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14. September 2004, 18:16 Uhr

Wasserstoffbombe wiederentdeckt

46 Jahre lang steckte sie in den Tiefen des Atlantiks, vor der Küste Georgias - eine Wasserstoffbombe aus Zeiten des Kalten Krieges. Nun ist sie wiedergefunden worden, doch die Bergung ist aufwändig und teuer.

US-Atombombe aus den Kalten Krieg: "Mark 15, Mod 0" ruht in den Tiefen des Atlantiks© UPI/Picture Alliance

Am frühen Morgen des 5. Februars 1958 kollidierte ein B-47-Bomber der US-Armee mit einer Machine des Typs F-86. Der Bomber probte gerade den Ernstfall und war entsprechend bewaffnet - mit einer Atombombe des Typs "Mark 15, Mod 0". Der Pilot der F-86 konnte sich vor dem Absturz aus seiner Maschine retten und überlebte, die B-47 war zwar stark beschädigt, konnte aber weiterfliegen.

Die Crew der B-47 versuchte drei Mal mit der Atombombe beladen auf der "Hunter Air Force Base" zu landen. Doch aufgrund des Schadens an der Maschine und des hohen Explosionsrisikos erhielt die Mannschaft der Maschine die Erlaubnis, die Atombombe bei Savannah über dem Atlantik abzuwerfen.

Atombombe aus 2194 Metern Höhe abgeworfen

Aus einer Höhe von 2194 Metern und bei einer Fluggeschwindigkeit von 370 Stundenkilometer wurde die Bombe dann über dem Meer abgeworfen. Die Bombe stürzte kopfüber hinab und schlug auf der Wasseroberfläche auf. Eine Explosion war nicht zu sehen. Unten auf dem Grund grub sie sich ein bis vier Meter tief im Morast ein. Maschine und Crew landeten schließlich sicher auf der "Hunter Air Force Base".

Drei Wochen in Folge durchsuchte die Air Force anschließend ein 7,77 Quadratkilometer großes Gebiet, dem Bereich von "Wassow Sound" in dem die Bombe in die Fluten gestürzt war. Am 16. April 1958 dann erklärte die Air Force die Bombe für verschollen.

43 Jahre später befasste sich die Luftwaffe wieder mit dem Fall. 2001 hatte eine Air-Force Untersuchung ergeben, dass die Bombe wahrscheinlich harmlos sei, wenn man sie im Meer beließe. Eine Bergung des Sprengkörpers dagegen schätze die Air Force als äußerst risikoreich ein. Würden die Sprengstoffe in der Bombe explodieren, wäre die Rettungsmannschaft stark gefährdet und die Umwelt könnte großen Schaden nehmen.

Bergung dauert fünf Jahre und kostet elf Millionen

Der damalige Bericht geht davon aus, dass die Bergung der Bombe einen Zeitraum von fünf Jahre beanspruchen und zwischen fünf und elf Millionen US Dollar kosten würde. Die 3300 Kilo schwere und 3,66 Meter lange Wasserstoffbombe enthält 200 Kilo Sprengstoff und Uran. Die Air Force sagt, dass die Bombe nur zu Übungszwecken eingesetzt wurde und nicht den Plutonium-Auslöser mit sich trug, der für eine atomare Explosion nötig ist.

Im Juli dieses Jahres hat eine von Oberstleutnant Derek Duke of Stateborro angeführte Gruppe in der Nähe von Savannah ein großes Objekt unter Wasser gesichtet, das hohe radioaktive Strahlen absondert. Die Gruppe untersuchte mit radioaktiven und metallischen Detektoren das Gebiet in der Nähe der "Tybee Inseln", wo die Wasserstoffbombe vermutet wird.

An diesem Montag nun, sagte der Air-Force-Sprecher, Oberstleutnant Frank Smolinsky, dass Experten der Luftwaffe, des Verteidigungsministeriums und des Energieministeriums den Fall weiter untersuchen und eigene Tests zur Klärung durchführen würden, wie der Fernsehsender CNN berichtet. Wenn es sich tatsächlich um die verlorene Wasserstoffbombe handelte, dann müsse entschieden werden, ob die Bombe nun geborgen oder an Ort und Stelle belassen werde.

Weitere "Zwischenfälle" zu Hauf

Das Vewschwinden der "Mark 15, Mod 0" ist kein Einzelfall. Nach Angaben des "Brookings Institutes" hat die USA während des Kalten Krieges elf Atombomben bei "Unfällen" verloren, die nie geborgen werden konnten. Laut Greenpeace liegen 50 nukleare Sprengköpfe, die meisten von der ehemaligen Sowjetunion, in den Tiefen der Ozeane.

Einer der schlimmsten Unfälle geschah im Januar 1966 über Palomares in Spanien. Ein amerikanischer B-52-Bomber kollidierte während eines Auftankmanövers in der Luft mit der KC-135-Tankmaschine. Alle elf Besatzungsmitglieder der zwei Maschinen starben. Bei der Explosion wurden alle vier Wasserstoffbomben, die der Flieger an Bord trug, frei gelassen. Zwei der hochexplosiven Zünder detonierten sofort und verteilten radioaktives Material über ein weites Gebiet. Eine weitere Bombe landete relativ unbeschädigt und konnte entschärft werden. Die letzte der vier Bomben verschwand im Mittelmeer. Fahnder des US-Militärs benötigten drei Monate, um die noch intakte Bombe zu finden und zu bergen.

Nach Aussagen des "Brookings Institute" hat die USA bisher 182 Millionen US-Dollar für die Bergung, die Entsorgung und die Schadensregulierung ihrer "Unfälle" ausgegeben.

Der Text ist im Original bei CNN International Edition erschienen

Übersetzung: Nele Justus
 
 
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