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8. Mai 2008, 11:17 Uhr

"Die Situation ist katastrophal"

In Myanmar sind vermutlich mehr als 100.000 Menschen durch den Zyklon "Nargis" getötet worden. stern.de sprach mit Alexander Richter von den Johannitern kurz vor seinem Abflug in die Krisenregion, wie die Hilfe am besten organisiert werden muss und was vor Ort zu tun ist.

Erschöpfte und verzweifelte Menschen warten in Rangun auf Hilfe© Jens Dresling/AP

Herr Richter, Sie sind gerade auf dem Weg nach Myanmar. Was können Sie vor Ort ausrichten?

Wir sind die Augen und Ohren der Aktion "Deutschland Hilft". Wir müssen erkunden, was überhaupt benötigt wird. Ob es Planen, Moskitonetze oder auch Medikamente sind. Wir wissen fast gar nichts - lediglich das, was über die Presse und unsere Kontakte vor Ort durchsickert. Auch beim Tsunami in Thailand wurde erst ein Erkundungstrupp vorgeschickt, um die Lage zu sondieren.

Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen? Was machen Sie, wenn sie am Flughafen ankommen?

Das ist sehr schwer zu sagen, denn diese Katastrophe ist kaum mit anderen aus der Vergangenheit vergleichbar. Die Regierung lässt derzeit noch sehr wenig Hilfe von Außen zu. In der Vergangenheit lief es bei Großkatastrophen immer so, dass am Flughafen eine Sammelstelle für die Hilfsorganisationen eingerichtet worden ist. Da hat man sich angemeldet und zusammen die Bedürfnisse eruiert. In den vergangenen Jahren ist ein sehr gut funktionierendes und internationales System entstanden, das schnell und umfassend Hilfe bereitstellen kann.

In Myanmar hat die Regierung bislang nur wenig Interesse an dieser Hilfe gezeigt. Erst vor wenigen Stunden hat sie der UN erlaubt, Hilfe einzufliegen.

Wir hoffen, dass die Regierung durch den internationalen Druck verstärkt Hilfe von Außen zulässt. Unsere Partner vor Ort erzählen uns, dass die Lage katastrophal ist. Die Bestände an Hilfsmaterialien sind beschränkt und werden schnell aufgebraucht sein, wenn von Außen nichts hereingelassen wird. Deshalb muss die Regierung die Grenzen öffnen. Das was bislang ermöglicht wurde, reicht bei weitem nicht aus.

Haben Sie Kontakt zu Regierungsvertretern?

Meines Wissens haben wir überhaupt keinen Kontakt. Das ist deshalb auch eine wichtige Aufgabe vor Ort. Die Regierung muss uns sagen, was gebraucht wird, was wir organisieren müssen.

Wie schnell kann ein Hilfskonzept stehen?

Es kommt darauf an, was gefordert ist. Wenn zum Beispiel Baumaterialen notwendig sind, müssen die erst organisiert werden. Bei Dingen, die bereits vorhanden sind, ist es viel einfacher. Einige Organisationen haben ganze Feldlazarette auf Lager, die könnten binnen zwei bis vier Tagen eingeflogen und aufgebaut werden.

Welche Probleme müssen am dringensten gelöst werden?

Das Irrawaddy-Delta war die Reiskammer des Landes - dort wird drei Mal pro Jahr geerntet. Jetzt ist die Fläche mit Salzwasser überschwemmt. Anpflanzen ist bis auf weiteres nicht mehr möglich. Wie schlimm es aber wirklich ist, können wir erst sagen, wenn wir uns einen Eindruck vor Ort verschafft haben. Darüber hinaus beginnt jetzt die Regenzeit, die im Juni und Juli ihren Höhepunkt erreichen wird. Die obdachlosen Menschen müssen vor diesem Regen geschützt und mit Nahrung und Trinkwasser versorgt werden.

Wie kann man eine Millionen Menschen schnell versorgen und in Sicherheit bringen?

