Todesnachricht über Facebook

22. Februar 2013, 17:31 Uhr

Wochenlang sucht eine Mutter verzweifelt nach ihrem Jungen. Dabei liegt der längst im Leichenschauhaus. Die Polizei hatte die Todesnachricht per Facebook verschickt - sie war leider nicht angekommen.

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Soziale Netzwerke sollen das Leben einfacher machen. Das dachte sich wohl auch die Polizei in Clayton im US-Bundesstaat Georgia. Einer Mutter die Nachricht vom Tod ihres Sohnes persönlich zu überbringen, ist eine belastende Situation, der man mit einer Textnachricht elegant entgehen kann. Anna Lamb-Creasey, deren Sohn bei einem Unfall gestorben war, bekam nicht wie üblich Besuch von einem Polizeibeamten, sondern eine anonyme Nachricht auf Facebook.

Was weder Polizisten noch Mrs. Lamb-Creasey wussten: Der Internetdienst schützt seine User vor unbekannten Spam-Mails. Nachrichten von Personen, mit denen man nicht befreundet ist, landen in einem versteckten Sammelordner. So auch bei Lamb-Creasey. Weil sie gar nicht wusste, dass es diesen Ordner überhaupt gibt, ruhte die Nachricht dort wochenlang ungeöffnet.

Gesendet wurde die Todesbotschaft auch nicht von einem offiziellen Account der Polizei. Der Name des Absenders lautete "Misty Hancock" und prangte mit dem Profilbild eines bekannten Rappers. Die Nachricht war vom Privataccount eines Polizeiangestellten versandt worden.

Fantasieaccount mit Rapper-Bild

Tatsächlich hatte die Mutter andere Sorgen, als sich um unbekannte User mit Fakebildern zu kümmern. Schließlich vermisste sie ihren Sohn und versuchte ihn in Krankenhäusern und Polizeistationen zu finden. Auf seiner Facebookseite hinterließ sie verzweifelte Einträge. Dabei war ihr Sohn längst tot. Er starb, als er beim Überqueren einer Straße von einem Auto überrollt wurde. Und lag zum Zeitpunkt ihrer Suche längst in der Leichenhalle.

Die Polizei von Clayton County bedauert den Zwischenfall. Gibt aber zur Entschuldigung an, man habe mehrmals versucht, die Angehörigen auf konventionellem Wege zu erreichen. Weil an den angegeben Adressen niemand angetroffen wurde, habe man dann den Weg über Facebook gewählt.

Die Mutter ist trotzdem wütend. "Sie sagten mir, sie hätten alles Mögliche unternommen", sagte sie Atlantas News Channel 2. "Aber das glaube ich nicht. Sonst spüren die doch Verbrecher auf, da hätten sie mich doch leicht finden können."

Von Gernot Kramper
 
 
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