber immerhin 8 Jahre, bezweifele das er dieses voll absitzt, denn wenn, dann plaudert der Kollgee richtig.
Korroptionsvorwürfe nicht haltbar, mal wider der Witz des Tages, bin immer wieder amusiert, für wie dooof man doch eigentlich gehalten wird.
Medienbeobachter (05.05.2010, 12:34 Uhr)
Bitte nicht an die große Glocke hängen
Es ist erstaunlich, wie schnell die Meldung "Acht Jahre Haft für Karlheinz Schreiber" in den verschiedenen Medien nach unten gerückt ist. Von der Position Eilmeldung, ganz oben, in teilweise nicht einmal 15 Minuten in die Rubrik Politik (vgl. FTD). Mal schauen, ob die Geschichte bis morgen dann ganz unter den Teppich gekehrt wird.
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