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8. März 2009, 14:11 Uhr

"Er hatte null Chancen"

Die Kölner Verkehrsbetriebe haben sich bei den Opfern und Betroffenen des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs entschuldigt. Am Morgen hatten die Rettungskräfte die Leiche des 17-jährigen Bäckerlehrling Kevin geborgen. "Er hatte null Chancen", sagte Feuerwehrchef Stephan Neuhoff.

Köln, Kölner Stadtarchiv, Bäckerlehrling, 17-Jähriger, Opfer

Am Sonntag morgen bargen die Retter Kevins Leiche© Felix Heyder/DPA

Der Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Jürgen Fenske, sprach Opfern, Angehörigen und betroffenen Bewohnern die Entschuldigung des Unternehmens aus. Die KVB würden sich an dem öffentlichen Gedenken beteiligen, sagte er. Den 33 Betroffenen, deren Wohnungen komplett zerstört sind, soll ein begleiteter Besuch auf dem Trümmerfeld Mitte nächster Woche ermöglicht werden. Ein Teil der Bewohner aus umliegenden Gebäuden könnten in ihre Wohnungen zurückkehren.

Die Stadt Köln plant eine Gedenkfeier für die Opfer des Häusereinsturzes. Oberbürgermeister Fritz Schramma sagte, die Gedenkstunde werde voraussichtlich in der Woche nach dem 15. März stattfinden. Dazu werde Trauerbeflaggung angeordnet. Der Oberbürgermeister sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Die schlimmen Befürchtungen seien traurige Gewissheit geworden. "Ich bin bestürzt über diese tragischen Ereignisse", sagte er. Schramma dankte zugleich den Rettungskräften und der Polizei für ihre Arbeit, die sie unter schwierigsten Umständen leisteten. Sie hätten zum Teil mit bloßen Händen nach den Toten gesucht.

Opfer wohnte im Nachbarhaus

Beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist ein 17- jähriger Bäckerlehrling ums Leben gekommen. Einsatzkräfte bargen seine Leiche am frühen Sonntagmorgen. Der Jugendliche sei anhand seiner Fingerabdrücke zweifelsfrei identifiziert worden, sagte Kriminaldirektor Tobias Clauer. Dem vorläufigen Obduktionsergebnis zufolge sei der junge Mann durch die herabfallenden Trümmer sofort getötet worden. Nach dem zweiten Vermissten, einem 24 Jahre alten Designstudenten, werde weiterhin gesucht.

Die beiden jungen Männer hatten in Dachgeschosswohnungen eines ebenfalls eingestürzten Wohnhauses gewohnt. Sie waren seit dem Unglück verschwunden. Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass noch mehr Menschen verschüttet wurden. Es lägen keine weiteren Vermisstenmeldungen vor, sagte Clauer. Der 17-Jährige habe wahrscheinlich geschlafen, als das Haus einstürzte. Er hatte zuvor die ganze Nacht in der Bäckerei gearbeitet. Gefunden wurde seine Leiche unterhalb des Keller-Niveaus. Nach Angaben der Retter war er so schwer verletzt, dass er sofort tot gewesen sein muss. "Er hatte null Chancen", sagte der Kölner Feuerwehrchef Stephan Neuhoff.

Unterdessen haben die Spürhunde auf dem Trümmerfeld nach der Bergung des ersten Opfers erneut angeschlagen. Daraus dürften aber keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, sagte Kriminaldirektor Tobias Clauer. Beim ersten Opfer hätten die Hunde an einer anderen als der Fundstelle angeschlagen, erklärte Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff. Die Gerüche zögen durch schmale Lücken durch das dichte Trümmerfeld, daher die Verschiebung.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben ihres Sprechers die Ermittlungen ausgeweitet. Sie ermittelt nach Angaben eines Sprechers nun auch wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.

Das vierstöckige Kölner Stadtarchiv war am Dienstag eingestürzt. Große Teile zweier benachbarter Häuser wurden mitgerissen. Als Ursache des Unglücks wird der Bau einer U-Bahn nahe der Häuserzeile vermutet.

DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
chb74 (08.03.2009, 23:03 Uhr)
@Hochbahnopfer
"Deutsche Richter und Staatsanwälte sind "höhere Beamte" die von Senatoren oder Ministern eingesetzt werden!"
.
Wie kommen Sie auf das dünne Brett? Ich habe den Eindruck, dass Sie über das Einstellungsverfahren von Laufbahnbeamten nicht allzu viel wissen.
Hochbahnopfer.de (08.03.2009, 18:54 Uhr)
@CHB74
Schon richtig was Sie sagen, allerdings ist nicht der "heilige Geist" für die Installation unserer "Volksgerechten" zuständig! Deutsche Richter und Staatsanwälte sind "höhere Beamte" die von Senatoren oder Ministern eingesetzt werden! Passend zur politischen "Colouer" der Einsetzenden. Behinderungen der Justiz wenn es um Politiker oder Postwinkels geht müssen nun wirklich niemanden mehr überraschen!
ROY2019 (08.03.2009, 18:16 Uhr)
@Redaktion
Chancen hin oder her - Khalil ist noch nicht gefunden.
Was machen die Sätze:
"Die Stadt Köln plant eine Gedenkfeier für DIE Opfer des Häusereinsturzes."
und
"Sie hätten zum Teil mit bloßen Händen NACH den TOTEN GESUCHT."
Sagt mal... MERKT IHR'S NOCH???
horst.pachulke (08.03.2009, 17:51 Uhr)
@ vlcd:
Wenn ein Gebäude so fulminant versagt, kann man durchaus Vorwürfe machen. Wir als "Normalos" müssen uns schließlich auch dafür verantworten, wenn wir ein Kind totfahren. Das wirft man uns dann vor. Und es stimmt: wir hätten damit rechnen müssen, dass zwischen den parkenden Autos ein Kind hervorrennt. Wenn dann vorher noch ein Ball auf die Straße hüpfte...
Es war nicht der erste Zwischenfall auf diesem Bau. Mit "sowas-passiert-halt" kommt man nicht weit; es hat schließlich nicht nur das errichtete Bauwerk wersagt. Sondern ein davon unabhängiges Nachbargebäude. Und das darf nicht passieren. Wenn es doch passiert, wurde nicht genug Acht gegeben und mangelnde Vorsorge getroffen. Das zumindest sagt man jedem kleinen Maurer, Zimmermann oder Gipser, wenn er so ein Massaker veranstaltet. Ich sehe nicht ein, weswegen dieser Anspruch nicht auch an Ingeneure gestellt werden sollte; nur weil sie studiert haben und es eigentlich viel besser wissen müssten als Bauhandwerker?
chb74 (08.03.2009, 17:33 Uhr)
@Hochbahnopfer
"Und von der Politik eingesetzte Staatsanwälte, ..."
.
Staatsanwälte werden in Deutschland weder gewählt, noch von der Politik eingesetzt - bitte in Rechtsfragen nicht die kontinentaleuropäischen Rechtssysteme mit dem anglo-amerikanischen (insbesondere dem in den USA) verwechseln, wie so oft! Deutsche Staatsanwälte sind wie Richter höhere (Lebenszeit-)Beamte und auch so besoldet. Der Unterschied zwischen Richter und Staatsanwalt liegt darin, dass Staatsanwälte bis zu einem gewissen Grad weisungsgebunden sind. Die Weisungsbefugnis endet z.B. dort, wo ein Staatsanwalt gegen geltendes Recht verstoßen müsste.
Hochbahnopfer.de (08.03.2009, 16:12 Uhr)
Öffentliche Unternehmen
sind durch den Förderalismus zu Gelddruckmaschinen für die Deutschen Stadt- und Länderfürsten verkommen. Natürlich opfert niemand absichtlich Menschen, allerdings werden behördliche Entscheidungen zu oft nach politischer und nicht tatsächlicher Sachlage entschieden. Wenn dann etwas passiert sind die Verantwortlichen immer "ahnungslos" über Entscheidungen die über Ihre Schreibtische liefen. Und von der Politik eingesetzte Staatsanwälte, die dazu noch "weisungsgebunden" sind zeigen die systemische Schieflage im deutschen "Rechtsstaat" deutlich auf. Mit Ansage wird es hier einen "schuldigen" Kleinstbeamten oder ein Mini Bauunternehmen treffen, keinesfalls klüngelnde Toupetträger!
vlcd (08.03.2009, 15:52 Uhr)
@Twipsy
Es ist sicherlich traurig das der 17-jährige starb, aber nun gleich wieder geziehlt fehlbare Vorwürfe zu erheben, ist zu früh. Tagtäglich gibt es nunmal Menschen, die üben einen Job aus der bei Fehlern auch Menschenleben kosten kann.
Twipsy (08.03.2009, 15:12 Uhr)
Traurig...
ein junger Lehrling, der sich abrackerte, wird Opfer eines U-Bahn-Baus, dessen Umstände mit "Kölscher Klüngel" wohl nur unzureichend beschrieben werden können. Ich wette, im Stadtarchiv gibt es Dokumente darüber, wie man im Mittelalter mit den Verantwortlichen umgegangen wäre. Gute alte Zeiten!
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