Ötzi hatte schlechte Zähne

9. April 2013, 17:16 Uhr

Karies und Parodontitis sind so alt wie die Menschheit: Neue Untersuchungen von Ötzi haben ergeben, dass der "Gletschermann" ein krankes Gebiss hatte.

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Da darf man schon mal schlechte Zähne haben: "Ötzi" ist 5300 Jahre alt©

Zahnärzte hätten schon in der Jungsteinzeit gut zu tun gehabt. Ähnlich wie heutige Menschen plagten Ötzi vor mehr als 5000 Jahren Karies und Parodontitis. Obendrein war einer seiner Frontzähne - vermutlich unfallbedingt - abgestorben, wie Forscher vom Zentrum für Evolutionäre Medizin (ZEM) der Universität Zürich nachweisen konnten.

An der Gletschermumie hätten sich "erstaunlicherweise zahlreiche, auch heutzutage noch weit verbreitete Erkrankungen an den Zähnen und dem Zahnhalteapparat" gezeigt, sagte Professor Frank Rühli, der Leiter der Studie, zu den am Dienstag veröffentlichten Untersuchungsergebnissen. Sie würden interessante Hinweise geben auf das Ernährungsverhalten des Mannes aus dem Eis und zur Evolution von medizinisch bedeutenden Zahnkrankheiten.

Abschleifende Nahrung ersetzt Zahnbürste

Obwohl seit mehr als 20 Jahren an der berühmten Mumie geforscht wird, waren die Zähne kaum beachtet worden. Der Zürcher ZEM-Dentist Roger Seiler sowie Forscherkollegen in den USA und Italien werteten computertomographische Daten zum Gebiss der Gletschermumie aus. "Der Schwund des Zahnhalteapparates war schon immer eine sehr häufige Erkrankung, wie Schädelfunde aus der Steinzeit oder die Untersuchung ägyptischer Mumien zeigen", sagte Seiler. Ötzi erlaubt uns einen speziell guten Einblick in eine solch frühe Form dieser Erkrankung."

Dreidimensionale Rekonstruktionen von Gebiss und Mundhöhle zeigten, wie sehr der "Gletschermann" unter einer fortgeschrittenen Parodontitis litt. Vor allem im Bereich der hinteren Backenzähne fand Seiler einen Verlust des parodontalen Stützgewebes, der beinahe die Wurzelspitze erreichte. Zwar habe Ötzi wohl kaum seine Zähne geputzt. Die abschleifende Nahrung hatte den Experten zufolge jedoch viel zur Selbstreinigung beigetragen.

Von Karies und Kauunfällen

Parodontitis wird auch mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in Zusammenhang gebracht. Frühere Untersuchungen Ötzis hatten bereits gezeigt, dass er unter Arterienverkalkung litt. Die Karies, die bei der Mumie festgestellt wurde, führen die Forscher hingegen auf eine sehr stärkehaltige Nahrung wie Brot und Getreidebrei zurück. Diese sei durch den aufkommenden Ackerbau in der Jungsteinzeit vermehrt konsumiert worden.

Ötzis unfallbedingte Zahnschäden zeugten wie seine anderen Verletzungen vom rauen Leben in jener Zeit, erklären die Forscher. "Ein Frontzahn ist durch einen Schlag abgestorben - die Verfärbung ist noch deutlich sichtbar und ein Backenzahn hat wohl durch einen Kauunfall, vielleicht ein Steinchen in Getreidebrei, einen Höcker verloren."

Ötzi gilt als älteste Feuchtmumie der Welt. Seit der Entdeckung im Jahre 1991 in den Ötztaler Alpen in Südtirol sind die gut erhaltenen Überreste Gegenstand zahlreicher Untersuchungen.

awö/jho/DPA
 
 
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