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9. Juni 2009, 16:37 Uhr

Alle mutmaßlichen Terroristen wollen gestehen

Überraschung im Prozess gegen die vier mutmaßlichen Sauerland-Terroristen: Ihren Verteidigern zufolge sind alle Angeklagten zu umfassenden Geständnissen bereit. Das Motiv eines der Verdächtigen ist äußert profan - er langweilt sich und hat auf den Prozess schlicht "keine Lust mehr".

Sauerland-Prozess, Geständnis, Terroristen

Die im Sauerland-Prozess Angeklagten Atilla Selek (l.) und Daniel Schneider (2.v.r.) wollen wie ihre möglichen Komplizen Geständnisse ablegen© Henning Kaiser/DDP

Die vier mutmaßlichen Terroristen der Sauerland-Gruppe haben am Dienstag umfassende Geständnisse angekündigt. Die Angeklagten hätten sich auf diese gemeinsame Linie geeinigt, erklärten ihre Verteidiger am Dienstag. Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling sprach von einer "sinnvollen Lösung". "Dadurch, dass dies so frühzeitig geschehen ist, ist ein spürbarer Strafnachlass möglich."

Der Angeklagte Adem Yilmaz war am Dienstag vorgeprescht, hatte ein umfassendes Geständnis angekündigt und um ein Gespräch mit den anderen Angeklagten gebeten. "Es ist mir egal, wie viel Sie mir geben, ob 20 oder 30 (Jahre). Ich möchte nur, dass das hier vorbeigeht. Es ist langweilig", sagte Yilmaz am 15. Verhandlungstag. Das Gericht hatte das von Yilmaz erbetene Gespräch im Beisein von zwei Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) sofort ermöglicht. Auch die Bundesanwaltschaft hatte zugestimmt.

Yilmaz' Anwältin Ricarda Lang erklärte dessen Vorstoß so: "Er ist nicht in der Lage, dem Prozess hier standzuhalten. Er begreift die juristischen Hintergründe nicht. Er hat keine Lust mehr, ihm ist langweilig." Auf keinen Fall wolle er, dass im islamischen Fastenmonat Ramadan verhandelt wird, der in diesem Jahr Ende August beginnt. Es mache keinen Sinn, weiter zu schweigen, um dann im Urteil die "volle Packung" zu erhalten, erklärte der 29-Jährige. Bislang hatten die Angeklagten jegliche Aussage in dem Terror-Prozess verweigert.

Der mutmaßliche Rädelsführer Fritz Gelowicz kündigte persönlich ein umfassendes Geständnis an: "Ich werde gestehen, was es zu gestehen gibt." Es werde dabei auch Überraschungen geben, ergänzte sein Anwalt Dirk Uden. Der Anwalt von Atilla Selek, Axel Nagler, erklärte, sein Mandant werde "alle Karten auf den Tisch legen". Das Gericht gab den Angeklagten zur Vorbereitung ihrer Geständnisse Zeit und will erst in der übernächsten Woche weiter verhandeln.

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling betonte, dass das Gericht an umfassenden Geständnissen interessiert sei, weniger an abgesprochenen Verteidiger-Erklärungen. Bundesanwalt Volker Brinkmann sagte, zwar wären die Angeklagten im Prozess wahrscheinlich sowieso überführt worden, die Geständnisse seien aber "prozessökonomisch, sie ersparen uns Zeit". Der Prozess - eines der größten Verfahren seit RAF-Zeiten - war bislang auf zwei Jahre angelegt. Ein Geständnis könnte zu einem Urteilsspruch schon in diesem Herbst führen, sagte Anwältin Lang.

"Schweigen oder Aussagen?"

Dass die Angeklagten ein Geständnis oder zumindest eine Aussage erwägen, war Mitte Mai bekanntgeworden, als bei Daniel Schneider ein an Yilmaz gerichteter Brief sichergestellt wurde. "Wann ist es sinnvoll, dass alle schweigen oder aussagen?", hieß es in dem Kassiber.

Die Angeklagten sollen eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) gebildet und in Deutschland schwere Anschläge mit Autobomben geplant haben. Drei der Islamisten waren am 4. September 2007 im sauerländischen Oberschledorn von der Spezialeinheit GSG 9 festgenommen worden, Selek wurde später in der Türkei verhaftet.

DPA
 
 
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