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29. April 2010, 14:43 Uhr

Schwerer Schlag für schwere Jungs

Äxte, Pistolenmunition und 28 beschlagnahmte Bankkonten. Das ist die Bilanz einer Razzia bei den Hells Angels und Bandidos. Jetzt wurden die Gruppen verboten. Am Ende sind sie aber noch nicht. Von Manuela Pfohl

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Polizisten montieren am Donnerstag das Schild am Treffpunkt der Hells Angels in Flensburg ab© Stefan Hansen/DPA

Manchem der zornigen Rocker dürfte das Blut in den Adern gefroren sein, als am frühen Donnerstagmorgen die Nachricht kam: In Schleswig-Holstein, dem nördlichsten Bundesland, wird's nun eng für die verfeindeten Rockerbanden Hells Angels und Bandidos. Innenminister Klaus Schlie (CDU) hat den Ortsverein (im Jargon: "Charter") der Hells Angels in Flensburg und den Ortsverein der Bandidos (im Jargon: "Chapter") in Neumünster verbieten lassen. Mit sofortiger Wirkung.

Die Entscheidung ist ein Paukenschlag in der Auseinandersetzung des Staates mit den Rockergruppen. Diese stellten sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung, hieß es zur Begründung aus Schlies Ministerium, ihr Zweck sei es, kriminelle Macht zu entfalten, Gebietsansprüche gegen die Konkurrenz mit Waffengewalt durchzusetzen. Und außerdem begingen sie ständig Straftaten. Nach dem schon 1983 ausgesprochenen Verbot der Hells Angels in Hamburg und dem 2001 erteilten Verbot der Hells Angels in Düsseldorf macht nun auch Schleswig-Holstein ernst mit der Zerschlagung der umstrittenen Gruppen im Norden.

"Krankes Verständnis von Stolz und Macht"

Am Donnerstagmorgen ab sieben Uhr untersuchten rund 300 Polizeibeamte, darunter das Spezialeinsatzkommando (SEK), zehn Wohnungen von Vereinsmitgliedern und Vereinsheime in Flensburg und Neumünster sowie in der näheren Umgebung beider Städte. Die vorläufige Bilanz: Etliche Kutten, diverse Hieb- und Stichwaffen, wie Äxte, Beile und Messer, sowie 50 Schuss Pistolenmunition und zwei Pistolenmagazine wurden sichergestellt. Außerdem wurden 28 Bankkonten beschlagnahmt. Wieviel Geld sich darauf befindet, ist nach Polizeiangaben noch nicht ausgewertet.

In den Verbotsverfügungen die die Beamten am Morgen 17 Mitgliedern der "Bandidos" und 12 Mitgliedern der "Hells Angels" in die Hände drückten, konnten die völlig überraschten Rocker lesen, dass sie ihre Kutten künftig an den Nagel hängen sollen. Aber nicht nur das: Das Verbot bedeutet auch, dass keine Ersatzorganisation gebildet werden darf, Kennzeichen der Vereine dürfen in der Öffentlichkeit nicht mehr getragen werden - und auch das Vermögen der Vereine wird beschlagnahmt und eingezogen. Wer sich nicht an das Verbot hält, muss mit einer Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr rechnen.

Schlie hob auch den psychologischen Effekt des Verbots hervor. Verbotene Rockerclubs könnten sich nun nicht mehr länger als mächtige Organisationen in der Öffentlichkeit präsentieren. "Das tut diesen Leuten weh, weil der martialische Auftritt wesentlicher Inhalt ihres kranken Verständnisses von Stolz und Macht ist", sagte der Minister.

Gehen die Kämpfe jetzt erst recht los?

Trotz der drastischen Maßnahmen bezweifeln Insider, dass den Rockern mit dem Verbot wirklich beizukommen ist. Auch Schlie selbst warnt vor überzogenen Erwartungen. "Wir können trotz der Vereinsverbote nicht ausschließen, dass es weiter gewalttätige Auseinandersetzungen im kriminellen Rockermilieu geben wird", sagte er.

