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22. September 2009, 14:28 Uhr

Neue Vorwürfe gegen Tauss

Neue Vorwürfe im Fall des unter Kinderporno-Verdacht stehenden Jörg Tauss: Offenbar hat der Bundestagsabgeordente gezielt nach kinderpornografischem Material gesucht. Das berichtet das ARD-Magazin "Report Mainz" und zitiert weitere Details aus der Anklageschrift.

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Unter schwerem Verdacht: der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss© Rainer Jensen/DPA

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den unter Kinderporno-Verdacht stehenden Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss sind offenbar schwerer als bislang bekannt. Laut Anklageschrift habe der fraktionslose Politiker gezielt nach Kinderpornos mit Jungen gesucht und das entsprechende Material bestellt, berichtet das ARD-Magazin "Report Mainz".

Außerdem sprächen die Fundorte der sichergestellten DVDs und des Handys mit den kinderpornografischen Dateien in der Berliner Wohnung von Tauss für eine private Nutzung, berichtete das Magazin unter Berufung auf die Anklageschrift. Tauss räumt in dem Bericht ein, die Indizien seien "durchaus ambivalent". Die Staatsanwaltschaft äußerte sich am Dienstag auf Anfrage nicht dazu.

Laut Anklageschrift widersprechen die Untersuchungsergebnisse den Aussagen von Tauss in sieben Punkten. Die Karlsruher Staatsanwaltschaft sehe es daher als erwiesen an, dass sich der Bundestagsabgeordnete das illegale Material beschaffte, um sich damit sexuell anzuregen.

Tauss kritisierte nach Bekanntwerden der Anklageschrift erneut das Vorgehen der Staatsanwaltschaft: "Das gesamte Verfahren leidet leider darunter, dass Vermutungen ohne weitere Nachfrage als Verdacht formuliert worden sind", schreibt der Politiker in seiner Stellungnahme.

DVDs hinter Büchern versteckt

Er beteuert nach wie vor seine Unschuld. Er habe das Porno-Material im Zusammenhang mit seinen Recherchen als Parlamentarier genutzt und in der Dienstwohnung verstaut. Mit seinen Ergebnissen habe er einen Kinderporno-Ring sprengen wollen.

Laut Anklageschrift wurden zwei der sichergestellten DVDs hinter Büchern versteckt gefunden, eine weitere DVD soll in einem Jackett gesteckt haben. In einem Koffer seien auch Videos, Zeitschriften und Romane mit legaler Erwachsenen-Pornografie entdeckt worden. Tauss habe sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch durch Widersprüche in seinen Aussagen gegenüber den Ermittlern belastet, berichtet "Report Mainz". So habe er zunächst jede Verbindung zu Kinderpornos abgestritten und erst später angegeben, als Abgeordneter verdeckt recherchiert zu haben. Außerdem habe er seine angebliche Kinderporno- Recherche mehrere Monate länger betrieben als zunächst angegeben.

Tauss stellt geringe Datenmenge heraus

Auf Anfrage von "Report Mainz" stellt Tauss die geringe Datenmenge des Materials heraus. Es habe sich bei den gefundenen Bildern und Videos lediglich um etwa 35 Megabyte gehandelt. Gegenüber "Report Mainz" erklärt Tauss wörtlich: "Ich kenne das Material aber nicht einmal im Detail, da ich es in Briefmarkengröße und im Gegensatz zur Auffassung der Staatsanwaltschaft zum Zweck verwendete, mir einen Überblick über die Szene zu verschaffen, nicht aber zur sexuellen Befriedigung." Die Karlsruher Staatsanwaltschaft äußerte sich am Dienstag auf Anfrage nicht zu dem Fall.

Tauss war nach Bekanntwerden der Vorwürfe als Generalsekretär der Südwest-SPD und als medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion zurückgetreten. Aus Protest über das vom Bundestag verabschiedete Gesetz zur Sperrung von Kinderpornografie im Internet trat er Ende Juni zur Piratenpartei über. Diese lehnt eine Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie ab und fordert ein Löschen der illegalen Angebote.

