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Wie russische Neonazis Jagd auf Schwule machen

Die Gewalt gegen Schwule in Russland reißt nicht ab: Neonazis haben erneut einen Jugendlichen in eine Falle gelockt und misshandelt. Um das Opfer zu demütigen, filmten sie ihre abscheuliche Tat.

Von Jens Maier

  Screenshot des Neonazivideos: Der Täter schert dem Studenten den Kopf. Im Originalvideo ist das Gesicht des Jungen ungepixelt.

Screenshot des Neonazivideos: Der Täter schert dem Studenten den Kopf. Im Originalvideo ist das Gesicht des Jungen ungepixelt.

Keine 100 Tage mehr bis zum Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi. Dass Schwule dort nicht willkommen sind, hat Präsident Wladimir Putin durch sein Anti-Homosexuellen-Gesetz unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Doch in welche Gefahr sie sich begeben, zeigt jetzt erneut ein abscheuliches Video einer russischen Neonazigruppe.

Ein südafrikanischer Austauschstudent wurde in der Großstadt Belgorod Opfer des fremden- und schwulenfeindlichen Netzwerks “Okkupaj Pedofilyaj”. Es ist berüchtigt dafür, im Internet Kontakt zu Homosexuellen aufzunehmen und sie anschließend in eine Falle zu locken. "Safari" nennen sie die Quälerei verharmlosend. Um ihre Opfer zu verhöhnen, stellen die Täter anschließend ein Video der Misshandlungen ins Netz und zwingen sie, ihre Namen und Adressen zu nennen. So auch in diesem Fall.

Opfer wird nackt gefilmt und verhöhnt

In dem halbstündigen Film, den die Täter am Mittwoch auf dem russischen Videoportal "Rutube" veröffentlichten, ist zu sehen, wie der junge Mann misshandelt und gedemütigt wird. Er wird nackt gefilmt und verhöhnt. Ihm werden die Haare geschoren und anschließend sein Kopf beschmiert, eine Wassermelone wird ihm ins Gesicht gedrückt, und er muss mit einer Bierflasche Oralverkehr nachahmen. Einer der Täter fragt ihn vor laufender Kamera auf Englisch: "Wie oft hattest du schon einen Penis in deinem Arsch?"

Die Tortur in einer Privatwohnung dauert offenbar mehrere Stunden. Der sichtbar verstörte und verängstigte Student lässt die Demütigungen tapfer über sich ergehen. Er kommt allen Forderungen widerspruchslos nach. Doch er muss Todesängste ausgestanden haben. Die Peiniger selbst hingegen machen keinen Hehl daraus, dass sie Spaß an ihren Misshandlungen haben. Sie lachen, grölen und kommen sich offenbar ganz toll vor.

Täter haben keine Strafverfolgung zu befürchten

Besonders erschreckend: Die Täter haben offenbar keinerlei Furcht vor Strafverfolgung. Sie zeigen offen ihr Gesicht und damit ihre Identität. Mehr als 20 Menschen wurden laut der in Moskau ansässigen Nichtregierungsorganisation "Sova Center" allein im vergangenen Oktober bei rassistischen oder schwulenfeindlichen Übergriffen verletzt. Seit Anfang des Jahres seien 18 sogar dabei getötet worden.

Die traurigen Zahlen zeigen, wie bedrohlich die Situation für Homosexuelle in Russland ist. Opfer, die sich an die Polizei wenden, werden oft zusätzlich verhöhnt, beklagen Menschenrechtsgruppen wie "Human Rights Watch". Schwule sind den Nazigruppen ausgeliefert und haben keinerlei Unterstützung von staatlicher Stelle zu erwarten.

In den Fall des missbrauchten südafrikanischen Studenten hat sich nach einem Bericht der in Pretoria erscheinenden Zeitung "The Star" der renommierte Rechtsanwalt Coenraad Kukkuk eingeschaltet. Er habe dem russischen Botschafter Mikhail Ivanovich Petrakov geschrieben und verlangt, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Darauf habe er auch eine Antwort erhalten, sagt Kukkuk: "Eine E-Mail mit acht Fragezeichen."

Anmerkung der Redaktion: Um das Opfer zu schützen, haben wir bewusst darauf verzichtet, das Video zu verlinken oder zu zeigen. Es ist im Internet abrufbar.

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