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22. Juni 2010, 20:16 Uhr

US-Gericht kassiert Obamas Bohrverbot

Erfolg für die Ölkonzerne, Ohrfeige für Obama: Das Bundesgericht in New Orleans hat den vom US-Präsidenten verhängten sechsmonatigen Ölbohrstopp im Golf von Mexiko für rechtswidrig erklärt und wieder aufgehoben. Das Weiße Haus gibt sich aber nicht geschlagen.

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Trotz Ölpest: Es darf weiter im Golf von Mexiko nach dem schwarzen Gold gebohrt werden© AFP

Ein US-Gericht hat den von Barack Obama verhängten Öl-Bohrstopp im Golf von Mexiko per einstweiliger Verfügung aufgehoben. Das sechsmonatige Moratorium, mit dem der US-Präsident auf die verheerende Ölpest im Golf reagiert hatte, sei rechtswidrig, entschied ein Bundesgericht in New Orleans am Dienstag und entsprach damit der Klage von 32 Ölkonzernen.

In der Urteilsbegründung schrieb Richter Martin Feldman, die Kläger könnten "ohne Zweifel" beweisen, dass die Entscheidung der US-Behörden "willkürlich" gewesen sei. Der Bohrstopp sei daher "ungültig". Zudem sei eine Aufhebung des Moratoriums im öffentlichen Interesse. Damit folgte er der Argumentation von Anwalt David Rosenblum, der mehrere der klagenden Unternehmen vertritt.

Rosenblum hatte am Montag bei einer Anhörung in New Orleans erklärt, der sechsmonatige Bohrstopp bestrafe die gesamte Branche. Es gebe im Golf von Mexiko "ein ganzes Ökosystem von Unternehmen, die durch dieses Moratorium jeden Tag geschädigt" würden. Von dem Bohrstopp sind 33 Ölquellen im Golf von Mexiko betroffen. Die Ölindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region.

Weißes Haus geht in Berufung

Das Weiße Haus kündigte umgehend Berufung an. Sprecher Robert Gibbs sagte, Präsident Obama, das Innen- und das Justizministerium seien grundsätzlich davon überzeugt, dass Tiefseebohrungen ohne angemessenes Wissen über die Risiken "keinen Sinn" hätten. Die Bohrungen "bedrohen die Sicherheit der Arbeiter auf den Bohrinseln und die Umwelt am Golf".

Der Rechtsvertreter der US-Regierung, Guillermo Montero, hatte vor Gericht geltend gemacht, dass die Sicherheitsstandards nach der Ölkatastrophe zunächst auf den Prüfstand gestellt werden müssten. Ende April war die vom britischen Energiekonzern BP betriebene Ölplattform "Deepwater Horizon" explodiert und gesunken. Seitdem laufen Millionen Liter Rohöl aus dem lecken Bohrloch ins Meer aus und verschmutzen die Küsten.

BP: "Die Welt braucht das Öl aus der Tiefe"

Auf einer Konferenz in London hatten zuvor ranghohe Vertreter der Ölindustrie das Verbot von Tiefseebohrungen kritisiert. Der Eigentümer der im Golf von Mexiko explodierten Ölplattform "Deepwater Horizon", Transocean-Chef Steven Newman, bezeichnete das Moratorium als unnötig. Die Obama-Regierung könne heute Maßnahmen umsetzen, mit denen die Industrie ihre Arbeit morgen wiederaufnehmen könne, sagte Newman. Der Vizepräsident von Chevron, Jay Pryor, erklärte, das Verbot behindere die weltweite Energieversorgung. Sollte es dauerhaft gelte, wäre das ein Rückschritt für die Energiesicherheit.

BP-Vizepräsident Steve Westwell, der Konzernchef Tony Hayward vertrat, sagte, natürlich wollten die Kontrollbehörden weltweit wissen, was genau im Golf von Mexiko passiert sei, um ihre Arbeit darauf einzustellen. Tiefseebohrungen seien jedoch weiterhin notwendig, weil es an Land und in flacherem Wasser nicht mehr genügend Reserven gebe. "Die Welt braucht das Öl und die Energie, die aus der Tiefseeproduktion kommen muss", erklärte er. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssten es daher ermöglichen, solche Bohrungen kommerziell zu betreiben.

