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Wenn um Zweitfrauen und Morgengabe gestritten wird

Die Scharia wird nach Aussagen von Rechtsexperten schon längst in deutschen Gerichten angewandt. Natürlich gibt es weder Peitschenhiebe noch Steinigungen als Strafe, doch im Familien- und Erbschaftsrecht werden die Gebote der Scharia herangezogen.

"Wir praktizieren islamisches Recht seit Jahren. Und das ist auch gut so", sagte Hilmar Krüger, Professor für ausländisches Privatrecht an der Universität Köln, dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Er widersprach damit der Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach die Scharia in Deutschland nicht gelte. Normen des islamischen Rechts finden demnach vor allem im Familien- und Erbrecht der Scharia Anwendung. So würden etwa Jordanier in Deutschland nach jordanischem Recht verheiratet und geschieden. Frauen, die in ihrem Herkunftsland rechtmäßig eine polygame Ehe eingehen, könnten in Deutschland Ansprüche wie Unterhaltszahlungen, vom Ehemann erworbene Anrechte auf Sozialleistungen und einen Teil des Erbes geltend machen.

600 Goldmünzen Morgengabe

Merkel hatte sich in die Debatte um die Rede von Bundespräsident Christian Wulff zur Integration mit den Worten eingeschaltet, "es gilt bei uns das Grundgesetz, und nicht die Scharia". Wulff hatte in seiner Ansprache am 3. Oktober den Islam als zu Deutschland gehörend bezeichnet. Laut "Spiegel" berufen sich immer wieder deutsche Richter auf die Scharia: So habe das Bundessozialgericht in Kassel vor einigen Jahren die Klage einer Marokkanerin mit dem Verweis auf islamisches Recht abgelehnt. Die Witwe hatte sich geweigert, die Rente ihres Mannes mit der Zweitfrau zu teilen. Die Richter hätten hingegen geurteilt, dass beiden Gattinnen der gleiche Rentenanteil zustehe.

In einem anderen Verfahren habe das Koblenzer Oberverwaltungsgericht auch der Zweitfrau eines Irakers eine Aufenthaltsbefugnis zugestanden. In Köln hätten Richter einen Iraner verpflichtet, nach der Scheidung 600 Goldmünzen Morgengabe an seine Ex-Frau zu zahlen. Sie stützten sich dabei auf die im Iran geltende Scharia. Zu einem ähnlichen Urteil sei das Oberlandesgericht Düsseldorf gekommen, das einen Türken zu 30.000 Euro Morgengabe an seine ehemalige Schwiegertochter verurteilt habe. Das Nebeneinander verschiedener Rechtsvorstellungen sei "Ausdruck der Globalisierung", sagte der Erlanger Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe dem "Spiegel". "Wir wenden islamisches Recht genauso an wie französisches." Allerdings sei die Grenze erreicht, wenn die Normen der öffentlichen Ordnung und den Grundrechten zuwiderlaufen. Nach der Scharia mögliche Zwangsehen und Steinigungen seien deshalb verboten.

AFP/AFP
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