Der Bundestag hatte vor zwei Wochen die Immunität von Tauss aufgehoben und damit den Weg frei gemacht für eine Anklageerhebung gegen den früheren SPD-Politiker. Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
neyzen (23.09.2009, 09:45 Uhr)
Es..
ist beschämend, dass dieser Mann noch im Bundestag sitzt.Und die Deutsche Justiz schaut nur zu.Erst wenn etwas passiert, ein Kind missbraucht wird, dann kommen die Retter und Kläger. Was aber dan vielzu spät ist. Deutschland sollte strenger sein,und sollche Menschen härter verurteilen!...Traut euch mal ein bischen mehr, und denkt nicht was würde die Welt übers uns denken?...Es geht schließlich um eure Kinder!...
LaoLu (23.09.2009, 00:10 Uhr)
Die Sache riecht!
- ein Politiker, der sich gegen den mainstream der Überwacher und Kontrolleure stellt, der aber, wenn man die richtigen Fotos auswählt, durchaus einen guten Kinderschänder abgeben würde
- und eine Staatsanwaltschaft (= Teil eben jenes Überwachungs- und Kontrollapparates), die in kleinen Happen Details aus der Ermittlungsarbeit, z.B. aus der Durchsuchung der privaten Wohnung an die Presse gibt.
Ich kann nicht behaupten, daß mir der Herr Tauss, so wie er in den Medien bisher dargestellt wird, sonderlich sympathisch wäre.
Aber hier riecht etwas sehr merkwürdig
Hirn_los (22.09.2009, 19:25 Uhr)
Tauss
zeuglodon schreibt "Eine klare Meinungsbildung ist mit den bisher veröffentlichten Fakten nicht möglich" so sehe ich den Fall auch, allerdings werden Bruchstückweise von der Staatsanwaltschaft "Erkenntnisse" veröffentlicht was sonst so nicht üblich ist. Auch ist zum Fall Tauss die Kommentarfunktion freigeschaltet was mit Afghanistan offensichtlich nicht möglich ist, da soll sich jeder was drunter denken warum gerade bei dem noch als Unschuldig geltenten Tauss dies geschieht....
haggi (22.09.2009, 17:24 Uhr)
politisch motiviert
Die ganze Anklage ist eine Farce und beruht auf politisch motivierten Beschuldigungen. Ein Pädophiler, der nur 38MB Material besitzt? Und dann noch verteilt auf 2 DVD's? Versteckt im Bücherregal? Hätten denn die "DVD's" auf dem Couchtisch liegen sollen, vorzugsweise angeschrieben mit "Kinderporno"? Wie gesagt, eine totale Farce. Deswegen kriegt die Piratenpartei meine Stimme.
jetrabbit (22.09.2009, 17:22 Uhr)
tauss
hat jahrelang in bisher 100 nachgewiesenen fällen, sich das illegale zeug beschafft. und dieses sogar an seine freunde weitergegeben. das er hier behauptet, einen ring sprengen zu wollen ist glatte lüge. warum hat er dann nicht kollegen sein vorhaben mitgeteilt, anstatt heimlich (selber?) tätig zu werden. sowas kann, nach weitergabe an die behörden, am nächsten tag erfolgen, durch verfolgung der ip adresse, auch wenn mann sich hiner firewalls oder proxys versteckt. unterm strich ist es unverantwortbar als abgeordneter und persönlichkeit sowas zu tolerieren... ich lobe hier die offenheit und bekanntgabe der behörden. das ist in USA und GB gängige praxis diese typen durch veröffentlichung, vor der öffentlichkeit zu schützen.
dist-bln (22.09.2009, 15:51 Uhr)
Vorgehen gegen Staatsanwaltschaften
Das die Staatanwaltschaft vorab Ermittlungserbegnisse veröffentlich, erinnert mich an die HIV- Positive Sängerin... auch damals gab es eine Medienkampange. Eine solche loszutreten/ zu befördern ist nicht Aufgabe der Staatsanwälte!
Ich denke, es sollte über die rechtlich Grundlage diskutiert werden. Wenn Staatsanwälte Ihre Kompetenzen überschreiten, sollten Sie juristisch zur Verantwortung gezogen werden können!
Im Übrigen soll immernoch ein unabhängiges Gericht entscheiden. Glaubt diese Staatsanwaltschaft, Ihre ermittelten Indizien zu den Vorwürfen sind so dünn, das eine mediale- Vorabverurteilung nötig ist?
zeuglodon (22.09.2009, 15:45 Uhr)
schön langsam
man sollte vielleicht mal nachaken ,wer den Auftrag erteilte ,Herrn Tauss zu überprüfen.Solche Daten findet man doch nicht zufällig.Man las nur von den Vorwürfen ,den Beweisen und von seiner Stellungnahme.Die Vorgeschichte ist das einzig bewertbare dieser Angelegenheit.Eine klare Meinungsbildung ist mit den bisher veröffentlichten Fakten nicht möglich.will man ihm an die Karre fahren?ist er wirklich pädophil?ich bin mir sicher ,an dieser Geschichte ist mehr dran ,aber bevor wir mehr WISSEN sollten wir uns mit Vorverurteilungen zurückhalten.
RDUKE7777777 (22.09.2009, 15:33 Uhr)
@ undjetztnochder
Es geht den Piraten um das Verhindern einer Zensurinfrastruktur, nicht um das beschaffen von Kinderpornographie. Die Piraten haben einen Politiker aufgenommen, der gegen diese Zensur ist. Solange er nicht verurteilt wurde, muss er - Gott sei Dank - als unschuldig angesehen werden - soviel Rechtsstaat ist glücklicherweise noch übrig.

Ihre Anschuldigungen, die Piraten wollten/würden Kinderpornographie nutzen zeigt lediglich, dass Sie sich nicht mit den Inhalten der Partei auseinandergesetzt haben und einfach mal drauflospoltern. Viel Spaß bei der Wahl und beim Aufbau des Überwachungsstaates. Aber glauben Sie nicht, dass noch jemand da ist, der sich für Sie einsetzt, wenn es irgendwann auch IHNEN zuviel wird....
RDUKE7777777 (22.09.2009, 15:26 Uhr)
Hoffentlich wird der Fall nicht instrumentalisiert
Ich befürchte bei einer Verurteilung Tauss wird dies genutzt, um Gegner der Internetsperre zu diskreditieren. Hoffen wir, dass die Medien auch im Fall einer Verurteilung sachlich bleiben, was das Thema Zensur angeht. Denn besser als Zensur ist es allemal, diese Anbieter direkt aus dem Verkehr zu ziehen. Einfach weggucken per vorgeschaltetem Stoppschild hilft niemandem, vorallem nicht den armen Opfern.
undjetztnochder (22.09.2009, 15:21 Uhr)
Piratenpartei
Für keinen normal fühlenden Menschen ist es nachvollziehbar, dass Tauss bei der Piratenpartei mit offenen Armen empfangen wurde. Anhänger dieser Gruppierung sind vollkommen kritikresistent und werfen Kritikern gerne vor "nichts verstanden" zu haben - ganz im Gegensatz zu den schlauen Leuten bei der Piratenpartei, die sich als einzige mit dem Internet wirklich auskennen. Nein, angeblich sind die "Piraten" ja selber ausnahmslos gegen Kinderpornografie und nutzen diese auf keinen Fall... Jaja, und der Papst ist eigentlich evangelisch. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.
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