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10. Juli 2003, 19:21 Uhr

Alte Stereotypen sterben schwer

Nach leidvoller historischer Erfahrung wurde der Nachbar im Westen vor allem als Erbfeind gesehen - womit Populisten heute noch Stimmung machen. Wenn nicht als Teutonenkrieger, werden Deutsche gerne auch als bierselige Schnösel karikiert.

"Ja für Polen" hieß auf den Plakaten zum EU-Referendum: freigestrampelt vom gönnerhaften Nachbarn© AP

Trotz jahrzehntelanger Normalisierung und Aussöhnung sterben alte Stereotypen im Verhältnis zwischen Deutschland und Polen nur schwer - auf beiden Seiten, wie sich immer wieder zeigt. Zwar würde kaum ein Pole das alte Sprichwort mehr bejahen, wonach "der Polen dem Deutschen kein Bruder sein kann, so lange die Welt besteht". Aber seit die Polen für US-Präsident George W. Bush die kontinentalen Lieblingseuropäer sind und nun mit einer eigenen Besatzungszone im Irak für ihre Loyalität belohnt werden, ist des öfteren klammheimliche Genugtuung und Freude zu spüren: Sie haben es ihnen gezeigt, den arroganten, reichen und mächtigen Deutschen. Freigestrampelt von dem wohlmeinenden, aber manchmal gönnerhaften Nachbarn.

Leidvolle historische Erfahrung

Dabei gehört dümmlich-arrogant noch zu den freundlicheren Klischees. Denn nach leidvoller historischer Erfahrung wurde der Nachbar im Westen vor allem als Erbfeind gesehen, machthungrig und erpicht auf polnisches Land. Von den Kreuzrittern im Mittelalter über die Preußen bis hin zu den Nationalsozialisten wurden Deutsche mit Aggression verbunden. Populisten machen noch immer Stimmung mit den Warnungen vor wirtschaftlicher Dominanz oder dem Aufkauf von Land vor allem durch Deutsche.

Wenn nicht als Teutonenkrieger, werden Deutsche auch gerne als bierselige Schnösel karikiert. Ende vergangenen Jahres schmückten sie so die Titelseite eines polnischen Magazins - mit Lederhose, Dackel und Gamsbart. Ein paar gute Eigenschaften entdecken aber auch die Klischees in den Nachbarn vom westlichen Oderufer. Fleißig seien sie ja, wird gerne betont. Arbeitsfreudig, diszipliniert, korrekt und in ihrer deutschen Planungswut ein bisschen langweilig- angesichts häufiger Korruptionsaffären und Politskandale im eigenen Land kommt da fast so etwas wie Neid auf.

Eva Krafczyk
 
 
 
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