Das Flüchtlingshilfswerk der UN, das UNHCR, ist da sehr gut aufgestellt. Es müssen sehr schnell einfache Zelte her. Auch hier hängt alles an der Regierung: Die Grenzen müssen jetzt geöffnet werden, damit die Hilfe ins Land kommen kann.

Wie hoch ist die Gefahr von Seuchen? In den überschwemmten Gebieten schwimmen immer noch unzählige Leichen auf dem Wasser.

Die Seuchengefahr geht nicht von den Leichen aus, sondern vom Mangel an sanitären Anlagen und von verschmutztem Trinkwasser. Wenn ein Mensch einen Virus in sich trägt, wird dieser bei einer solchen Katastrophe sehr viel schneller verbreitet, als unter normalen Umständen. Wie hoch die Gefahr in Myanamar wirklich ist, kann von Deutschland aus aber noch nicht beurteilt werden. Sicher ist: Angesichts der Umschwemmungen und der beginnenden Regenzeit wird die Malaria-Gefahr deutlich zunehmen.

Interview: Marcus Gatzke
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
utospatz (09.05.2008, 13:40 Uhr)
Ein jeder Schreiberling in
in diesem Forum finanziert mit seinen Steuercent's eine unfähige Weltorganisation.
Notwendig wäre, dass Russland, China und USA ein jeder ein Battallion Scharfschützen in dieses Land entsendet, um syphilitische Militärs erst mal zu eliminieren, damit in einem solchen Fall den Ärmsten der Armen zuerst geholfen werden kann!
Wen juckt es dann schon, dass einem hirnlosen, syphilitischen Oberidioten per Scharfsachütze das Hirn das er nicht hat, weggeblasen wird?
paulmaz (08.05.2008, 20:40 Uhr)
Kompliment
Wenn mam sich so die ständig erneu-
erten "Berichte" durchliest, auch
die im "Stern", kann man nur sagen,
Kompliment, die Propaganda Maschine-
rie läuft wie geschmiert. Da sind
echte Profis am Werk. Was mich aller-
dings wundert ist, dass man noch
nicht auf die Idee gekommen ist, die
Militärs als Verursacher des Zyklons
anzuprangern. Mit Sicherheit würden
das viele Menschen glauben. Die ha-
ben doch auch geglaubt, dass Mönche
wegen Benzinpreiserhöhung auf die
Straße gehen. Mussten die auch. Das
Fahren in ihren Sportwagen wäre sonst
nicht mehr zu bezahlen gewesen.
fixsternchen (08.05.2008, 17:17 Uhr)
unglaublich
Wann wird endlich diese Militärclique weggefegt? Deren Verhalten ist blanker Zynismus angesichts des Leids in der Bevölkerung.
Und weder Gott noch Allah noch Buddha lassen sich blicken...
albundy69 (08.05.2008, 17:07 Uhr)
Zum Wohle der Menschen ?
Der nette Herr Richter und der nette Herr Steinmeier wollen mit aller Macht INS LAnd hinein. Dort, im Land stehen Polizei, Armee und Hilfsdienste aus Myanmar bereit, die die Hilfsgüter auf dem Flughafen Ranggun gerne in Empfang nehmen und in einer ununterbrochenen Staffel gerne ins Land hinein transportieren würden: Auch der Faktor menschliche Arbeitskraft dürfe kein Thema sein. Es geht den Hilfswerken aber nicht nur um Hilfe, es geht darum einen Fuss in die Tür zu bekommen, hineinzudrängen und das Land weiter zu destabilisieren. Ohne Hintergedanken sei an eingeschleuste Agenten, Krankheitsträger unter den Helfern und wie verschiedentlich zu lesen war pädophile und sexüchtige "Freiwillige" die Schande über eine weitgehend autark und autonom lebende Landbevölkerung bringen könnten. Man bringe die Hilfsgüter (Dank im Voraus) nach Ranggun, oder wo immer sie übergeben werden können, und überlasse den offiziellen Stellen Myanmars die Verteilung dieser Güter.
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