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12. Januar 2006, 23:35 Uhr

Die Lust des Armin Meiwes

Warum hat Armin Meiwes sein Opfer getötet? Fest steht: Er war weder ein freundlicher Sterbehelfer noch ein blutrünstiger Killer. Der Schlüssel zu seinen Motiven liegt in seiner bizarren Sexualität. Von Martin Knobbe

Er lächelte, war gut gekleidet und hatte die Akten sorgfältig studiert: Der Kannibale genoss offensichtlich seinen zweiten Auftritt vor Gericht. Als der Richter fragte, ob er denn aussagen wolle, nickte der Angeklagte heftig.

Armin Meiwes hat eine Mission: Er will dem Gericht und der Öffentlichkeit erklären, warum er einen Menschen verstümmelte, tötete und dann aufaß. Er möchte klarstellen, dass er kein blutrünstiges Monster ist. Er will glaubhaft machen, dass er nur den Wunsch seines Opfers befolgt habe. "Tötung auf Verlangen" heißt der Straftatbestand, den sein Anwalt im ersten Prozess für seinen Mandanten geltend machen wollte. Die Ankläger dagegen hatten von Mord gesprochen. Der Unterschied im Strafmaß liegt bei über zehn Jahren. Die Kasseler Richter wählten in ihrem ersten Urteil den klassischen Kompromiss: Sie verurteilten Meiwes wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren.

Eine Entscheidung, die zunächst einleuchtet: Weder war Meiwes ein freundlicher Sterbehelfer noch ein eiskalter Killer. Für ihn war es entscheidend, dass sein Opfer der Tat freiwillig zugestimmt hatte. Mehrere Kandidaten, die er in seinem Schlachtzimmer empfangen hatte, hatte Armin Meiwes wieder nach Hause geschickt: Sie wollten sich nicht wirklich verspeisen lassen. Ein Hannibal Lecter, mit dem Meiwes so gerne verglichen wird, hätte anders gehandelt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) aber wies das Urteil zurück und gab den Frankfurter Richtern für den Revisionsprozess auf, die Mordmerkmale genauer zu überprüfen: War die Tat nicht vorrangig sexuell motiviert? Eine Frage, die das Problem im Kern trifft. Selbst wenn Meiwes nur freiwillige Opfer auswählte, dienten sie ihm nicht ausschließlich zur Befriedigung seines Triebes? Hätte er sich tatsächlich für sein Opfer interessiert, für dessen Befindlichkeiten und Nöte - er hätte statt des Schlachtmessers einen Psychiater holen müssen.

Von Martin Knobbe
 
 
 
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