Sie sind bundesweit organisiert, haben ihre Reviere dort, wo Kinder spielen. Und denen stellen sie nach - mit perfiden Maschen und Methoden.
Berlin. Ich habe mich mit Thomas* verabredet, den ich auf dem bundesweiten Treffen der "AG Pädo" in der Jugendherberge am Mainzer Volkspark kennen gelernt habe. In der Hauptstadt betreut Thomas den kleinen Sohn einer Studentin. Die Mutter hatte in der Homo-Rubrik "Gleich & Gleich" eines Stadtmagazins inseriert. Dass sie einen schwulen Mann sucht, der sich ab und zu um ihren Jungen kümmert. Thomas weiß, warum: "Weil sie selber keinen sucht, den sie heiraten will, sondern nur einen für die Betreuung." Thomas schmunzelt: "Einfacher geht's, glaube ich, nicht. Ich dachte, ich seh nicht richtig: Ist das ein Scherz? Eine neue Fangmethode?" Die Kleinanzeige hätte ja auch eine Falle sein können. Dass sie sich ausgerechnet einen Pädophilen
für den kleinen Dani ins Haus geholt hat, ahnt die Mutter nicht. "Natürlich weiß sie nichts davon", sagt Thomas, "aber wir sind inzwischen eng befreundet." Getreu dem Pädo-Grundsatz: "Nicht mit der Mutter - aber auch nicht ohne die Mutter."
Thomas betreut den Kleinen, wenn die Mama mittags an der Fachhochschule paukt. Wir sind am Hackeschen Markt verabredet, wo er den Jungen gerade vom Bahnhof abholt. Dani hat kurze dunkle Haare und plaudert gleich mit mir. Thomas soll Dani nach Hause bringen, ich begleite die beiden. Thomas trägt den bunten Schulranzen, fragt das Kind, was es heute erlebt habe. Er kann gut mit Kindern umgehen, denke ich. So wie die meisten "Boylover". Sie maßregeln Kinder höchst selten, lassen sie gewähren, bauen Vertrauen auf.
Für viele Pädophile ist es nicht nur lästige Pflicht, sich die manchmal großen Sorgen eines kleinen Mannes anzuhören und darauf einzugehen. Eben deshalb werden sie oft zu einem wirklichen Freund des Kindes. Wäre da nicht die andere Seite der Medaille. Weil der gute Freund so nett ist, nimmt das Kind sexuelle Übergriffe in Kauf - auch um die Zuwendung des Erwachsenen nicht zu verlieren. Thomas hält das für absurd: "Bei uns ist alles einvernehmlich. Der Junge will dabei nicht angesprochen werden, er genießt das", behauptet er.
Manchmal massiere er den Jungen auch nur, sagt Thomas, zum Sex komme es nicht immer. Der benutzt nicht mal ein Kondom, schießt es mir durch den Kopf. Thomas hatte nämlich erzählt, er sei HIV-positiv. Ob er denn keine Angst habe, den Kleinen mit Aids anzustecken, frage ich. "Nö", sagt Thomas, "das überträgt sich nicht so leicht. Ich steh sowieso nicht auf Geschlechtsverkehr, und er muss auch nicht meinen Schwanz in den Mund nehmen, nur ich bei ihm." Das glaubt die Mutter, die wir gewarnt haben, bis heute nicht. Ein Phänomen, das es häufig gibt.
Thomas sehe ich einige Tage später wieder: beim zweiwöchentlichen Pädo-Mittwochstreff in Berlin-Mitte. Als ich in die Eckkneipe komme, die am Telefon als Treff vereinbart worden ist, sitzen zwei Männer am Tisch. Sie stellen Fragen, dazwischen wird geplaudert. Einer sagt: "Irgendwann wirst du schon alle kennen lernen, bleib an der Mittwochsgruppe dran. Die ist abgeschirmt, da wirst du nur über einen Bekannten eingeführt, damit man sich da keinen Kripobeamten reinsetzt. In die Gruppe kommen nur Geprüfte."
Infos im Internet www.dunkelziffer.de Homepage des Vereins, der vom ehemaligen stern-Reporter Klaus Meyer-Andersen mitgegründet wurde
www.dggkv.de Deutsche Gesellschaft gegen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung
www.zissg.de Zentrale Informationsstelle zur Prävention von sexueller Gewalt - mit Anlaufadressen