Eine rechtsradikale Terrorzelle wird für eine Mordserie verantwortlich gemacht. Die Bundes-NPD distanziert sich. Doch an der Basis der "freien Radikalen" gibt es Beifall. Von Manuela Pfohl

Polizisten durchsuchen die Überreste des zerstörten Hauses in Zwickau. Im Schutt finden sie nicht nur die Tatwaffen von brutalen Morden sondern auch ein Bekennervideo der Gruppe "Nationalsozialistischer Widerstand"© Jan Woitas/DPA
Es ist nicht ganz klar, was ihn so erregt hat. Aber Anfang Mai ist Paul Panther aus dem nationalen Häuschen. Auf seiner Facebookseite dichtet er sich ohne Punkt und Komma in den radikalen Widerstand und schreibt morgens kurz nach dem Frühstück: "… siehst du eine zecke laufen musst du dir nen hammer kaufen siehst du die zecke wieder schlag sie mit dem hammer nieder."
Peter Klose, ehemaliger Landtagsabgeordneter der NPD im Thüringer Landtag, jetzt parteiloser Stadtrat in Zwickau, ist für solche Sprüche bekannt. Sie sind sozusagen sein Markenzeichen. Denn in der radikalnationalen Szene macht der 58-Jährige damit regelmäßig von sich reden. Warum der korpulente Keramiker sich am 17. Oktober 2010 dazu entschließt, sein Facebookprofil zu ändern und sich in Anspielung an den rosaroten Panther fortan Paul Panther zu nennen, bleibt ebenso ein Rätsel, wie die Frage, warum er sein Profil am Wochenende plötzlich wieder in den "Klarnamen" änderte. Ist es Zufall, dass die rechtsradikale Thüringer Terrorzelle um Uwe Bönhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe für ihr "Bekennervideo" ausgerechnet Paulchen Panther bemühten?
Fakt ist, dass die rechten Nationalisten wegen der Drei sauer sind. Denn dass sie nun in den Sog eines rechtsradikalen Terroristenverdachts gezogen wird, kann die Partei auf dem Weg "in die Mitte der Gesellschaft" nicht gebrauchen. Entsprechend deutlich sind die Distanzierungsbemühungen, wenn es um die Thüringer Terrorzelle geht, die für mindestens zehn Morde verantwortlich gemacht wird.
Holger Apfel, frischgebackener Chef der Bundes-NPD, ging zu Wochenbeginn in die Offensive: "Nach allem, was bis heute bekannt ist, zeugen die abscheulichen Morde des Zwickauer Killer-Trios – und vor allem die grässliche Zurschaustellung der Opfer dieser Schandtaten in Videos – nicht nur von einer extrem hohen kriminellen Energie, sondern auch von einer Abartigkeit, die einen fassungslos macht. Wer angesichts dieser Bestialität auch nur ansatzweise auf die Idee kommt, dies könne im Sinne meiner Partei und meiner Fraktion sein, ist entweder unzurechnungsfähig oder agiert aus durchsichtigem politischen Interesse." Doch wie ernst ist die öffentliche Entrüstung der NPD zu nehmen?
Kerstin Köditz, Mitglied der Linke-Fraktion im sächsischen Landtag meint, man könne keine klare Trennlinie zwischen dem "Freien Netz" - einem Aktionsbündnis rechter Gruppen - und der NPD ziehen. Oft gebe es Doppelmitgliedschaften. Oder zumindest eine enge Zusammenarbeit. "Peter Klose hat dafür gesorgt, dass zahlreiche Personen aus dem Umfeld des "Freien Netzes" für die NPD bei der Kommunalwahl kandidiert haben. Er selbst trat dort als Redner auf. Das Verhältnis ist herzlich."
Starke Hinweise für eine tatsächliche Nähe einzelner NPD-Mitglieder zur Zwickauer Terrorzelle lassen sich zumindest für die vergangenen Jahre finden.
1994, als die rechtsradikale Gruppe "Thüringer Heimatschutz" (THS) entstand, spielte die NPD in Thüringen noch keine Rolle. Wichtiger Part der Gruppierung wurde relativ schnell der damals 20-jährige Tino Brandt. Unter seiner Führung wuchs der Heimatschutz ab 1995 rasch von 20 auf 120 regelmäßig in Kontakt stehende Neonazis aus ganz Thüringen und Nordbayern an. Die Gruppe veranstaltete mehrere Neonazikonzerte, tauchte auf NPD-Demonstrationen auf und sorgte immer wieder für Schlagzeilen. Brandt arbeitete dabei eng mit Ralf W. und André K. aus Jena zusammen. Und: Auch das Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt 1995 sollen sich nach derzeitigem Ermittlungsstand 1995 Tino Brandt und dem THS angeschlossen haben.
Als die Polizei im Oktober 1997 bei der Durchsuchung eines THS-Treffs ein Waffenlager mit Knüppeln, Messern, Äxten und Schreckschusspistolen ausgehoben hatte, gab es bereits ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere THS-Mitglieder, darunter auch Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt. Es sei dabei um die Versendung von Briefbombenattrappen an die Thüringische Landeszeitung, die Stadtverwaltung und die Polizeidirektion Jena gegangen, heißt es im antifaschistischen Blog "Dokumentationsarchiv"