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18. Januar 2012, 17:14 Uhr

200 Meter entscheiden über Leben und Tod

Die "Costa Concordia" hatte schon einmal die Stelle passiert, an der nun ihr Rumpf aufgerissen wurde - allerdings 200 Meter weiter auf See. Für einen Kreuzfahrtdampfer dieser Größe ein Katzensprung. Von Niels Kruse

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Satellitenaufnahme der gekenterten "Costa Concordia": Südlich vom Schiff liegen die Felsen, die seinen Rumpf aufgeschlitzt hatten© DigitalGlobe/Reuters

Die "Costa Concordia" ist vor Giglio schon einmal einen riskanten Kurs gefahren. Dabei soll das Schiff der felsigen Küste deutlich näher gekommen sein als bisher bekannt. Wie das angesehene Schifffahrtsfachmagazin "Lloyds List" berichtet, war der Kreuzfahrtdampfer am 14. August 2011 nur 230 Meter vom Land entfernt an der Insel vorbeigefahren. Die Reederei der Costa hatte auf einer Pressekonferenz am Montag das Sondermanöver zwar eingeräumt, aber davon gesprochen, dass die Entfernung zwischen Schiff und Ufer immer mindestes 500 Meter betragen hatte.

Der Deutschlandchef des Unternehmens, Heiko Jensen, sagte, die Route sei damals mit den Behörden und dem Schiffseigner abgesprochen gewesen. Grund für den Sonderkurs sei das Inselfest "La Notte di San Lorenzo" gewesen. "Lloyds List" dagegen liegen Daten vor, die beweisen, dass der Abstand zwischen Küste und Schiff deutlich geringer gewesen war. Zudem habe die "Costa Concordia" im Sommer vergangenen Jahres ebenfalls die Stelle passiert, an dem die Felsen den Rumpf aufgeschlitzt hatten - und zwar weniger als 200 Meter von dem Punkt entfernt, an dem das Unglück seinen Anfang nahm. Für ein Schiff der Größe des Ozeanriesen ist diese Entfernung ein Katzensprung.

Welche Seekarten hatte der Kapitän zur Verfügung?

Üblicherweise muss vor jeder Kursänderung, zumal so nahe der Küste, der Seegrund neu ausgelotet werden - erst dann erteilen die zuständigen Behörden die Genehmigung für die neue Route. Wenn die Darstellung von Costa Kreuzfahrten stimmt, dann war der Weg, den das Schiff im August gewählt hatte, augenscheinlich problemlos befahrbar. Die nur unwesentlich abweichende Passage des in Kritik geratenden Kapitäns Francesco Schettino nicht. Ob es der Kommandant verpasst hat, den "Grußkurs" vorher auszurechnen oder es schlicht ignoriert hat, ist unklar.

Schettino hatte nach dem Unfall ausgesagt, dass der Felsen nicht auf seinen Seekarten verzeichnet gewesen sei. "Lloyds List" schreibt, dass es tatsächlich Karten gebe, auf denen die Felsen nicht verzeichnet sind. Dabei soll es sich um die des Britischen Hydrografischen Instituts (UKHO) handeln, die die Gegend im Maßstab von 1:300.000 abbilden. "Diese eignen sich allerdings nicht sonderlich gut für küstennahe Navigation", so die Behörde aus dem südenglischen Taunton. Das Institut weist zudem daraufhin, dass die italienischen Karten deutlich genauer seien. Nicht äußern wollte sich das UKHO darüber, welche der beiden Kartentypen letztlich an Bord der "Costa Concordia" verwendet worden sind.

Von Niels Kruse
 
 
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