Die Verbote treffen Hells Angels und Bandidos zudem unterschiedlich schwer. Denn im Gegensatz zu den Bandidos, die in Schleswig-Holstein nur einen einzigen Chapter haben, verfügen die Hells Angels im Bundesland über sechs Charter. Es sei ganz klar, dass die Mitglieder des jetzt verbotenen Flensburger Charters sich einfach in die verbliebenen anderen Hells Angels-Charter integrieren würden, heißt es aus der Szene. Skeptiker innerhalb der Polizei fürchten zudem, dass das Verbot beide Clubs erst recht aufstacheln wird. Denn nun gingen die territorialen Verteilungskämpfe mit neuer Härte los.

Bandidos-Chef vorläufig festgenommen

Die Feindschaft zwischen den beiden Rocker-Vereinen sitzt tief. Die Hells Angels waren eigentlich die Platzhirsche in Schleswig-Holstein - bis zum Mai 2009, als die Bandidos auf den Plan traten und drei Chapter der "Chicanos" in Kiel, Rendsburg und Neumünster gründeten. Chef des Ganzen war Peter B., ein bekannter Neonazi, der einigen Hells-Angels-Größen in langer und tiefer Feindschaft verbunden ist. Der Bandenkrieg war damit vorprogrammiert. Dass zwei Bandidos-Charter sich kurz nach ihrer Gründung wieder auflösten und die abtrünnigen Mitglieder ihre Kutten bei den Hells Angels abgaben, machte die Stimmung nicht besser.

Erst am Dienstag hatte es bei den Bandidos ein mittleres Erdbeben gegeben, als ein Großaufgebot der Polizei Bandidos-Chef Peter B. aus seinem Bett in Neumünster holte und vorläufig festnahm. Ihm wird vorgeworfen, an einer Messerattacke auf ein Mitglied der Red Devils beteiligt gewesen zu sein. Die Devils wiederum sind eine den Hells Angels verbundene Gruppe.

Von langer Hand vorbereitet

Seit Monaten arbeitete eine eigens eingerichtete Sonderkommission (SOKO) "Rocker" im schleswig-holsteinischen Landeskriminalamt (LKA) mit Hochdruck gegen die zunehmend aggressiveren Banden. Die nun ausgesprochenen Vereinsverbote hatte das Innenministerium hinter den Kulissen von langer Hand sorgfältig vorbereitet. "Es handelt sich nicht um harmlose Motorradclubs, deren Mitglieder sich zu friedlichen Wochenendausflügen treffen", sagt Schlie. Der in seiner Freizeit Motorrad fahrende unbescholtene freiheitsliebende Familienvater sei nicht mehr als eine Legende aus der Öffentlichkeitsarbeit dieser Clubs.

Von Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
Tanja64 (02.05.2010, 08:20 Uhr)
Angst? Wovor?
Warum werden die `Rechten` und die `Linken` nicht verboten? Wenn die sich in Lübeck zusammen rotten, bleibe ich zu Hause. Wenn sich die HA mit 1000 Leuten zu einem Stadtbummel treffen würden, würde ich sogar mit meinen Kindern einen Schaufensterbummel machen.
Peter1958 (01.05.2010, 00:44 Uhr)
ok.... dann halt....
@walhalla & STR_EDDS

Das Argument... Das Gewaltmonopol der Staaten ist sehr zwiespältig. Siehe die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Es ist das Recht und die Pflicht eines Bürgers Waffen zu besitzen und zu tragen, um im Notfall sogar eine fehlgeleitete Regierung zu stürzen.
Das mit dem rechtradikalen das ihr so nett aus dem Artikel übernommen habt ist typisch... Keine Ahnung von nix einfach mal dumm daher sülzen, was ihr gelesen habt.

Ich bin kein Mitglied der hier erwähnten Clubs, aber ich wehre mich erheblich dagegen dass ein Politiker einen eingetragenen Club oder zwei verbietet. Wenn überhaupt müsste das ein Gericht entscheiden.

Deutschland kommt mir immer mehr wie eine Bananen Republik vor, und das war auch der Grund dass ich abgehauen bin.

