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Kölner Polizei hat offenbar versucht, das Chaos der Silvesternacht zu verschleiern

Der durchgesickerte Einsatzbericht der Bundespolizei zur Silvesternacht von Köln bringt die bisherige Darstellung der Kölner Polizei ins Wanken. Die Unterschiede sind so groß, dass der Verdacht der Verschleierung nicht von der Hand zu weisen ist.

Eine Analyse von Finn Rüten

Polizisten am Hauptbahnhof in Köln

Die Schilderungen der Polizei Köln werden von einem internen Einsatzerfahrungsbericht der Bundespolizei erheblich in Fragen gestellt.

Ein interner Einsatzerfahrungsbericht eines Beamten der Bundespolizei zur Silvesternacht von Köln wirft massive Fragen an der Kommunikation der Kölner Polizei auf. Die Darstellungen weichen stark von denen der Landesbeamten ab. Der Bericht, dessen Authenzität ein Sprecher der Bundespolizei dem stern bestätigte und der demnach am 4. Januar erstellt wurde, schildert die Ereignisse deutlich drastischer als bisher kommuniziert. Offenbar konnten die Beamten trotz früher Kenntnis von sexuellen Übergriffen nichts gegen die Straftaten unternehmen, weil es schlichtweg zu viele waren und die Polizisten teilweise von der Masse daran gehindert wurden, zu um Hilfe rufenden Menschen vorzudringen.

Vor allem aber chronologisch widerspricht der Bundespolizei-Bericht den bisherigen Darstellungen. So beteuerte die Kölner Polizei noch am 5. Januar, erst nach Mitternacht und nach der Räumung des Bahnhofvorplatzes von den sexuellen Übergriffen auf Frauen erfahren zu haben. Dem nun durchgesickerten Bericht zufolge wurden zumindest die Beamten der Bundespolizei direkt nach Eintreffen am Hauptbahnhof - und damit vor 22.45 Uhr - von "vielen aufgewühlten Passanten" über "Schlägereien, Diebstähle, sexuelle Übergriffe" informiert. Auch von einem zu beobachtenden "Spießrutenlauf" für Frauen durch "stark alkoholisierte Männermassen" ist die Rede.

"Kommunikation sehr gut"

Die Kommunikation zwischen Landes- und Bundespolizei an dem Abend sei dem Sprecher zufolge "sehr gut" gewesen. Schwer vorstellbar also, dass nur die Beamten des Bundes von den Attacken wussten. Dennoch blieb die Kölner Polizei tagelang bei ihrer Darstellung, sprach in einer Neujahr-Pressemitteilung von "ausgelassener Stimmung" und "weitgehend friedlichen" Feiern. Die spätere Räumung des Bahnhofvorplatzes wird hier zwar erwähnt, allerdings garniert mit dem Resümee: "Trotz der ungeplanten Feierpause gestaltete sich die Einsatzlage entspannt - auch weil die Polizei sich an neuralgischen Orten gut aufgestellt und präsent zeigte."

Im Bericht des Bundespolizisten hingegen wird beschrieben, wie die Beamten bei der Räumung mit Böllern beschossen und Flaschen beworfen wurden. Im weiteren Einsatzverlauf seien "zahlreiche weinende und schockierte Frauen/Mädchen" zu den Beamten gekommen, um sexuelle Attacken durch mehrere Migranten und Migranten-Gruppen zu schildern, heißt es dort weiter. Es seien so viele Straftaten auf einmal und an verschiedenen Orten begangen worden, dass die Beamten nicht eingreifen konnten und "an die Grenze zur Frustration" gebracht worden sein. Zwischenzeitlich sei es nicht einmal mehr möglich gewesen, die Strafanzeigen aufzunehmen. Und auch "ein Gewahrsam kam in dieser Lage aufgrund der Kapazitätsgrenze in der Dienststelle nicht in Betracht."

Passantinnen "sicher durch die Menschenmenge" begleitet

Nach Angaben der Kölner Polizei hingegen passte diese nach Kenntnis über die sexuellen Attacken "das Einsatzkonzept sofort an", begleitete Passantinnen "sicher durch die Menschenmenge" und sprach Platzverweise aus. Kein Wort von großen Gruppen, die die Polizeiarbeit anscheinend absichtlich behinderten, sowie von Gleichgültigkeit und Respektlosigkeiten gegenüber den Beamten. Das Ganze wird besonders fragwürdig, weil sich die Schilderungen des Bundespolizisten mit mehreren Augenzeugenberichten decken.

Auf Nachfrage des stern blockte die Pressestelle der Kölner Polizei ab und gab an, bis zum kommenden Montag keine Fragen zu den Einsatzabläufen der Silvesternacht mehr beantworten zu wollen. Dann soll eine Sondersitzung des Innenausschusses im Landesparlament stattfinden. "Aus Respekt vor dem Parlament werde ich für die Öffentlichkeit zunächst bis zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Details zur Einsatzvorbereitung und zum Einsatzverlauf erläutern", wird Polizeipräsident Wolfgang Albers in einer aktuellen Pressemitteilung zitiert.

Absichtliche Verschleierung?

Die eklatanten Unterschiede in den Darstellungen der Ereignisse, die Verharmlosungen und das tagelange Verschweigen der Dimension der Attacken - obwohl offensichtlich der Beamte der Bundespolizei bereits in der Silvesternacht "chaotische Zustände" beobachtete - lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder bei der Polizei Köln wurden diese Attacken in der Silvesternacht von den Beamten nicht bemerkt, was ein absolutes Armutszeugnis wäre und vor allem schwer denkbar. Die andere Variante, und das wäre sogar noch weitaus schlimmer: Es wurde absichtlich versucht, die Tathergänge zu verschleiern. Aus welchen Motiven auch immer. Beides wäre völlig inakzeptabel.


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