BP plant Dreistufenplan zur Krisenbewältigung

Die von BP betriebene Ölplattform "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem sprudeln täglich Millionen Liter Rohöl aus dem lecken Bohrloch ins Meer und verschmutzen die Küsten.

Um der existenzbedrohenden Krise durch die Ölpest im Golf von Mexiko zu entrinnen, plant BP nach Informationen des "Handelsblatts" ein dreistufiges Vorgehen für die nächsten Monate. In Phase eins will sich die Konzernführung von Vermögenswerten trennen und neue Schulden machen, um die Folgen der Katastrophe schultern zu können. In Phase zwei will BP seine Sicherheitsstandards überarbeiten. Auch ohne neue Gesetze erwägt BP, ob etwa die Vorbereitung einer Entlastungsbohrung, die eine Ölpest wirksam eindämmen kann, künftig zum hauseigenen Standard gehören soll, wie BP-Vertriebsvorstand Iain Conn dem "Handelsblatt" sagte. Erst in Phase drei und damit wohl Ende des Jahres könnte auch der Kopf an der Spitze, also Tony Hayward, ausgewechselt werden.

joe/AFP/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Bitte-sachlich (23.06.2010, 10:22 Uhr)
Das hat sich Obama selbst eingebrockt ...
... eben noch wollte er neue Bohrungen genehmigen, dann brauch es dieser BP-Katastrophe, um ihn auf den Gegenkurs zu bringen.

Aber so macht man doch keine "visionäre" Politik. Das ist politische Wendehals-Taktik.

Saublöd daran ist, dass es nun sehr sehr schwierig wird, einen Ausweg zu finden. Obwohl der auf dem Papier klar erscheint: Ölbohrungen ja, aber unter angemessenen Sicherheitsstandards.
Ugly (23.06.2010, 06:55 Uhr)
Was für ein Richter
Wenn das Tiefseeöl dann zur Neige geht, werden die letzten tausend Barrel an die Inhaber von Vorzugsaktien der Ölgesellschaften verteilt, und die werden darin denn ihre Dollarnoten frittieren müssen. Da sitzen sie dann, zusammen mit Feldmann und begreifen, das ein Ökosystem etwas anderes war.
DarkSpir (23.06.2010, 06:08 Uhr)
Schade, die Begründung fehlt
Zum Einen: Im Artikel steht, dass von dem Verbot 33 Plattformen betroffen sind. Woanders hab ich gelesen, dass die anderen 3600 Plattformen normal weiter fördern können. Stichwort Verhältnismäßigkeit?

Dann fehlt die Urteilsbegründung, die ist wirklich grossartig: Im Zweifelsfalle ist dann noch zu berücksichtigen, dass der wirtschaftliche Schaden durch das Verbot viel grösser ist, als durch einen weiteren möglichen Ölteppich.

Ich kommentiere jetzt an der Stelle mal nicht was ich davon halte. Hinterfragt bitte einfach mal die Aussage, dass wir das Öl aus der Tiefsee brauchen, weil es an Land nicht mehr genug gibt, mit der Frage: Und was tun wir, wenn das auch alle ist?
jomimo (23.06.2010, 02:34 Uhr)
@ Nursery
Genau das geschieht bei uns.

Bei jedem Presseartikel, in dem die Worte " Wirtschaft , Arbeitsplatz " erscheinen, dreht sich mein Magen um.

Und die meisten von uns sind so gar gekocht, dass sie kuschen und sich freuen, am nächsten Tag zum Arbeitsplatz zu dürfen.

Habe gerade 1130, 00 Euro bei meinem Golf 4 gelassen - nur für Verschleißteile und eine andere Kleinigkeit.

Stop! wurde nicht übers Ohr gehauen, alles sehr reell in 2 Sitzungen und ganz normal ( Zahnriemen, Auspuff, Bremsen, Öl, TÜV und noch eine Sache mit dem Fensterheber.)

Jedoch, diese Peise sind zu hoch und stellen doch nur dar, dass diese Preise für Pendler zu akzeptieren sind ..... angewiesen, Arbeitsplatz, Hypothek ...
und schon sind wir moderne Sklaven.