Mit auch das Argument ... warum ich legal mehr zuhause hab, als ausgereicht hat die HA und BA in Schleswig Holstein zu verbieten. Das ist was ich lächerlich finde.. So Freunde .... Gehabt euch wohl in D ...
dieven (30.04.2010, 14:00 Uhr)
Hells Angels
Zu diesem Bericht kann ich nur eins sagen:
Ein Mann, ein Wort : Stern kündigen
STR_EDDS (30.04.2010, 11:43 Uhr)
@Peter
Und jetzt? Wo war das Argument?
walhalla (30.04.2010, 10:43 Uhr)
Unbedarft zu sein,
bedarf es wenig, nicht war Peter1958.
Das Neonazis sich an die Spitze von ein paar gescheiterten moralischen Existenzen setzen, gibt doch zu denken.
Gegen ein paar Spiesser auf ihrer Harley habe ich nichts. Ist doch Harley das Spiessermoped schlechthin.
Menschen verletzen und töten verstösst aber gegen Gesetze.
Das man es in diesen Kreisen gerne so hätte wie bei den Bankmanagern, anstrengungslos zum Wohlstand, mangels Hirnmasse aber versäumt, wird Gewalt gerne als Ersatz genommen.
Hier kann nur das Gewaltmonopol des Staates eingreifen.
Neonazis ein neues Betätigungsfeld unter dem Deckmantel des Motorradausfluges zu bieten, muss auf jeden Fall unterbunden werden.
Denn, das sehen wir ja hier, ihre Neigung zur Gewalt ist stets da.
GordonBleu (30.04.2010, 09:18 Uhr)
ich erinnere mich ...
noch an den stern artikel, in dem diese verbrecher als netter altherren-club dargestellt wurden, deren einziges ansinnen geneinsame motorradausflüge und würstchengrillem am wochenende ist. liebe stern redaktion: könnt ihr den bitte nochmal einstellen?
Knuffiman (30.04.2010, 08:58 Uhr)
ahagend
welch ein vergleich zwischen deathshead und farbigen tennissocken
crestflight (30.04.2010, 08:42 Uhr)
Playmobil
Das sehe ich anders! Charakterlich richtig schwache Menschen mit hoher krimineller Energie schließen sich in anderen Clubs zusammen. Da kommt die Kutte von Armani, die Harley heißt Bugatti und die Waffe heißt Spekulation! Die Clubheime dieser Chapter findet man in der Regel in Banken- und Finanzvierteln. Was die Gefährlichkeit anbelangt, mache sich jeder sein eigenes Bild.
ahagend (30.04.2010, 07:57 Uhr)
wie kleine kinder
ich glaube so mit 8 bis 10 jahren war ich auch mal in ´ner BANDE. wir hatten auch ein "vereinsheim" aus decken und stöckern, mit unseren fahrrädern haben wir angst und schrecken auf den fußwegen verbreitet und unser clubabzeichen waren tennissocken mit 2 farbstreifen.
wenn scheinbar erwachsene menschen das noch einmal erleben wollen sollen sie es zuhause mit den playmobil-männchen ihrer kinder nachspielen. da gibt es auch pistolen und vielleicht haben die ja auch schon eine prostituierten figur.
Peter1958 (29.04.2010, 21:56 Uhr)
Lustig....
Das mit den Chaptern und Chartern, Liebe Stern Redaktion ... bringt Ihr ja gegen Ende des Artikels ja selbst durcheinander. Hehehe ....! dabei wollt Ihr doch so cool sein.

Rocker Ehre ist halt immer etwas anders gewesen. Nicht dass ich das jetzt besonders begrüsse, aber die vergreifen sich wenigstens nicht an unwissende und unbeteiligte.

Und wenn "50 Schuss Pistolen Munition und 2 Magazine" sowie Messer und Beile oder Äxste in ganz Schleswig Holstein was besonderes sein sollen......

Da hab ich einiges mehr zuhause .... Hahaha..... Einfach lächerlich
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