2260 DM - hat jemand diese Summe je bezahlt außer nach einem Unfall ?

Johann58 (23.06.2010, 00:32 Uhr)
Einer faellt mir dazu nochein!
Greenpeace hat mal so schoene Sticker gehabt: Was war sinngemaess drauf, erst wenn der letzte Baum gefaellt, der letzte Fisch gefangen...... usw. bis man feststellt, dass man Geld nicht essen kann' jeder kann sich daran erinnern.

So schnell hat die Realitaet und eingeholt.
h.o.n.k. (22.06.2010, 23:57 Uhr)
Na und?
Einfach 6 Dutzend Kontrolleure auf die Bohrinseln schicken und jeden Verstoß gegen Vorschriften mit unnachgiebiger Härte ahnden - jede Wette, daß die bald freiwillig den Betrieb einstellen ;-)
saulus (22.06.2010, 23:48 Uhr)
"...Die Welt braucht das Öl..."
Solange die Menschen diesen Blödsinn glauben, werden die Unternehmen weiterhin das Geld praktisch schaufeln. Obama und die restlichen Politiker Hansels in der Welt sind nur Marionetten dieser Profitmaximierer. Obamas Bohrverbot war also nur eine kleine positive PR Maßnahme die Ihm in der Ölkatastrophe zugestanden wurde.

Das Öl tötet die Welt.
giangastone (22.06.2010, 23:27 Uhr)
Un-Rechtsanwälte
Keiner weiß, wie man die Technologie beherrsch, keiner kann den derzeitigen Öl-Gau stoppt, aber die Öl-Mafia darf weiterwursteln. Waaaaaaaaaaaaaaaaaahnsinn. Enteignen, verstaatlichen, ökologische Revolution JETZT
Johann58 (22.06.2010, 23:17 Uhr)
Fast haette man geglaubt,
dass der Oelpest im Golf etwas Positives abzugewinnen sei, die Erkenntnis, naemlich dass der Mensch in seiner Gier nach Geld und Macht sich seine eigene Lebensgrundlage zerstoert. Fehlanzeige! Juristen und Konzerne, die ums Verrecken nicht einsehen wollen, dass wir einen Schritt zu weit gegangen sind pfeifen auf das Recht von Mensch, Tier und Natur zu leben und werden zu Vasallen derer denen die Gier nach Geld wichtiger ist als das Leben.

Was hier passiert wird eines Tages dazu fuehren, dass die Erde sich des Menschen erledigt mit den eigenen Mitteln die der Mensch hat. Der Mensch braucht nicht das Oel aus den Tiefen unter dem meer, es gibt genuegend andere Quellen, die solange zu nutzen sind, bis Alternativen da sind. Die Schaeden die im Golf angerichtet werden sind nicht mit Geld zu bezahlen, das reichen kein 50 Milliarden oder 100 Milliarden, er werden Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte vergehen bis der Golf wieder das ist was er einmal war. Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Hurricanes um das Chaos perfekt zu machen.

Ich kann mich noch erinnern als hier ein Kommentator geschrieben hat alles halb so wild, die paar Barrel Oel!

Villeicht gibt es ja doch Menschen und Firmen, die jetzt verstaerkt in zukunftsorientierte Technologien investieren um schnellstmoeglich die Abhaengigkeit von Oel zu verringern.
VMK-Funny (22.06.2010, 23:07 Uhr)
Traurig
Eigentlich ist es traurig zu sehen wie wir doch alle vom Öl abhängig sind. Es ist eine Schande, dass während die Menschen mit der schlimmsten Ölkatastrophe kämpfen, das sog. "Ökosystem"(was für ein Ausdruck) vor Gericht zieht und auch noch Recht bekommt. Warum können die nicht einfach mitarbeiten und einfach helfen die Sicherheitsstandarts zu kontrollieren und zu verbessern. Das würde jedem helfen, stattdessen wird munter wieder weiter gemacht. Tja.... leider ist es immer so und bald kommt der Knall und nicht die Verursacher zahlen sondern der Staat...und da er für wirklich alles gerade stehen muss finde ich es nur legitim das Sie sagen, erstmal müssen die Sicherheitsstandarts überprüft werden. Naja trurig aber mittlerweile hat wohl die Wirtschaft wirklich überall mehr zu sagen als der Staat....Herrliche Zukunft....
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